Donnerstag, 17. Dezember 2009

Afghanistan Teil 2

In der "Jungen Welt" von heute habe ich einen Leserbrief gefunden, den ich so gut finde, dass ich ihn hier hineinsetze.

Das Massaker vom 4. September zeigt deutlich, daß eine alte Erfahrung aus allen Kriegen der Menschheitsgeschichte auch heute gilt: Kriege verrohen den Menschen! (…) Schon die Sprache des Verbrechens läßt einen schaudern. Vernichten! Hatten wir das nicht schon einmal alles? Und wissen wir nicht spätestens seit den Nürnberger Prozessen, daß sich die verantwortlichen Führer in Politik und Armee stets damit herausreden, nicht alles gewußt zu haben? Wir wissen heute auch, daß das die Lügen von Feiglingen waren.

Es kommt weniger darauf an, was Jung, Guttenberg oder Merkel im Detail wußten, sondern entscheidend ist, daß sie diejenigen sind, die solchen Kriegsverbrechen ideologisch den Weg bereiten. Sie sind die geistigen Mörder. Sie sind es, die Kommandeuren wie Georg Klein signalisieren: »Du darfst das!«

Die Menschenverachtung, die hinter der Tat am Kundus steht, muß einen über alle Maßen besorgt machen. Nur weil ein Oberst unter einer Menschenmenge Talibanführer vermutet, läßt er diese Menschen »vernichten«. (…) Hemmungslos wurden über 140 Männer, Frauen und Kinder ermordet! Wie weit ist es da noch bis zu einem Oradour oder einem My Lai? Wem das übertrieben erscheint, der mag sich mal fragen, was wohl geschehen wäre, wenn die Tanklaster nicht im Fluß gesteckt hätten, sondern mitten in einem Dorf gewesen wären.

Immer öfter stelle ich mir die Frage, wie weit bergab es schon mit diesem Land gegangen ist. Langsam aber sicher soll die Bevölkerung in Deutschland wohldosiert an Geschehnisse gewöhnt werden, die vor Jahren einer Bundesregierung bis hin zum Kanzler wohl noch das Amt gekostet hätte. Wenn Merkel dieses Verbrechen politisch überlebt, dann ist das ein schlimmes Indiz für die moralische innere Verfassung dieser Staates und auch eine Anklage an uns, die Bürger. Wo bleiben die Proteste? Sind wir so satt und faul, so phlegmatisch und desillusioniert, daß wir alles nur noch mit einem Schulterzucken quittieren – selbst die Tatsache, daß das Land, in dem wir leben, ein Staat geworden ist, der verbrecherische Züge annimmt? Ich mag nicht daran glauben, daß wir Deutschen schon wieder tatenlos zusehen, wie unser Land durch das Handeln seiner politischen Führer und von deren Auftraggebern im Finanzkapital die Gemeinschaft friedliebender Völker verläßt. »Was heute eine Ausnahmesituation ist, muß zur Selbstverständlichkeit werden«, sagte Guttenberg zum Krieg. Wollen wir das? Es kommt jetzt auf uns alle an. Wenn etwa 80 Prozent der Deutschen den Krieg ablehnen, müssen diese 80 Prozent das auch langsam hörbar tun. Sonst kann die angeblich demokratische Regierung weiter das tun, was sie bisher sowieso getan hat – nämlich auf diese 80 Prozent und ihre Meinung pfeifen! Wir Deutschen müssen uns klarmachen, daß die Toten in Afghanistan nicht nur die Opfer von Merkel, Jung, Guttenberg und Georg Klein sind, sondern auch unsere. Das ist unbequem, ich weiß! Aber es ist die Wahrheit, um die wir nicht herumkommen.

Ulrich Guhl, per E-Mail

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