Dienstag, 23. März 2010

Die letzten Wahlen ...

... in der DDR. 18.3.1990. Wenn ich zurückblicke, fühle ich mich zutiefst gedemütig. Voller Hoffnung wählte ich blühende Landschaften und habe stattdessen einen Friedhof gewählt. 

Ich war eine Sozialliberale. Andere die mir sagten: Du bist doch eine von uns, eine Rote, hatte ich zurückgewiesen. Ich war keine von denen, keine Genossin. Ich wolle doch Meinungsfreiheit. Ich wollte reisen. Ich wollte, das jeder seine Talente entwickeln kann. Ich wollte andere Formen des Zusammenlebens. Ich wollte endlich, dass nicht alles unter dem Diktat der SED stand.

Was habe ich bekommen? Spießbürgerlichkeit. Rückwärtsgewandheit. Menschenverachtung. Inhumanität. Das Credo von der Verwertbarkeit allen Seins. Den Tanz um das goldene Kalb. 

In jenem März hatte ich falsch entschieden! Ich hatte mich von falscher Anhänglichkeit an meine damalige politische Heimat, die ich schon Anfang 1990 verlassen hatte, einlullen lassen. Erst viel später habe ich in einer Broschüre von dem damaligen Parteigeschichtler Manfred Bogitsch mehr erfahren. Mir wurden die Augen geöffnet. Ich verstand, dass ich eigentlich die Außenseiterin in dieser Liberal Demokratischen Partei war. Dass die meisten nicht so wie ich gedacht hatten. Dass sie nicht SOZIAL-liberal waren. Ich war blind. Wahrscheinlich, da ich so viele tolle Kollegen dort hatte, die mich inspirierten. Wie ich dann merkte, in eine völlig andere Richtung, völlig anders als diese selbst im Inneren dachten und das nach 1989 begannen auszuleben. Ich hatte es nicht bemerkt. Ich hatte nicht bemerkt, dass meine Parteifreunde wild entschlossen waren, Arbeitslose zu akzeptieren, sozialen Abstieg ... und nun Gängelung durch Geld, neue Abhängigkeiten, tödliche Abhängigkeiten ... Ich kann meine Blindheit bis heute nicht fassen.

Ich gestehe, mein Herz schlug immer links, auch als ich es noch nicht wusste, und schlägt es weiterhin links.

Kommentare:

  1. "Komm mit mir", sagte der eine Blinde zum anderen Blinden. Sie nahmen sich bei der Hand und wurden allmählich sehend.

    Liebe Grüße und einen fulminanten Tag
    Margitta

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  2. War eine schmerzliche Angelegenheit, liebe Margitta.

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  3. Wir hätten allerdings damals wissen müssen, was uns blüht:
    Kolonialisierung, Ausplünderung, Entrechtung, Vereinnahmung.
    Ab 1990 mussten DIE DEMOKRATEN niemand mehr beweisen, dass sie besser sind. Man konnte nun das glitzernde Schaufenster schließen und zur Tagesordnung übergehen...

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  4. Ja, das stimmt, wir hätten. Hinterher war ich dann schlauer.

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