Montag, 15. März 2010

Welch ein Fortschritt

Deutschland entwickelt sich. Nach Ansicht vieler Medien ist die Krise in den Köpfen der Bürger vorbei, jüngstes Beispiel wäre die Reisemesse. Nun sollte es auch beim Binnenmarkt aufwärts gehen. Leipzig stellt sich darauf ein, wie in den heutigen City-News zu lesen ist:

Leipzig. Es ist so weit: Am 31. März eröffnet der Verein Resozialisierungshilfe Leipzig sein Sozialwarenhaus in der Eisenbahnstraße 163-171. Das Objekt des ehemaligen Diska-Marktes dort wurde binnen vier Monate um- und ausgebaut. Erste Neugierige, Spender und Käufer dürfen sich nun sowohl am 31. März als auch am darauffolgenden 1. April jeweils von 10 bis 18 Uhr umschauen kommen. Nach den beiden Eröffnungstagen hat das Einkaufszentrum dann täglich dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr auf.

"Mit dem Kaufhaus wurden acht versicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen, die ausnahmslos mit ehemaligen Langzeitarbeitslosen besetzt sind. Für sie ging damit ein langersehnter Wunsch, der nach einer Tätigkeit, in Erfüllung", kann Klaus Hoffmann vom Verein stolz berichten. Auf rund 1000 Quadratmetern werden Gebrauchtgüter, Möbel, Einrichtungsgegenstände, Elektroartikel, Haushaltwaren, Bekleidung, Wohntextilien und vieles mehr zu haben sein. "Das alles in einem ständig wechselnden Angebot und erhältlich zum Selbstkostenpreis - so dass es sich lohnt, ständig wieder nach Neuem Ausschau zu halten", wirbt Hoffmann. Kommen sollen und können vor allem Leipzig-Pass-Inhaber, Leute mit Niedriglohn, Rentner, finanziell schwach gestellte Familien; alle, die unter die so genannten "Bedürftigkeitsgrenze" fallen.

Das ist doch mal ein Angebot. Damit wird der Binnemarkt ohne Zweifel gepuscht. Was will man mehr. Im reichen Deutschland gibt es eine Einkaufsquelle zusätzlich. Es wird also an alle gedacht: An Leistungsträger, die überflüssiges losbekommen und sich als Spender edel fühlen dürfen und an diejenigen, die dankbar sein sollten, das Weggeworfene noch endverwerten zu dürfen. Wohl gesagt "endverwerten dürfen". Schließlich, wer fleißig ist, hat den ganzen Kram nicht nötig. Der verdient genügend und arbeitslos zu sein heißt doch wohl nur, dass man einfach nicht einen von den Millionen freien Arbeitsplätzen angenommen hat.

Und nicht zu vergessen. Endlich, endlich werden wieder mal ein paar Langzeitarbeitslose gezwungen sein, früh aufzustehen, in die Hände zu spucken und fleißig diese zu rühren. Ich bin begeistert. Fortschritt auf der ganzen Linie. Schön, dass ich das noch erleben darf, wie's in Deutschland vorangeht.

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