Mittwoch, 14. Oktober 2009

Intergration oder wie oder was?

Seit Sarrazin seine dummen Türken- und Araberäußerungen gemacht hat, fühlt sich wieder jeder bemüßigt von Intergration der Ausländer zu sprechen.

Integration. Das ist ein Wort, was alles oder nichts beinhalten kann. Was soll dieses Wort uns sagen? Ich weiß es nicht.

Soll Integration bedeuten, dass Türken und Araber jetzt kleine Deutsche werden sollen? So denken, wie wir? Das lesen, was wir auch lesen? (Was lesen wir denn?). Das gut finden, was wir auch gut finden? Finden wir Deutsche etwas gemeinsam gut?

Sie sollen unseren deutschen Staat lieben und die deutsche Gesellschaftsordnung!

Werde ich nun aus der deutschen Staatsbürgerschaft geschmissen, weil ich diesen Staat nicht liebe und diese Gesellschaftsordnung abartig finde? Ist etwa Liebe zum Deutschtum der Maßstab zur Integration? Was bin ich dann? Soll ich nun eine Identitätskrise bekommen, weil ich nicht zur Liebe zum Deutschtum neige?

Sie sollen Deutsch sprechen! Sicherlich, das wäre sehr hilfreich. Ist es nun schlimm, dass ich Mühe habe, mich mit meiner thailändischen Schwiegertochter flüssig in Deutsch zu unterhalten? Ich finde das nicht weiter schlimm, da sie ein furchtbar netter Mensch ist. Sie weiß so gut wie nichts über Deutschland, es interessiert sie auch nicht so sehr, aber ihr gefällt es hier. Dieses Nichtwissen über Deutschland teilt sie mit einem sehr, sehr hohen Prozentsatz geborener Deutscher. Apropos deutsche Spache: Sollten dann nicht auch Bayern, Pfälzer, Schwaben und Saarländer versuchen, sich auf Deutsch verständlich zu machen? Oder sind das keine integrationswilligen Bürger?

Ach ja, das Kopftuch stigmatisiert den nicht integrationswilligen Ausländer. Also ich persönlich möchte auch kein Kopftuch tragen, wäre mir einfach viel zu warm. Aber ich komme aus einem christlichen Kulturkreis. Ach, russlanddeutsche Omas tragen auch ein Kopftuch. Und ich kann mich noch ganz genau an meine Kindheit und die ersten Schuljahre bis Anfang der 60er Jahre erinnern, da trug man Kopftuch, hier bei uns! Die Frauen und Mädchen müssen das selbst durchfechten, ob sie eins aufsetzen wollen oder nicht. Das ist für mich deren Problem. Ich müsste mich ja dann vehement auch darüber aufregen, dass deutsche Teenie-Mädchen, es schön finden, wie Nutten und Schlampen herumzulaufen. Wenn das unsere Kultur ist, habe ich etwas falsch verstanden. Dann will ich gar nicht zu unserer Kultur gehören.

Türken und Araber bringen es nur bis zum Obst- und Gemüsehändler. Was ist denn nun schlechtes an einen Obst- und Gemüsehändler? Der bezahlt seine Steuern, trägt also zum Allgemeinwohl bei.

Das kann man z.B. von vielen Managern nicht behaupten. Sind die dann nicht integrationswillig?

Oder ist ein Obst- und Gemüsehändler zu sein nicht fein genug? Ist es dann ein 1-Euro-Jobber? Oder eine Putzfrau? Eine Supermarktkassiererin? Oder beginnt ein Mensch erst bei einem Managerposten? Vielleicht sind die Obst- und Gemüsehändler nur zu klug, um sich mit Egoisten in großen Unternehmen herumschlagen zu müssen. Mit ihrem Geschäft, sind sie ihr eigener Herr.

Türken und Araber bilden Subkulturen. Andere Ausländer in Deutschland auch. Auch Deutsche im Ausland ballen sich in bestimmten Vierteln zusammen. Sogenannte Auswanderer z.B. nach Thailand passen sich auch nicht diesem Staat irgendwie an. Sie haben dort ihr Geschäft. Die Freunde sind meist andere Deutsche und die thailändische Sprache ist ein Buch mit sieben Siegeln für sie und erst recht, asiatisches Sozialleben. Ist das was anderes?

In den USA funktioniert das Zusammenleben der vielen Ethnien nur deshalb einigermaßen, weil sie alle ihre bestimmten Viertel haben. Es gibt keinen Schmelztiegel Amerika. Es gibt Landstriche und Städte in den USA, wo kein englisch gesprochen wird. Kein Chinese, kein Schwarzer oder Latino würde auf die Idee kommen, so zu sein, wie ein Europäer. Nur hier wird das von anderen ethnischen Gruppen verlangt. Sollten wir nicht langsam umdenken?

Integration wird an Schulbildung festgemacht. Wenn Deutsche ins Ausland gehen, dann kommen ihre Kinder auch in für sie fremde Klassen, deren Sprache sie meist nicht beherrschen. Nun kommt es auf das Schulsystem an, wie es mit diesem Kind umgeht. In vielen europäischen Ländern ist das kein Problem, da wird dem deutschen Kind Hilfe an die Seite gestellt. In einem der schlechtesten Bildungssysteme von Europa - in Deutschland - ist das natürlich anders. Nur sollte man das nicht den Ausländern vorwerfen. Wenn nur Geld für Banken da ist, aber nicht für Hauptschulen, wirft das nicht auf die Ausländer, sondern auf den Staat ein schlechtes Bild. Und Übrigens, wer sagt uns, dass es schlecht ist, auf die Hauptschule zu gehen? Wieso muss ein Bäcker, ein Obst- und Gemüsehändler Abitur haben? Es muss auch viele fleißige, handwerklich begabte Hände geben. Nur, man muss auch wollen, dass Hauptschulen ein Erfolg sind. Und man muss auch von Unternehmerseite her wollen, dass handwerkliche Arbeit nicht an dem Wissen gebunden wird, wie die Hauptstadt von Burundi heißt.

Was ist nun Intergration? Ich weiß es immer noch nicht. Es ist doch wohl eher, dass Ausländern, egal welcher Nationalität die gleichen Rechte und Pflichten wie Deutschen eingeräumt werden. Dass ihnen gleichen Chancen im Leben eingeräumt werden, wie einem blonden, magersüchtigen, deutschen Mädchen.

Nur hat dieses blonde, magersüchtige, deutsche Mädchen auch Chancen ein erfülltes Leben zu führen, wenn sie z.B. einer armen Familie angehört? Sollte sie nicht auch eine Chance auf Intergration haben?

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