Samstag, 12. Dezember 2009

Ich finde es schlimm

Gestern Nachmittag im MDR. Nungut, ich schaue das Nachmittagsprogramm vom MDR nur während des Kaffeetrinkens, anders ist es nicht auszuhalten. Mir war es schon vor dem Fernseher peinlich, was im Fernsehen passierte. Der MDR - ich habe es dieses Jahr erst mitbekommen, da ich noch nicht so sehr lange wieder in der alten Heimat lebe - hat ein Winterhilfswerk für Arme. Jeder der will, kann irgendetwas stricken und das wird dann verteilt. Gestern wurden vor laufenden Kameras bei den Tafeln in einer kleineren Stadt diese Stricksachen verteilt. Darunter waren Schals, Mützen, gestrickte Puppen usw. usf. Alles hatte einen Hauch von altbacken und war im Prinzip altmodisch. Nun ging die Moderatorin zu den Menschen und drückte ihnen das Gestrick salbungsvoll in die Hände. Ein Mädchen, dass eine Barby liebte, bekam eine gestrickte Puppe mit Zöpfen. Sie schaute dementsprechend unglücklich. Ein anderes Kind wollte garnicht das Angebotene haben. Ich würde es auch nicht gewollt haben.

Worum geht es mir? Hier werden Menschen vorgeführt. Kinder, die zusehen müssen, was Klassenkameraden geschenkt bekommen, werden mit gestrickten Puppen und Ähnlichem abgespeist und sollen dafür noch dankbar sein.

Was hat sich der MDR dabei gedacht? Almosen rüberschieben? Dankbare Augen sehen? Den Kindern noch einmal vor laufenden Kameras ihre Misere deutlich vor Augen halten?

Es muss doch den Menschen peinlich gewesen sein, so vorgeführt zu werden. Mir war es peinlich, Menschen in ihrem Unglück zuzuschauen,  Menschen, die mit Strickjacken, die ich wegwerfen würde, die heutzutage kein Mensch mehr anzieht, öffentlich "beglückt" werden. Klopft sich jetzt beim MDR jemand auf die Schulter und sagt sich: Ach wie waren wir doch heute wieder sozial und menschenfreundlich?

Was ist das für ein Land geworden? 

Kommentare:

  1. Es geht dem MDR wahrscheinlich gar nicht um die Betroffenen, sondern mehr um sich selbst. Die Kamera live dabei, will man sich präsentieren und sagen: 'Hey, schaut her, wir tun etwas für die Armen und Bedürftigen'. Wie sich der Bedürftige dabei fühlt, ist absolut zweitrangig, es wird ihm sozusagen aufgezwungen und er muss dankbar sein, das gehört sich so. Wenn man einem Hartz4 Empfänger eine Tonne Müll ins Wohnzimmer kippt und er sich nicht mit feuchten Augen bedankt, fällt der Leistungsträgerpöbel über ihn her.

    Das ist Deutschland.

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  2. Und nicht vergessen, die die das Winterhilfswerk unterstützen, wiegen sich darin, etwas für die Armen getan zu haben, statt sich in eine Reihe mit ihnen zu stellen.

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