Freitag, 23. Oktober 2009

Der ökonomisierte Apfel

Gestern habe ich Äpfel gekauft. Äpfel, die ihren Namen noch verdienen. Äpfel alter Sorten, von Bäumen, die noch nicht zu Krüppeln gezüchtet worden sind. Das Kilo hat 1,50 EUR gekostet und 2 Kilo 2,00 EUR. Also ist es ein Märchen, dass geschmackose Industrieäpfel die einzige Alternative sind, günstig Äpfel kaufen zu können. Andersherum gesagt, alte Sorten an hohen Bäumen können ebenso günstig verkauft werden.

Tja, wenn man denn wollte. Aber, und hier setzt das idiotische unserer Welt ein, es gibt zu viele, die Geld an diesem Apfel verdienen wollen und nicht nur einfach Geld, nein, ein Manager will im Jahr um die 1 Million verdienen. Er will soviel Geld aus einem Produkt ziehen, was diese Produkt einfach nicht erwirtschaften kann. Nicht, dass er jetzt seinen Verdienst an das Produkt anpassen würde, nein, dass Produkt wird verändert. Meist nicht zum Vorteil des Produktes. Man züchtet es hoch, das Produkt wird eine Diva, anfällig für jedweden Mist. Dann kommt noch die Werbung dazu, die uns tatsächlich weiß machen will, dass ein Apfel schön aussehen muss. Und die meisten glauben das. Mein Apfel ist schön! Das er nicht schmeckt, spielt dabei keine Rolle mehr.

So, nun habe ich den wunderschön anzuschauenden Apfel. Er ist teurer in der Produktion, weil er industriell aufgepeppt ist, aber scheinbar billiger, weil niedrig und so scheinbar leichter zu händeln.

Die früheren Bäume wuchsen einfach so, weil sie Bäume waren. Ein Leimring um den Stamm hat gereicht, um Schädlinge abzuwehren. Sicherlich sahen die Äpfel nicht so schön aus, aber sie schmeckten.

Erntehelfer werden immer noch gebraucht. Aber nun verdient der Handel daran. Naja, nicht der kleine Popel - der Manager. Und weil das Produkt immer noch nicht die Managergehälter hergibt, wird an den kleinen Popel gespart. Der Apfelbauer hat ein bissel Pech und der Erntehelfer allemal. Der ist der Letzte, den die Hunde beißen. Die Verkäuferin hat auch ein bissel Pech. Schließlich muss nicht ihr, sondern der Lebensstandard des Managers gewährleistet werden.

Jetzt nun die Frage, ob wir diesen überbezahlten Manager überhaupt brauchen. Wir brauchen sicherlich jemanden, der alles organisatorisch in den Händen hält, der einzelne Arbeitsschritte zusammenführt und den Überblick hat. Dieser Jemand sollte ganz fest an die Produktion gebunden sein. Er sollte auch gut verdienen, er hat den Überblick. Aber gut verdienen und absahnen, sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge. Derjenige der den Überblick hat, ist zwingend abhängig von denjenigen, die die Arbeit machen. Ohne die kann er einpacken. Andersherum kommen die, die die Arbeit machen, auch ohne den weiter, der den Überblick hat. Es wird für sie ein bisschen schwerer, aber nicht unmöglich.

Dann kommen noch die Äpfel dazu, die von der ganzen Welt hierher gekarrt werden. Sie müssen unreif abgenommen werden, nachreifen, was wiederum Energie kostet. Sie sind behandelt, um den Transport zu überstehen usw. usf. Ich will da nicht alles aufzählen, was möglich ist. Dass die Äpfel noch geschmackloser sind, ist ihr Markenzeichen. Wenn jemand das Gegenteil sagt, ist sein Geschmack schon total verbildet oder er hat noch nie in seinem Leben einen richtigen Apfel gegessen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich plädiere für regionale Märkte. Es muss auch nicht jeden Tag alles an Produkten erhältlich sein. Die Essgewohnheiten können an die Jahreszeit angepasst werden und an das Vorhandene. Letztendlich würden wir uns selbst helfen. Äpfel von Streuobstwiesen oder -plantagen sind Ökoobst, ohne Spritzen von Giftstoffen und so. Sie sehen nicht so schön aus und vielleicht gibt es dann mal mehr und mal weniger, aber die Menschheit als Spezies ist darauf vorbereitet und in vielen Ländern der Erde lebt man mit diesen Schwankungen heute noch ganz gut. Vielleicht werden wir nur überleben, wenn wir uns unserer Wurzeln besinnen.

Früher habe ich auch sehr gut und reichlich gegessen, jahreszeitgemäß. Ich habe weniger gewogen und mich natürlicher ernährt. Ich muss nicht alles zu jeder Zeit und überall haben.

Unser Körper ist jahrhundertelang daran gewöhnt worden, zu essen, was in der Region gedeiht. Das ist dann je nach Region unterschiedlich gewesen. Im Binnenland wurde sich anders ernährt als an der Küste. Wir zerstören unser Land, weil wir unsere Wurzeln vergessen haben und Ernährungsberatern, die tief in der Industrie verwurzelt sind, jedes Wort abkaufen. Wir leben nicht am Mittelmeer, deshalb ist für uns auch nicht die Mittelmeerkost am gesündesten. Unsere Landwirtschaft würde gesunden, wenn sie alte Tierarten und alte Pflanzen-, Obst- und Gemüsesorten wieder entdecken und die regional vermarkten würde. Unsere Landwirtschaft könnte dadurch die Abhängigkeit zu solchen Unternehmen wie z.B. Monsanto beenden. Milchseen würde es nicht bei Kühen geben, die robuster sind, aber nicht soviel Milch geben. Die Nebenkosten würden dadurch sinken.

Der Apfel ist der Ausgangspunkt. Er ist das Sinnbild einer sinnvolleren Nahrungsmittelproduktion, die ohne millionenschwere Manager auskommt.

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