Freitag, 15. Januar 2010

Ostdeutsch und ungebildet

Es ist immer wieder schön, wenn man ganze Bevölkerungsgruppen hat, auf die man einschlagen kann. So geschehen in Leipzig. Der Pfarrer der Thomaskirche hat seinen Holzhammer gefunden. Seine Klientel käme vor allem aus dem Westen, wären keine armen Schlucker und ... gebildet (!). Er verstieg sich zu der Meinung, dass nur der Glauben könne, der gebildet wäre.

Na endlich sagt's mir mal wieder jemand. Ich - die Atheistin - ungebildet (trotz Studienabschluss), verroht, proletarisiert, inhuman, ohne ethische Grundsätze und was weiß ich nicht noch alles. Wir Ostdeutschen vergraben unsere Babys in Blumenkästen und wenn wir sie am Leben gelassen haben, verdonnerten wir sie dazu, in der Krippe oder im Kindergarten zwangsweise auf den Topf gesetzt zu werden, damit sie auf stubenrein getrimmt werden konnten. Wir haben uns alle gegenseitig bespitzelt, waren faul und gefräßig und sind jetzt nur noch undankbar. Wir haben immer noch nicht die Segnungen der Ausbeutung begriffen und wählen oft links.

Ein Glück, dass es Pfarrer und Stadtverordnete gibt, die die schwere Aufgabe auf sich genommen haben, uns zu missionieren. Die die letzten Gelder des Stadtsäckels in die Hände nehmen, nur um uns vor Augen zu führen, wie schlimm es uns früher gegangen ist, wie wir unterdrückt worden sind und welch ein Verbrechen die Sprengung der Unikirche war.

Ob wir zu diesem Sprengungsdatum nun zur Trümmergedenkstätte für 400.000 EUR pilgern sollen?

Lieber Herr Pfarrer, wahrscheinlich haben Sie das Neue Testament nicht richtig verstanden. Jesus hat nicht davon gesprochen, das nur die Christen sind, die einer bestimmten sozialen Schicht angehören, die aus dem Westen kommen, die mehr Geld als andere verdienen und sich einbilden, deshalb gebildeter zu sein (falls sie sich das wirklich einbilden). Muss ich Ihnen als Atheist die Bibel erklären???

Kommentare:

  1. Schönen Tag,
    Artikel gefällt mir sehr gut.
    Ja, dass man einem Pfarrer die Bibel erklären müsste mutet schon seltsam an. Irgenwie fällt mir dazu der Spruch ein: 'Halt du sie dumm, ich halt sie arm'. Ob es damit was zu tun hat?

    Gruppenbildung, wobei die eigene Gruppe immer die bessere ist, gab's immer und wird es immer geben. Menschlich. Politiker und Theologen schliessen sich scheinbar gerne Strömungen an. Ah ja, könnte von Nutzen sein, da machen wir mit...

    Übrigens - zwangsweise aufs Töpfchen setzen ist auch eine gute katholische Tugend. Weiss ich aus meinem früheren - katholischen - Leben.

    Westdeutsch, Atheist und ungebildet. Atheist nicht, weil keine Kirchen da waren. Atheist WEIL Kirchen da waren. Irgendwann stand ich vor der Alternative: Kirche - oder Denken?

    Liebe Grüsse
    W.B.

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  2. Ich glaube sie haben ein zu positives Bild von Pfarrern. Man sieht sieht sie das ganze Leben nicht, aber wenn sie alt und gebrechlich werden (und ein Haus besitzen) schleimen sie sich ran. Das mit dem "neuen Testament" war anders gemeint - die Kirche erbt doch so gerne.

    Wenn das Geld im Kasten klingt,
    die Seele in den Himmel springt.

    halleluja

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  3. Ich würde Ihnen vorschlagen, mal hinter die Zeilen zu schauen. Ich habe eigentlich überhaupt kein positives Bild von Pfarrern gezeichnet.

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  4. Da haben Sie natürlich recht, ein wenig kritisch ist ihr Artikel schon - mir war es nur wichtig das wesentliche Merkmal der Kirche herauszuarbeiten.

    Ich möchte Ihnen aber auch gerne noch einen sehr gelungen Film über Karl-Heinz Deschner, den Autor des 10 Bändigen Werks "Kriminalgeschichte des Christentums" ans Herz legen:

    Ricarda Hinz - Die haßerfüllten Augen des Herrn Deschner Teil 1 + 2
    http://video.google.de/videoplay?docid=-8977931298437766521

    http://video.google.de/videoplay?docid=-2111336733327424382

    Die Videos sind wirklich sehr sehenswert! ;-)

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  5. Danke, werde ich mir anschauen. Mein Post war sarkastisch. Man muss diese Leute versch... Sie glauben das und denken, dass sie gelobt werden. Hat aber auch bei Ihnen funktioniert.

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