Samstag, 31. Oktober 2009

Was war und was wird sein - Rückblick und Vorgucker


2009 war für mich das Jahr, dass mir oft Schmerzen bereitete. Meiner instabilen Halswirbelsäule schadete das dauernde Kopfschütteln über das, was ich erleben musste.

2009 - das Jahr, als die Krise zur Hochform auflief. Manager verzockten das Geld ihrer Unternehmen im Weltspielcasino. Als alles in Scherben lag, wurde unser hart erarbeitetes Geld in Jetons umgewandelt, den Spielern in die Hand gedrückt und die nahmen es und setzten es wieder auf die schwarzen Felder des gleichen Roulettetisches, so als wäre nichts gewesen.

2009 - das Jahr der Wahl, wieder mal einer Schicksalswahl. Es war das Jahr, als die Supermarktkassiererin, der Arbeiter bei Porsche, die Frisöse und die Putzfrau Hand in Hand mit ihren Chefs Bürgertum probten, obwohl nur die Chefs mit dem Begriff gemeint waren.

2009 - das Jahr, als die Schafe ihren Metzger umarmten.

2009 - das Jahr, in denen den in Deutschland geborenen Ausländern vorgeworfen wurde, dass sie nur Obst- und Gemüsehändler sein wollten, zu viele Kinder in die Welt setzten und nicht wie wir sein wollten. Und das unter den Applaus einer Mehrzahl der Deutschen.

2009 - das Jahr, in dem ein Journalist sagte: "… Keine Volkswirtschaft kann es sich auf Dauer leisten, mehr als zehn Prozent durchzufüttern.” Und das zur Überlebensfrage unseres Landes machte. Ohne Reaktion von irgendjemanden.

2009 - das Jahr, in dem wir zum 20. Jahrestag der Montagsdemos statt nachzudenken, eventet haben.

Was habe ich schon persönlich dagegen zu setzen? Ich führe ein ruhiges Leben und habe keine kriminellen Neigungen. Vielleicht, meinen kleinen Sieg gegen das Arbeitsamt, welches mir ein halbes Jahr vor der Rente einen Aktivierungslehrgang zur Aufnahme einer Arbeit verordnen wollte. Mein Sieg bestätigte mir, dass man sich nicht alles gefallen lassen darf, dass man sich wehren muss. Ansonsten gab es Höhen und Tiefen wie überall. Das Verschwinden meines Verlages von der Bildfläche, der mein Lesebuch übers Jahr verlegen wollte, zähle ich dazu. Die schönen Momente beim 21. Seniorenseminar in Leipzig sind es ebenso, wo sich Menschen ab 50plus aus ganz Deutschland zusammenfanden, selbst geschriebene Geschichten vorlasen, über die Geschichten diskutierten und darüber deutsche Geschichte reflektierten. Wo die ganz spezielle Sicht auf Dinge zwischen Ost und West zur Sprache kam.

Was wird 2010 werden? Ich weiß es nicht. Zuerst einmal werde ich Rente bekommen. Nach 40 Jahren Arbeit, eine unter dem Existenzminimum. Dabei habe ich immer gut verdient, dummerweise in der ehemaligen DDR. Das reißen die letzten Jahre, die ich in Rheinland-Pfalz arbeitete, nicht mehr heraus. Aber ich bekomme wenigstens noch eine Rente, wenn auch mit vielen Abzügen. Mir geht es wie vielen Menschen Ende 50. Die meisten Unternehmen werfen sie raus und überlassen sie der Willkür der Arbeitsagentur. Wohl dem, der die Möglichkeit hatte, privat für seine Rente anzusparen.

Ab dem Jahre 2010 werde ich mit dem klar kommen müssen, was viele Deutsche so und nicht anders wollten. Und mir graut davor. Noch ist relative Stille, da die Wahlen in Nordrhein-Westfalen von den jetzigen Regierungsparteien überstanden werden müssen. Was schon jetzt klar ist, dass ich von dem Wenigen, immer mehr in die Krankenkasse werde stecken müssen. Ich werde im Namen der Gerechtigkeit die gleichen Krankenkassenbeiträge wie ein Manager leisten müssen. Für ihn aus der Portokasse zu zahlen, für mich eine existenzielle Frage. Aber das wollten viele ja so.

Im Namen der Gerechtigkeit werde ich mich wahrscheinlich damit auseinandersetzen müssen, dass die Krankenkasse nur noch einen Festbetrag für die Zipperlein zahlt. Für eine bessere Leistung, müsste ich zuzahlen, genau wie beim Zahnersatz. Nur, hat schon jemand erlebt, dass der Festbetrag für einen Zahnersatz reicht? Aber das wollten viele ja so. 

Im Namen der Gerechtigkeit werde ich höhere Müllgebühren und mehr für den Personennahverkehr zahlen müssen, genau so, wie es viele Wähler wollten.

Im Namen der Gerechtigkeit werde ich ein Konjunkturprogramm für die Versicherungswirtschaft bezahlen müssen, indem ich gezwungen werde, eine private Pflegeversicherung abzuschließen. Aber auch das gehört zum Gewollten.

Und mit welchem Geld soll ich jetzt den Einzelhandel ankurbeln, die kleinen Handwerker pushen?

Wenn Regierungen das Wort Gerechtigkeit in den Mund nehmen, kommt selten welche heraus.

Im Privaten gibt es noch Erfreuliches, z. B. das Kulturprojekt "Wasser im Westen", wo der Karl-Heine-Kanal zum Leben erweckt werden soll. Ich denke, dass ich hier viele schöne Impulse für mich realisieren kann. Weiterschreiben werde ich – ohne Verlag; bestimmt wieder am Seniorenseminar teilnehmen und dort geknüpfte Kontakte vertiefen.

geschrieben für die Letzte Ausgabe der "Kippe" für 2009


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