Samstag, 6. Februar 2010

Digital Native

Ich lasse mir immer den Newsletter von der Duden-Redaktion schicken. Man merkt, dass man sprachlich immer wieder an sich arbeiten muss. 

Heute las ich dort drinnen einen recht sonderbaren Artikel:

Digital Native [zu engl. native = Einheimischer, Eingeborener]

Wenn Eltern ihren Kindern wehmütig erzählen, welche Geräusche ihr erstes analoges Modem beim Einwählen machte oder welche Mutprobe es war, die Angebetete auf ihrem Familienfestnetztelefon anzurufen, verdrehen die unter 20-Jährigen meist nur genervt die Augen. Digital Natives, also alle nach 1990 Geborenen, kennen kein Leben ohne Internet und Handy. Die 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts markieren somit eine Zäsur zwischen den Generationen, die bislang ihresgleichen sucht. Während es vor allem vielen Älteren und sogenannten Digital Immigrants schwerfällt, bei den ständigen technischen Neuerungen up to date zu bleiben, erlernen die digitalen Eingeborenen den Umgang mit der Technik genauso selbstverständlich wie das Rechnen und Schreiben.
Wieso kommt die Duden-Redaktion auf die Idee, dass ich wehmütig von den Geräuschen des analogen Modems erzählen würde.Geschichtsbewusste junge Menschen in Punkto Technik sollten das wissen. Es war eben so. 

Aber das nur nebenbei. Ich frage mich aber ernsthaft: Wieso soll ein Mensch immer up to date bleiben bei technischen Neuerungen? Viele technische Neuerungen sind so interessant, wie ein Reissack in China. Viele Menschen wollen eben NUR telefononieren und nicht gleichzeitig Börsendaten (die sie nicht interessieren) abrufen.

Es geht im Grunde genommen doch nur darum, Geld zu generieren in einem Markt, der nichts wesentlich Neues mehr erschafft.

Mal ehrlich, brauchen wir aller 2 Jahre ein neues Betriebssystem für unseren PC? Mein Windows 7 ist nicht besser als mein Windows XP. Ich brauche die Zusatzfunktionen alle nicht. Ich will ein bisschen surfen, ein bisschen über eine Textverarbeitung schreiben, meine Fotos anschauen und die ein bisschen verbessern. Das wollen die meisten anderen auch nur. Nur, was sollte dann Microsoft anbieten, womit sie richtig Kohle machen können?

Und es geht weiter. Mit Windows 7 ist auch meist ein neuer Drucker fällig, weil sinnigerweise der Drucker nicht mit Windows 7 kompatibel ist. Es werden natürlich auch keine neuen Treiber dafür entwickelt. Schließlich sei der Drucker ja schon sage und schreibe 5 Jahre alt. Da könne man doch erwarten, dass man sich einen neuen kaufe. Wieso? Der Drucker ist vorzüglich, hat noch nie aufgemuckt, warum soll ich ihn wegwerfen? Das wäre doch Ressourcenverschwendung! Der Drucker hat Rohstoffe, Energie und Arbeitskraft gekostet. Und das alles nur für einen flüchtigen Augenblick? Rohstoffe und Energie sind kostbar. Was von ihnen weg ist, ist weg. Rohstoffe und Energie sind endlich. Der Gewinn beider ist mit Umweltverschmutzung und -zerstörungen begleitet.

Wollen wir wirklich für einen flüchtigen Augenblick unsere Welt zerstören? Dazu müssen wir uns aber einen neuen Blickwinkel auf die technischen Dinge erarbeiten. Wir sollten mehr auf unsere Intelligenz setzen. Wir sollten genau hinterfragen, was bringt mir das, brauche ich das wirklich? Oder fülle ich den Konzernen dadurch nur ihre Taschen?

Dieses Denken kostet Arbeitsplätze. Deshalb sollten wir uns vorher überlegen: In was für einer Gesellschaft will ich leben? Will ich sinnlose Wachstumsorgien haben? Will ich eine Gesellschaft haben, wo Natur und Menschen bis zum Letzten ausgebeutet werden? Ausgebeutet, nur weil ich zu faul bin, einen Straßenatlas zu lesen? Ausgebeutet, nur weil ich Dinge kaufe, die ich nicht wirklich benötige? Sicherlich die neue Technik glitzert und glimmert, sie verführt uns, wir kaufen sie und nutzen 1 % der Anwendungen? Hat sich das nun gelohnt? Haben wir damit nicht mehr kaputt gemacht?

Wir sollten unsere Lebensweise überdenken. Eine neue Gesellschaft beginnt im Kopf!

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