Montag, 7. Dezember 2009

Solidarität einfordern


Die Langzeit-Studie "Deutsche Zustände", die seit 2002 von einem Kreis von Wissenschaftlern um den Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer herausgegeben wird, folgendes:
Knapp die Hälfte der Bundesbürger empfindet sich als von der Wirtschaftskrise bedroht, so die Studie. Persönlich betroffen fühlen sich fast 40 Prozent. Drei von vier Menschen in Deutschland sehen Fehler im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Dass Banker und Spekulanten schuld an der Krise sind, glauben fast 90 Prozent der Befragten. 80 Prozent waren der Ansicht, dass "Leute wie ich" für die Fehler der Wirtschaft und Politik geradestehen - und letztlich die Wirtschaftskrise ausbaden müssten.
Denken und Handeln scheint bei den Deutschen zwei verschiedene Wege zu gehen. Anhand der Zahlen merken viele Deutsche, dass sie die Leidtragenden der Krise sind. Und was machen Sie? Statt sich untereinander zu solidarisieren, spucken sie auf diejenigen, die schon eine Stufe tiefer sind als sie und wählten Politiker, die für die Misere verantwortlich sind und dazu noch diejenigen, denen das Handeln der vorigen Regierung, als sie uns in die Krise lavierte, noch zu lasch war. Das muss man nicht mehr verstehen.

Wieso gehen wir nicht zu Hunderttausenden auf die Straße? Wieso machen wir die Politiker nicht nachdrücklich darauf aufmerksam, dass WIR das Volk sind?

Nö, da wird gegen die LINKE gestänkert, da werden alte Stasihüte herausgekramt und das nicht nur von den Medien und den Politikern, nein, auch Hans Jedermann fühlt sich bemüht seinen Senf dazuzugeben. Als ob es das wichtigste der Welt wäre, was jemand vor 20 Jahren gemacht hat oder auch nicht. Da übernimmt Lieschen Müller die Hetze einzelner Politker gegen Langzeitarbeitslose. Plötzlich will sie jemanden kennen, der nur noch von Zigaretten und Schnaps lebt. Neuerdings sagt man das auch alleinerziehenden Frauen nach, dass sie ihre Kinder vernachlässigen, weil sie nur Schnaps trinken. Und Familie Müller fühlt sich plötzlich von Ausländern, die auf ihre Kosten leben, überflutet, obwohl sie überhaupt keine ausländischen Familien kennt und nicht weiß, ob die arbeiten oder nicht und wenn nicht, warum.

Eine besonders gute Ablenkung von unseren ureigensten Interessen ist der CO2-Ausstoß. Vielleicht wird im Zuge der Eingrenzung des Treibhausgases Langzeitarbeitslosen und nichtdeutschstämmigen Bürgern verboten auszuatmen. Man kann ja nicht wissen. Wir beschäftigen uns leidenschaftlich mit dem Weltklima, lassen uns einreden, dass wir Menschen es in der Hand hätten, auf wieviel Grad sich die Erde erwärmt. Streiten dafür und ... das ist der Kern der Sache ... kaufen! Nunja, das wird sicherlich auch bald sein Ende haben. Wenn die Unternehmen ihre Mitarbeiter, die sie los haben wollen, abgestoßen haben, nur noch kleine Rumpfbelegschaften beschäftigen, die Produktion nach China und Indien und auch in die USA verlagert haben, dann wird Deutschland als Gewinner der CO2-Senkungs-Kampagne dastehen. Keine nennenswerte Industrie und eine Bevölkerung, die sich Energie nur noch ansatzweise leisten kann. Dann wird Sarrazin Triumphe feiern, da er ja schon immer gesagt hat, dass wir uns nur warme Pullover anziehen sollen, wenn's uns kalt wird. Und der MDR lässt warme Pullover für das Winterhilfswerk - wie jedes Jahr - stricken.

Leute wacht auf! Lasst euch nicht aufeinander hetzen. Schließt euch endlich zusammen! Geht auf die Straße! Und nicht nur ein paar Hansel. Benennt endlich die wirklichen Schadstoffe der Gesellschaft, diejenigen, die euch ausbeuten, die euch auf die Straße setzen, diejenigen, die euch dann, wenn ihr auf der Straße sitzt, verhöhnen, diejenigen, die euer Geld nehmen und es Banken in den Hintern blasen, diejenigen, die die Pharmaindustrie mit Millionen beschenkt. Ali und Tatjana sind nicht eure Feinde. Die sitzen viele Stufen höher als sie. Die sitzen an den Schalthebeln des Geldes und der Macht. Hört ihr sie lachen, über uns? Über uns're Dämlichkeit? Über uns, dass wir immer noch nicht gelernt haben für einander einzustehen? Ja sie lachen, klatschen sich mit den Händen auf die Schenkel. Nunja, das vielleicht nicht. Feine Damen und Herren machen das diskreter, aber sie lachen.

 

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