Mittwoch, 11. November 2009

Der alltägliche Rassismus

„Wirtschaftsasylanten, die hier niemals einen Pfennig eingebracht haben, räkeln sich hingegen in der sozialen Hängematte“, hört man oft.

Was sagt uns das?

Ausländer sind faul. Ausländer sind einzig und allein nach Deutschland gekommen, um sich die Arbeitsleistung auserwählter Deutscher anzueignen, denn von einer flächendeckenden Aneignung von Arbeitsleistungen deutscher Arbeitnehmer kann bei der nach Millionen zählenden Arbeitslosenzahl nicht mehr gesprochen werden.

Spinnen wir den Faden weiter. Die Ausländer sind zu uns gekommen, um uns auszusaugen, uns die schwer arbeitenden Deutschen. Sie nehmen uns weg, was nur uns gehört. Daraus folgt, dass sie asozial sind. Sie lernen nicht deutsch, sie integrieren sich nicht (obwohl wir eher eine Assimilation verlangen) und sie können somit nicht um die einigen wenigen Arbeitsplätze, die es in Deutschland gibt, konkurrieren. (Was wäre, wenn sie uns diese noch wegnähmen?)

Und wenn sie sich integriert haben? Vielleicht noch einen deutschen Pass erhalten haben? Dann sind sie noch lange keine Deutschen. Man nennt sie Außenseiter, Russlanddeutsche, Türken oder sagt „auch wenn du einen deutschen Pass hast, wirst du niemals ein Deutscher sein“. Rechte gehen noch einen Schritt weiter und wollen deutsche Staatsbürger wieder in ihr Heimatland zurückführen, nur weil sie eine dunkle Hautfarbe haben. In welches Heimatland? Zurück nach Deutschland?

Wenn wir somit beim Wort asozial sind, was wir so leichtfertig vergeben, sollten wir uns einige Zitate anschauen.

„Arbeitsscheue im Sinn dieses Erlasses sind Männer im arbeitsfähigen Lebensalter, deren Einsatzfähigkeit in der letzten Zeit durch amtsärztliches Gutachten festgestellt worden ist oder noch festzustellen ist, und die nachweisbar und in zwei Fällen die ihnen angebotenen Arbeitsplätze ohne berechtigten Grund abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber nach kurzer Zeit ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben.” (Erlass „Schutzhaft gegen Arbeitsscheue”, Januar 1938).

Das klingt sehr gegenwärtig und ist auch sehr gegenwärtig. Es erstaunt mich immer wieder, dass das ebenso im Jahre 2009 geschrieben sein könnte. Ähnlich wird es übrigens in den Hartz-IV-Gesetzen formuliert.

Als Arbeitsscheue hatten damals herzuhalten: soziale Minderheiten, wie Obdachlose, Wanderarbeiter, selbstverschuldete Fürsorgeempfänger, Bettler, Landstreicher, kinderreiche Familien aus der Unterschicht, Familien aus Stadtvierteln an den Stadträndern. Dann gab es noch die fremdrassigen Asozialen, damals vor allem Sinti und Roma.

Das klingt auch sehr gegenwärtig. Ich erinnere an die Diskussion um die Erhöhung des Kindergeldes. Fast deckungsgleich tönt es uns entgegen

1937: „Während die gesunde dt. Familie, bes. der gebildeten Schichten, nur etwa zwei Kinder im Durchschnitt hat, weisen Schwachsinnige und andere erblich Lebensuntüchtige durchschnittliche Geburtenziffern von drei bis vier Kindern je Ehe auf”. (Meyers Lexikon, 1937).

2009: „Es gibt das Problem, dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.” Thilo Sarrazin

Tausende von Menschen, die man so stigmatisiert hatte, wurden im 3. Reich in Konzentrationslager gesteckt. Sie erhielten einen schwarzen Winkel und sind bis heute nicht rehabilitiert.

Wir sollten uns ganz klar darüber sein, dass unsere Stammtischparolen, die auch in der Presse verbreitet werden, faschistische Wurzeln haben.

Was verbindet der faschistische Rassismus mit dem heutigen Rassismus? Genau wie damals werden heute ganze Gruppen stigmatisiert. Eigenschaften Einzelner werden für eine ganze Gruppe Menschen als Wahrheit dargelegt. Die Verallgemeinerung lässt das Individuum Mensch verschwinden und verletzt seine Menschenwürde. Es gibt den saufenden, arbeitsscheuen HartzIV-Empfänger, den in Parallelwelten lebenden Ausländer, die kinderreichen Familien, die Bewohner von Plattenbausiedlungen in Ostdeutschland, die vermummte Muslimin, die als Terroristin empfunden wird.

Der Rassismus ist für Krethi und Plethi bestimmt. Er beschäftigt diese, gibt ihnen ein Feindbild, jemanden der anscheinend unter ihnen steht und macht sie zu willigen Werkzeugen einer Klasse, die durch ihren Besitz an allem, über das Wohl und Wehe der kleinen Leute bestimmt.

In ihrer Ohnmacht hören die kleine Leute auf die Verführer, die dann von sich geben dürfen:

„Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.“ Wirtschaftsprofessor Peter Oberender

„Menschen sind in sozialistischen Ländern aber nicht nur weniger intelligent und wissen weniger, sie sind auch durch den geringen Wohlstand deutlich kleiner. Auf gesellschaftlicher Ebene wird damit deutlich: Sozialismus führt nicht nur zu intellektueller Selbstverzwergung, sondern auch zu physischem Kleinwuchs.“ Sozialforscher Rindermann

Die Zitate sind von 2009, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen.

Jeder sollte sich die Frage stellen: Wie hoch ist der Prozentsatz der Menschen, die Sozialleistungen beziehen und wie hoch unter denen der Prozentsatz, die lieber Schnaps trinken, als ihren Kindern eine Mahlzeit zu servieren. Und wie hoch ist der Prozentsatz Menschen, die sich Sozialleistungen erschleichen und um wieviel Geld handelt es sich dabei. Andererseits muss auch hinterfragt werden, wieviel Steuergeld von den Besitzenden veruntreut wird. Welche Geldmengen werden am Fiskus vorbeigeschleußt, was bringt Korruption zu lasten der Steuergelder ein. Wie werden Bürger zu Gunsten von verschiedenen Lobbygruppen geschröpft. Ich glaube, so bekommt man eine bessere Relation dazu, wer sich in Hängematten schaukelt. (Beispiel: Herr Schäuble vergißt 100.000 DM, die er von Herrn Schneider erhalten hat und Herr Koch schafft Parteigelder nach Liechtenstein)

In der menschlichen Geschichte gab es Sternenstunden, wo Menschen unterschiedlicher Religionen oder Ethnien einfach sie selbst sein konnten. In diesen Phasen der Menschheitsgeschichte wurde Großartiges geleistet. Al Andaluz ist solch ein Beispiel. Es wurde zerstört durch Machtgelüste, Borniertheit und Fundamentalismus. Das sollte uns ein warnendes Beispiel sein. Wir sollten von Al Andaluz in seiner Blütezeit lernen. Wir sollten unsere Gemeinsamkeiten hervorheben und nicht das Trennende. Wir sollten lernen – und zwar jeder von uns, egal welche Sprache er spricht und welche kulturellen Wurzeln er hat – das wir uns nicht lieben müssen, aber dem anderen Achtung entgegenbringen sollten. Kleinliches Aufzählen von Gegensätzen hilft nur denen, die - wie damals in Al Andaluz - ihre Machtgelüste, ihre Besitzgier, ihren Fundamentalismus und ihre Borniertheit befriedigen müssen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.