Samstag, 7. November 2009

Wortakrobatik

Der Herr Kriegsminister von und zu hat sich wieder einmal seine Zunge verrenkt. Erst spricht er von kriegsähnlichen Zuständen, einem gefühlten Krieg.

- Neuerdings ist alles gefühlt und nicht wahr. Gefühlte Preiserhöhungen, gefühltes Zweiklassengesundheitswesen und ... und ... und ... -

Jetzt legt unser Herr von und zu noch einen drauf, indem er sagt, dass es in Afghanistan keinen internationalen Konflikt gäbe.

Upps, lebt der Herr von und zu in einer parallelen Welt, in einem Spiegeluniversum à la Star Trek? Oder lebe ich in einer anderen Dimension als er?

Meines Wissens gehören die NATO-Truppen nicht afghanischen Stämmen an. Meines Wissens, sind die NATO-Truppen Europäer und US-Amerikaner. Und meines Wissens, gehört Afghanistan nicht zur NATO oder zur Europäischen Union. Obwohl Beides auch international wäre.

Meines Wissens, war Afghanistan ein souveränes Land mit einer Führung, die mir persönlich auch nicht gefallen hat, die ich steinzeitlich empfand. Aber mir gefallen auch andere Regierungen nicht.

- Nur zur Erinnerung, die steinzeitlichen Roten Khmer waren von der westlichen Welt anerkannt.  -

Nun frage ich mich, was wäre wenn eine vereinte islamische Armee in Europa einmarschierte, weil ihnen unser Profitstreben und die Ausbeutung der Natur nicht gefallen würde. Wir lägen im Krieg mit den islamischen Ländern, die zur Armee gehörten.

Aber, wenn wir als vereinte ausländische Nato-Truppen in Afghanistan einfallen unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung und dort Bomben werfen, die Zivilbevölkerung töten, Häuser kaputt schießen, was ist das dann? Kein internationaler Konflikt? Kein Krieg?

Dabei sei zu erinnern, dass die Twin Towers nicht von den Taliban zum Einsturz gebracht worden sind. Es sei daran zu erinnern, dass die meisten Terroristen aus Ägypten, Saudi-Arabien, aus Marokko und nicht aus Afghanistan kommen.

Man kann dem entgegenhalten, dass dort Terroristen ausgebildet werden. Nungut, gleiches Recht für alle. Was wir Terroristen nennen, nennen die dort Befreiungskrieger, ob uns das nun gefällt oder nicht. Und, das sei nicht vergessen, die Bundeswehr übt auch in den USA, also außerhalb ihres Territoriums.

Es kommt eben auf dem Standpunkt an, darauf, wo man lebt.

Auch wenn sich in Afghanistan keine Fronten gegenüberstehen, schießen Soldaten auf Soldaten. Die Gotteskrieger sehen sich so. Das mag uns nicht gefallen, aber es ist eben so. Und im Krieg schießen eben Soldaten auf Soldaten. Das kann man nennen wie man will, auch das ist eben so. Wir leben in einer Zeit, wo es kaum noch Frontenkriege gibt. Das war auch im 2. Weltkrieg schon so, wo Partisanen, der Maquis und andere Guerillas der faschistischen Armee das Fürchten lehrten. Niemanden würde es heute einfallen, dass einen gefühlten Krieg zu nennen. Die Partisanen waren echte Kampfverbände, so wie heute die Taliban, die vor einigen Jahren noch Mudschahedin genannt und als Freunde des Westens (die sie nie waren) hochstilisiert wurden.

Nennen wir das Kind beim Namen.

Und Krieg ist nie heroisch, es sei denn in einem Fantasy-Film. Nur, wir leben im wahren Leben und nicht in einem Film.

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