Samstag, 27. Februar 2010

"Volksvertreter" trauern nicht

Warum sollten sie auch. Es sind ja nur Afghanen getötet worden. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man den Bundestag beobachtet. Man zieht sich hinter einer sogenannten Geschäftsordnung zurück. Das war aber auch böse. Diese unmöglichen Linken, stellen die sich doch einfach hin und halten die Namen der ermordeten Afghanen in die Höhe, die unsere Bundeswehr nach dem Angriff auf den Tanklaster zu verantworten hat. Dudududu ... wie kannst du nur? Aber ist die Bundeswehr allein die Schuldige? Wer hat sie denn dorthin geschickt? Die CDU, die SPD, die FDP, die Grünen! Sie haben diese Toten mit zu verantworten. Nungut, es ist nicht schön, wenn man mit seinen Fehlern konfrontiert wird. Ich bin zwar in einer Gesellschaft von Kritik und Selbstkritik groß geworden, aber es gibt wohl niemanden, der sich Tote in die Schuhe schieben lassen möchte. Nur - Ja-sagen zum Morden hat eben Konsequenzen, liebe Abgeordnete. Und an diese Konsequenzen sollten sie tagtäglich erinnert werden. Sie sollten die Bilder der toten Kinder auf ihrem Nachtisch liegen haben. Sie sollten die Listen der ermordeten Afghanen auch dort deponiert und sie sollten Albträume haben, in denen ein Heer toter Menschen sie umrahmt.  So viele Namen getöteter Frauen, Männer, Kinder ... Und es werden immer mehr.

Also, wenn ich Afghanin wäre, würde ich die NATO verachten, bestenfalls. Kommen ins Land ... ballern rum ... spielen Wildwest ... werfen Bomben ... wohin ist egal ...als ob ihnen das Land gehören würde ...

Halt! Dann würden sie es natürlich nicht machen. Sie machen es, weil ihnen das Land eben nicht gehört. Sie tun so, als ob sie gegen den Terror kämpften. Mit Terror? Sie wiegen sich in der Illusion, Afghanistan kirre zu kriegen, sie sagen Taliban, meinen aber alle andern auch. Sie umarmen Warlords, die das Land schon zig Jahre im Kriegszustand gehalten haben auch ohne NATO.

Wie kann man sich mit Verbrechern und Drogendealern verbünden? Ist das die Moral des Westens? Sollen das die Menschen dort lernen? Sollen die Menschen dort einen Staatschef mit USA-Pass haben? Würden wir das auch wollen? Oder spielt es keine Rolle, was die Afghanen, wenn es denn Afghanen in dem Sinne, wie es immer gesagt wird, überhaupt geben sollte, denken.

Die Engländer haben das Gebiet der afghanischen Stämme nicht erobern können, die Russen haben das nicht geschafft ... bisher niemand und die NATO wird das irgendwann auch noch begreifen. Guerillas schlägt man nicht mit einer Armee. Guerillas sind nicht zu besiegen, nur auszutrocknen und die NATO macht gerade das Gegenteil. Sie gießt Öl ins Feuer. Aber die Bösen im Bundestag sind nicht etwa die, die schon wieder Ja zum Morden gesagt haben, die Bösen sind diejenigen, die der Opfer gedenken. Und so will man die Herzen der Afghanen gewinnen? 

Und nur mal so in den Raum gestellt. Kann man deren Herzen überhaupt gewinnen? Die NATO hat nicht mal mein Herz gewonnen und ich bin im europäischen Kulturkreis geboren. Es ist doch für uns kaum möglich, eine islamische Stammeskultur zu verstehen. Wir verstehen ja nicht mal unsere türkischen und asiatischen Migranten. Und das im eigenen Land. Wie wollen wir wissen, was die Menschen dort bewegt, was sie wirklich wollen? Die meisten sind Analphabethen. Was ist ihr Bild von der Welt? Ich glaube nicht, dass sich überhaupt schon mal jemand der Kriegs-Ja-Sager im Bundestag darüber den Kopf zerbrochen hat. 

Auch ich finde die Taliban unterträglich. Steinzeitislamisten! Nur, sehen das die Menschen in Afghanistan auch so? Sind sie in irgendeinem Stamm kulturell verwurzelt? Gehört dieser Stamm zum Mehrheitsvolk des Landes? Wer sympathisiert mit den Taliban? Welche Stämme unterstützen sie? Wissen dass die Kriegs-Ja-Sager im Bundestag? Haben sie sich schon mal 5 Minuten darüber den Kopf zerbrochen? Oder sollen das dort alles "kleine" Europäer werden? Haben die Kriegs-Ja-Sager überhaupt mal ihren Kopf eingeschaltet, bevor sie ihre Stimme abgaben? Oder haben sie es vielleicht nur aus dem Fraktionszwang heraus getan? Wenn ja wäre das noch verwerflicher, weil sie dann keinen Hintern in der Hose hätten und sich nur nach dem Gelde streckten ohne Rückgrat. Was geht in einem Kopf vor, der es hinnimmt, dass eine ganze Fraktion aus dem Bundestag rausgeschmissen wird, weil sie der Opfer gedenken? Geht überhaupt etwas Ernsthaftes in den Köpfen dieser Abgeordneten vor. Ich glaube nicht, sonst würden sie sich abgrundtief über ihr Versagen schämen.

Kommentare:

  1. Ich lese nun schon geraume Zeit deine Beiträge
    und kann eigentlich nur eines sagen:
    Du sprichst mir direkt aus dem Herzen!
    Jeden Tag, wenn ich wieder die Meldungen in
    den Massenmedien sehe und höre, krieg ich Wut.
    Nicht nur über das, was alles passiert, sondern
    viel mehr über das, was nicht passiert. Ich frage
    mich jedesmal, wann die Leute endlich aufwachen.
    Ich mache jeden, dem ich eine gewisse
    Intelligenz zutraue, auf deine Seite aufmerksam.

    In diesem Sinne: Weiter so...

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank. Mir geht es so wie dir und ich bin immer froh, dass es wenigstens im Internet noch Menschen gibt, die gleich empfinden.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.