Montag, 9. November 2009

Was kam danach?

Heute ist Jubelhöhepunkt. Wir eventen, immer und immer wieder! Wir feiern den Mauerfall. Regierungsgrößen aus ganz Europa sind anwesend. Sie feiern sich selbst.

Was kam danach?

Hier ein paar Erinnerungen:

Es gab keine Industrie mehr, -zig Tausende wurden arbeitslos, wir gingen der Arbeit hinterher in den Westen. Und dort?

Die letzten Monate in der Heimat:

"Deine Lebensleistung war so schwer, wie das Blatt Papier." Westdeutscher Unternehmer, der ein Blatt Papier auf den Boden segeln ließ. Ich hatte einen Studienabschluss, er nicht.

Im Westen:

"Was? Sie geben eine Wohnung an Ostdeutsche? Das können Sie doch nicht machen?" Unser Vermieter machte es.

"Sie scheinen ja qualifiziert zu sein. Ich muss mir nur noch überlegen, wie ich es meinen Kunden beibringe, dass eine Ostdeutsche für mich arbeitet." Ich lehnte dankend den Job ab, nachdem ich mir den A... aufgerissen hatte, um zu beweisen, dass ich nicht doof bin, trotz dass ich aus dem Osten kam.

"Mein Konkurrent hat eine Ostdeutsche, die polnisch kann. Ich will eine die russisch spricht, damit ich mithalten kann." Eine andere Qualifikation zählte nicht und russisch konnte ich nicht.

"Ich mag nicht bei Ihnen anrufen, wenn ich weiß, dass Frau W... an den Apparat geht. Ich kann Ostdeutsche nicht leiden. Ich will nicht mit ihnen sprechen." Gute Kollegen hinterbringen einen alles.

"Es ist schlimm, überall im Urlaub, auch im Ausland trifft man Ostdeutsche. Nirgendwo ist man mehr unter sich." Wenn man glaubte, unter sich zu sein.

"Seien Sie froh, dass Sie überhaupt eine Rente bekommen. Sie haben doch nichts eingezahlt."

"Sie sollten doch dankbar sein, dass die Mauer gefallen ist. Wir haben alle mit 40 DM angefangen."

Eine kleine Auswahl von Sätzen, die mir direkt an den Kopf geworfen wurden oder hinter meinen Rücken gesagt worden sind und so, dass ich sie mitbekommen musste.

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