Freitag, 9. Oktober 2009

Wir eventen wieder

Nun hier in Leipzig. Hier fehlte noch ein gewaltige Jubelfeier zum 9. Oktober 1989. Der MDR brachte in geschichtsfälschender Weise eine Doku "Wir sind ein Volk" zum 9. Oktober. Um diese Zeit stand dieses EIN überhaupt noch nicht zur Debatte. Dieses EIN erlebte ich erst einen Monat später auf einer gespenstigen Montagsdemo mit Sprachbeiträgen. Gespenstig deshalb, weil sogar die Vertreter des Neuen Forums ausgepfiffen worden sind. Um diese Zeit machten sich die westdeutschen, konservativen Kräfte in Leipzig breit, einschließlich eines massiven Aufgebotes der NPD. Um diese Zeit wurde alles, was bisher diskutiert wurde, ad acta gelegt, obwohl die meisten es noch nicht bemerkt hatten. Ich auch nicht.

Heute machen wir in Kunst. Wir Steuerzahler finanzieren zu großen Teilen das Lichterfest in Leipzig. Dieses Geld geht den Kultureinrichtungen verloren. Die Menschen werden strömen, ob nun selbst dabeigewesen oder nicht. Sie werden in richtigen und falschen Erinnerungen schwelgen. Sie werden zu Hause ihre 5-Minuten-Terrine dankbar anrühren und wissen: Das hat uns die Wende gebracht. Deshalb sind wir damals auf die Straße gegangen.

Wieso lassen wir den 9. Oktober in einen Event abgleiten? In Folklore? Wäre dieser Tag nicht besser dazu geeignet weitab des Mainstreams die Forderungen der damaligen Montagsdemos zu diskutieren und darüber zu sprechen, was eingetroffen ist und was verwehrt wurde? Das würde diesen Tag eher ehren, als eine von vielen Jubelveranstaltungen. Und wäre es nicht schön, wenn diejenigen Aufmerksamkeit erhalten könnten, die nicht nur ein Auto und Bananen haben wollten?

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