Donnerstag, 3. Dezember 2009

Nehmen wir uns das vor

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Was uns das nächste bringt, steht in den Sternen. Wir kleinen Hansel werden nicht durchatmen können, das sollte feststehen. Umso wichtiger ist, dass wir endlich begreifen, dass wir uns solidarisieren müssen, dass wir uns nicht gegeneinander hetzen lassen dürfen.

Was hat dein Nachbar dir getan?

Du meinst, dass er in der sozialen Hängematte faul zu Hause herumliegt? Frage, warum es so ist. Hat er nicht auch einen guten Beruf gehabt? Wer hat ihn zum hoffnungslosen Fall gemacht? Denke darüber nach! Bemerke, dass er sicherlich überhaupt keine Schuld an seiner Lage hat. Das will man dir immer einreden. Du sollst denken, dass jeder, der nicht selbst für sein Leben sorgen kann, selbst schuld daran ist, dass er nicht qualifiziert genug wäre, für das, was verlangt wird. Und wenn es so wäre, warum hat man ihn dann nicht für einen Job qualifiziert? Hat irgendwer ihn vielleicht eine Chance gegeben, eine richtige meine ich? Man braucht ihn nicht mehr. Und du sollstest dich nicht sicher fühlen. Heute oder morgen könntest du auch aussortiert werden. Dann werden deine Nachbarn sagen, dass du faul in der sozialen Hängematte liegen würdest. Denk darüber nach. Deutschland ist reich, aber nicht für dich. Und du wirst niemals an diesem Reichtum teilhaben dürfen. Den haben andere für sich requiriert. Andere, denen die Unternehmen gehören und ich meine wirklich gehören. Die geben nichts ab. Das weißt du eigentlich tief in deinem Innern, aber du gibst es nicht zu. Du willst nicht so wie dein Nachbar enden. Und du glaubst an die Märchen der Eigenverantwortung, der Wenn-man-will-dann-geht-es-auch-Parolen. Du hast die Leute gewählt, die so etwas sagen. Tief im Innern weißt du, dass sie dich betrügen, aber du willst dein Gesicht wahren. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Nur, es müssen auch Gründe da sein, um Hoffnungen hegen zu können. Die in der Regierung sind nicht für dich da, vergiss das nicht. Sie sind die Handlanger der Besitzer von Deutschland. Denk darüber nach, dann kann dein Nachbar wieder dein guter Nachbar werden. 

Was hat dir deine Nachbarin getan?

Eigentlich garnichts. Nur, sie sieht nicht so aus wie du. Sie spricht auch nicht deine Sprache. Und wenn du ihr begegnest, schaust du weg. Ja, sie hat ein Kopftuch. Sie will das so. Dir gefällt das nicht. Aber das geht dich nichts an. Vielleicht gefallen ihr deine blond-schwarz-rot-gesprenkelten Haare auch nicht. Sie will aber leben, wie du, glücklich sein, einen gefüllten Kühlschrank haben. Sie liebt ihre Kinder, genau wie du. Sie hat vielleicht andere Vorstellungen über deren Zukunft. Nur - sind deine Vorstellungen über die Zukunft deiner Kinder richtig? Sind deine Vorstellungen die einzig seeligmachenden? Wenn du wolltest, könntest du sie ansprechen. Vielleicht würde sie dir antworten können. Und wenn nicht? Dann könntest du sie anlächeln und sie würde zurücklächeln. So können sich  Menschen untereinander auch verständigen. Was hat sie nicht, was jeder Mensch hier hat? Nungut, sie lebt ihren Glauben anders als vielleicht du. Nur, in Deutschland gibt es sehr viele Menschen, die nicht an einen Gott glauben. Warum ist es nun verwerflich, wenn sie zu Allah betet? Sag mir das? Hat sie dich schon zum Islam missionieren wollen? Nein? Warum hast du dann Angst vor ihrer Religion. Du meinst, dass die rückschrittlich wäre. Ist nicht auch der katholische Glaube rückständig? Akzeptiert der etwa die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Gibt es die überhaupt flächendeckend in Deutschland? Wenn du dir diese Fragen beantwortest, ist dir diese Frau vielleicht nicht mehr so fremd, erkennst du sie als deine Nachbarin an.

Nehmen wir uns für das neue Jahr vor, auf Menschen zuzugehen. Ihnen so zu begegnen, wie sie sind. Jeder Mensch hat eine eigene Persönlichkeit. Es kann nicht sein, dass wir Minderheiten unterwerfen wollen, dass sie sein sollen, wie wir. Halten wir uns einen Spiegel vor die Augen. Ist es nicht langweilig, wenn es nur Menschen gibt, die wie du, jede Woche ihre Fenster putzen, nur damit die Nachbarn nichts Schlechtes über dich denken? 1. ist es egal, was die Nachbarn diesbezüglich über dich denken und 2. bemerken sie überhaupt, dass du die Fenster jede Woche putzt? Oder haben sie andere Prioritäten? Wenn du meinst, dass deine Fenster jede Woche geputzt werden müssen, ist das deine Sache. Verlange dies nicht auch von anderen.

Uns kleine Hansel vereint, dass wir für unseren Lebensunterhalt kämpfen müssen. Wir haben gemeinsam, dass wir geheuert und gefeuert werden, nach Lust und Laune der Deutschlandbesitzer. Auch wenn wir unterschiedliche Ansichten über das Leben haben, seien wir tolerant. Letztendlich sitzen wir irgendwann vereint in einem Amt vor einem Schreibtisch und müssen vor wildfremden Menschen unser Leben entblößen. Dort ist es völlig uninteressant, wer du bist. Du wirst zum Bittsteller degradiert und Bittsteller sind nur noch Objekte, keine Persönlichkeiten mehr.

Gibt deinen Nachbarn eine Chance. Sie sind genau wie du.

Kommentare:

  1. Ich habe diesen Appell an uns alle mit großem Interesse gelesen und fühle mich davon sehr angesprochen. Er hat mich nachdenklich gemacht. Ich werde im Übrigen versuchen, ihn in die Tat umzusetzen und hoffe, dass es mir gelingt.
    Vielen Dank für diese wervolle Anregung!

    Hezliche Grüße
    Fred

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  2. Danke. Ich glaube, dass wir dir ohne Ausnahme alle an uns arbeiten müssen.

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  3. Es ist leichter in einer Scheinwelt zu leben. Es ist bequemer, die bei den Anderen zu suchen, als bei sich selbst. Schuld sind immer die, die von der Hackordnung unter einem selbst stehen.

    Du hast eine Bevölkerung, die, wenn sie nicht in Gruppen eingeteilt wird, zusammenhält. Also, wie löst du das Problem der Geschlossenheit? Wie kannst du sie schwächen? Spalte sie in kleine Gruppen, die sich gegenseitig die Augen auskratzen. Die Arbeitnehmen schimpfen über die Arbeitslosen. Die Arbeitslösen über die Arbeitnehmer. Beide zusammen über die Rentner und alle zusammen gegen die Migranten.

    Divide et impera

    Jeden Tag aufs Neue unterschätzen wir die Macht der Massenmedien und deren Manipulationsgeschick.

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  4. Du hast völlig recht. Die die Strippen ziehen, wissen, dass sie zusammenhalten müssen und sie tun es. Sie haben ein gemeinsames Ziel, uns klein zu halten, uns auszubeuten und, und, und ... Leider haben wir Kleinen noch nicht verstanden, dass wir uns zusammentun, über unseren Schatten springen müssen, versuchen, uns zu verstehen, über alle Missverständnisse drüberweg. Jeder von uns muss erst einmal an sich selbst arbeiten, weil jeder von uns immer mal wieder irgendwelchen Manipulationen auf den Leim geht. Ich glaube, dass niemand von uns davon frei ist. Und wir müssen in unserern näheren Umgebung immer wieder und wieder auf die Manipulationen aufmerksam machen, auch wenn's scheinbar eine Sisyphusarbeit ist.

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  5. Dabei fühle ich mich wie ein Wasserträger in der Wüste.

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