Donnerstag, 8. Oktober 2009

Wer sind die Leistungsträger ...

... die vielbeschworenen, die mehr Geld in ihrer Geldbörse haben sollen, wie das die FDP will.

Fürs Erste klingt das großartig. Ich - der/die Leistungsträger/in. Wer den ganzen Tag arbeitet, wird das mit stolz geschwellter Brust von sich behaupten. Auch derjenige, der nur ein paar Stunden an der Supermarktkasse sitzt. Schließlich, was wäre, wenn er oder sie nicht dort säße?

Nun soll dieser Leistungsträger mehr Geld in der Geldbörse haben. Das klingt auch sehr überzeugend. Wer früh aufsteht, sich im Büro, an der Supermarktkasse, am Fließband oder wo auch immer den ganzen Tag anmachen lassen muss, Angst haben muss, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, nicht weiß, wie er seine Arbeit schaffen soll, weil zuwenig Personal da ist, der verdient es wirklich, mehr Geld in seiner Geldbörse zu haben.  Ärgerzulage, Ich-bin-Luft-Zulage, Profit-Bringer-Zulage oder wie sie auch heißen sollte.

Jetzt überlegen wir mal, sind diese Menschen wirklich die gemeinten Leistungsträger?

Wie verträgt es sich mit dem "mehr in der Geldbörse zu haben" mit den Angriffen auf die Tariflöhne? Haben nicht jetzt Opelmitarbeiter auf Lohn verzichten müssen?

Sind das keine Leistungsträger?

Verzichten nicht am laufenden Band Arbeiter, Angestellte auf Lohnleistungen? Kleine Sachbearbeiter, Arbeiter in den Fertigungshallen, auch ingenieur-technisches Personal, Vertriebsmitarbeiter, Lokführer, Busfahrer, Servicepersonal, Gaststättenmitarbeiter, Mitarbeiter in Discountern und viele, viele mehr?

Sind die alles keine Leistungsträger? Popeln sie nur gelangweilt den ganzen Tag in der Nase?

Wann beginnt der Leistungsträger? Beginnt er dort, wo gemanagt wird? Wo die erarbeiteten Werte von Lokführern, Busfahrern, Arbeitern, kleinen Angestellten, Vertriebsmitarbeitern und den vielen, vielen anderen auf das eigene Konto umgeleitet wird?

Beginnt der Leistungsträger erst in den Chefetagen?

Nach Auffassung der FDP schon. Das sagt sie aber nicht, weil sie immer wieder und wieder von den kleinen Leuten gewählt werden will.

Wenn es nicht so wäre, müsste die FDP die erste Partei sein, die einen Mindestlohn fordert. Schließlich sollten Leistungsträger gerecht entlohnt werden. Gute Leistung - gutes Geld.

Aber genau das macht sie nicht. Sie will keinen Mindestlohn. Und sie will Menschen mit einer kleinen Aufwandsentschädigung von 660 EUR in die Fabriken schicken zur Zwangsarbeit.

Leisten diese Menschen in den Unternehmen dann dort nichts? Schaffen sie keinen Mehrwert für den Unternehmensbesitzer? Sind sie keine Leistungsträger? Oder waren sie das in den Augen der FDP nie?

Darüber sollte jeder einmal gründlich nachdenken und nicht nur jedem neoliberalen Wort hinterherlaufen, weil es doch so schön klingt. Jeder Ausspruch, jede Umschreibung von Handlungen muss hinterfragt werden und bis zu Ende durchdacht werden. Nur so kann jeder von uns hinter die Phrasen schauen.

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