Donnerstag, 21. Januar 2010

Treppenwitz

Ohne Worte meinerseits:

Rolltreppe gesperrt für Hartz-IV-Empfänger

Im Neuköllner Einkaufszentrum Kindl-Boulevard dürfen Hartz-IV-Empfänger auf dem Weg ins Jobcenter im ersten Obergeschoss die Rolltreppe nicht benutzen. Das Jobcenter Neukölln gibt Sicherheitsgründe an.
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Ausnahmsweise. Mittwochs ist das Jobcenter nur für Kunden mit Termin geöffnet. Deshalb war gestern auch die aufwärtsfahrende Rolltreppe freigegeben. Foto: David von Becker
Manche halten es für einen Treppenwitz, andere vermuten eine Neuinterpretation des Mottos „Fördern und fordern“: Im Neuköllner Einkaufszentrum Kindl-Boulevard dürfen Hartz-IV-Empfänger auf dem Weg ins Jobcenter im ersten Obergeschoss die Rolltreppe nicht benutzen. Wer das Absperrband ignoriert, bekommt es mit den Wachleuten zu tun, die das gerade eingezogene Amt beschützen.

Die Sicherheitsleute verweisen auf den Weg über die Steintreppe oder die Fahrstühle weiter hinten in der Passage. Aus Sicherheitsgründen, wie Uwe Mählmann sagt, Sprecher des Jobcenters: Bei ihrer Ankunft im Obergeschoss könnten Rolltreppenbenutzer in den Gegenverkehr geraten, der den rückwärtigen Aufgang benutzt hat und nach links ins „Neukundencenter“ will. Wer also am oberen Ende der Rolltreppe stehen bleibt, um diese Abbieger durchzulassen, provoziert dadurch eventuell einen Auffahrunfall mit nachfolgenden Rolltreppenbenutzern. Centermanager Oswin Nikolaus fürchtet eher, dass niemand stehen bleibt, sondern sich eine Warteschlange mit doppeltem Ende bildet. Die dann zwangsläufige Frage, wer zuerst da war, „würde zu Tumulten führen“.

Seit Eröffnung des Neukundencenters vor acht Tagen sei noch nichts passiert, sagt Mählmann, „aber wir wollten nicht warten, bis wir eine brenzlige Situation haben“. Zumal nächsten Dienstag der Komplettbetrieb im neuen Haus starte. Das Jobcenter hat nach Auskunft von Nikolaus 17 700 Quadratmeter gemietet, im März folge das Bezirksamt mit weiteren 3000 Quadratmetern. Und eine Lösung für das Rolltreppenproblem ist absehbar: Sie soll künftig einfach abwärts fahren. So wie es schon ihre Nachbarin tut. obs

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.01.2010)

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