Freitag, 29. Januar 2010

So sieht Gerechtigkeit aus

Da saß er nun im Morgenmagazin, ein Jüngelchen, sich reckend und streckend, als ob körperliche Größe gleichzusetzen wäre mit geistiger Größe. Die hatte er nämlich nicht. 

Und so etwas ist nun Minister - Gesundheitsminister, dachte ich. Aufgewachsen, wohlbehütet in einer Umgebung, die Not nicht kannte. Woher soll er die Sorgen und Nöte der Menschen kennen, die er nun vertreten soll?

Auf eine klare Frage kommt keine klare Antwort, sondern irgend etwas Wolkiges, Verschwommenes. So fragte eine Patientin, wie das gehen solle, wenn Niedriglöhner und Rentner, die 600 EUR bekommen, soviel für die Krankenkasse bezahlen müssen neben der Arztgebühr und den Arzneikosten, den Krankenaufenthaltskosten und der Rehakosten. Antwort: Ich sage das mal in Kurzform: Das Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren viele Zuschüsse bekommen und jeder meint, dass bei ihm nichts angekommen sei. Na toll. Genau das wollte die Patientin auch wissen. Ein Geistesblitz war diese Antwort wohl nicht.

Überhaupt soll mir mal jemand erklären, wo der Punkt ist, wo eine Kopfpauschale gerecht sein sollte. Als ich noch arbeiten ging, zahlte ich für die Krankenkasse rund 200 EUR im Monat. Ich war immer in einer billigen. Meine Beiträge und die anderer reichten angeblich nicht, das Gesundheitswesen zu finanzieren. Wie sollte nun eine Kopfpauschale aussehen, die bezahlbar wäre, die den Kranken auch wirklich gesund macht und noch sozial sein soll? Mit einem Beitrag von 200 EUR wäre es wohl nicht getan. Ein Niedriglöhner und ein heutiger Rentner wären wohl nicht in der Lage einen Beitrag zu leisten, wie er mir damals möglich war. Also, wie soll das gehen?

Und, denke nicht einer, dass die FDP und die CDU die soziale Schieflage wirklich abfedern will. Hören wir mal, was dazu ein Herr Rösler meinte. Sinngemäß sagte er launig ins Mikro, dass schon heutzutage Krankenkassen Zusatzbeiträge verlangten und die würden dann sozial abgefedert werden bei seinem Modell.

Die Zusatzbeiträge also!

So, nun überlegen wir mal. Sagen wir mal - und ich greife eine relativ niedrige Zahl heraus - wir müssten alle monatlich 150 EUR zahlen. Die KK kämen damit natürlich nicht aus. Schließlich würden die Beitragszahler fehlen, die monatlich ein Vielfaches gezahlt hatten. So müssten wir wahrscheinlich einen Beitrag von 150 EUR (ich spinne das mal so) zuzahlen. Und dieser Zuzahlungsbetrag wäre dann sozial abgefedert, wie immer das gehen soll. Nur, was machen die, die nicht mal die ersten 150 EUR eigentlich wirklich zahlen könnten? Na, Herr Rösler, was machen wir mit denen? Lassen wir die krepieren? Oder schaffen wir Sozialkliniken, so wie wir die Tafeln geschaffen haben und Sozialkaufhäuser sowie 1-EURO-Ramschläden? Und was erwartet dann die Kranken in den Sozialkliniken? Amerika macht es uns vor. Wollen wir wirklich genauso werden wie die? Wahrscheinlich ja! Und genau das wollten ja die vielen FDP-Wähler. Die können nur hoffen, dass sie nicht krank werden, denn eine Krankenkasse wird dann wohl nur noch denen vorbehalten sein, die sie sich auch leisten können.

Frau Merkel meint, dass diese sogenannte soziale Abfederung dem Staat zu teuer käme? Sicherlich hat sie Recht. Nur, FDP und CDU/CSU wollen das so. Der Einstieg dazu wurde schon in der Großen Koalition dank SPD vollzogen. Und unser Herr Rösler meint dazu, dass ein schrittweiser Umstieg dem Staat nicht zu teuer werden würde. Was will er uns damit sagen. Will er uns Apatisieren? So dass wir die dann immer mehr steigenden Zusatzkosten klaglos hinnehmen? Will er den Medienapparat anwerfen, der uns die Kopfpauschale schmackhaft machen soll. So in der Richtung: Schmarotzerkranke erlauben sich zum Arzt zu gehen. Schmarotzerkranke wollen allen Ernstes ihre Medikamente auf Rezept. Ich sehe da viele Verleumdungsmöglichkeiten. Bei Langzeitarbeitslosen funktionieren diese Schmutzkampagnen ja vorzüglich. Warum sollen sie nicht auch bei Kranken funktionieren. Denkbar wäre, dass wir nur eine Behandlung bekommen werden, wenn wir nachweisen, dass wir uns gesund und zwar gesund im Sinne der Konzerne und deren Apostel, die Ernährungs"wissenschaftler", ernährt haben. Das ist kein abwegiger Gedanke. Irgendwann werden wir ohne KK dastehen und ohne irgendeine soziale Abfederung. 

Und viele Menschen werden wiederum verzückt die Augen gen Regierung verdrehen und ihre Schlächter wieder wählen. Sie werden es richtig finden und seeeehhr gerecht, dass der Boss und sie als Stundenkraft die gleichen Krankenkassenbeiträge zahlen. Schließlich haben alle den gleichen Schnupfen. Sie werden hoffen, dass es sie nichts angehen wird. Falsch gedacht! Sie werden es noch bemerken. Dann wird's zu spät sein.

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