Freitag, 26. März 2010

Wertegemeinschaft? Union?

Wir bilden eine Wertegemeinschaft. Wir wollen mit einheitlicher Stimme sprechen. Bla ... bla ... bla ... Die Europäische Union. Es wir geherzt, geküsst, wie Liebespaare berühren sich die Staatschefs, so als wären sie dicke Freunde ... Kumpel ... wir lieben uns doch alle.

Was zeichnet eine Gemeinschaft eigentlich aus, habe ich mich gefragt. Wenn ich eine wirkliche Union der Länder und Menschen hätte bilden wollen, hätte ich zuerst an die gedacht. Mir wäre es wichtig gewesen, dass die Länder ihre Steuern harmonisierten, ihre Sozialsysteme eingeschlossen. Konkurrenz bis auf den Tod? Das gehört nicht in eine Wertegemeinschaft. Sich gegenseitig die Unternehmen abzuluchsen, gehört auch nicht dazu. Konkurrieren kann man auch unter fairen Bedingungen, geprägt durch gegenseitige Achtung und Respektierung der kulturellen Unterschiede. Wir müssen nicht alle gleich sein. Wir müssen nicht alle dasselbe essen, die gleichen Klodeckel haben und die gleich schlechtschmeckende Äpfel verspeisen. 

Was wird uns im Inland immer gepredigt? Vielfalt bereichert, Multikulti ist schön. 

Im Sport verachten wir die Dopingsünder. Der Sport muss sauber bleiben. Leistungen sollen real erbracht werden. 

Und im Miteinander der Länder in unserer Gemeinschaft? Gilt das dort nicht ebenso? Wenn die deutschen Unternehmen durch aktive Sterbehilfe der Regierung den Sozialstaat vernichten wollen, Armut per Gesetz schaffen, einen europaweit unvergleichlichen Niedriglohnsektor geschaffen haben, so dass unsere Produkte konkurrenzlos günstig sind, dann meine ich, dass das genau wie das Doping eines Sprinters ist, der einen neuen 100-m-Weltrekord läuft. Er hat das durch unlautere Mittel erreicht. Und ich finde das schon zynisch, dass die einzige Antwort unserer Kanzlerin dazu lautet: Nehmt alle Doping. Mal ganz davon abgesehen, dass dabei wieder nur einer gewinnen kann, nämlich derjenige, der das bessere Doping hat.

Zurück zur Gemeinschaft. Gemeinschaften zeichnen sich dadurch aus, dass bedrängte Freunde in Schutz genommen werden, dass man ihnen in Notlagen hilft. Man fragt nicht danach, ob der Freund vielleicht seine Notlage hätte mindern können. Man steht für den anderen ein: Einer für alle, alle für einen. So ist das in einer Gemeinschaft. Man fragt nicht danach: Was kostet mich das? Man verschließt sich nicht dem Freund, weil man keine Lust hat, ihn finanziell unter die Arme zu greifen. Irgendwann fällt so eine Haltung auf einen selbst zurück. Ganz davon zu schweigen, dass man den Freund verraten hat. Und vielleicht muss man später noch tiefer in die Taschen greifen.

Eine Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn alle gleichberechtigt miteinander umgehen. Wenn sich einer als Wortführer aufschwingt, wenn er will, dass jeder nur seiner Meinung folgen soll, muss diese Gemeinschaft, langfristig gesehen, zerbrechen. Dominanz Einzelner, ist der Tod von Gemeinschaften.

Die Wirtschaft darf nicht der einzige Motor und Gradmesser einer Gemeinschaft sein. Wirtschaft ist nicht das Leben selbst. Sie ist nur eine Säule des gesellschaftlichen Lebens, eine wichtige, das stimmt, aber eben nur eine. Eine Gemeinschaft muss alle Aspekte des Lebens im Blick haben. Nicht nur die Dominanz einzelner Personen, auch die Dominanz einer einzigen Säule - der Wirtschaft - zerstört langfristig eine Gemeinschaft, wenn ich wirklich eine Gemeinschaft bilden will. Wirtschaft hat der Gemeinschaft zu DIENEN und sich nicht als Herrscher aufzuschwingen.

Wenn ich all das als altmodisch, gefühlsdusselig abqualifiziere, dann habe ich keine Europäische Gemeinschaft, keine Union - nichts. Dann habe ich nur einen elitären Haufen Wichtigtuer, die ihre Jobs auf hohem Niveau sichern und ihre Egoismen pflegen wollen, das war alles. Dann frage ich mich: Brauchen wir bei solchen "Freunden" noch Feinde?






Kommentare:

  1. Gemeinschaft und Zweckgemeinschaft - so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie heiß und kalt. Im öffentlichen Bereich gibt es nur Zweckgemeinschaften. Sie tragen sich nicht selbst durch gewachsene Werte, sondern sie werden getragen durch Interessen und ihr Ziel ist NIE ein Wert.

    Wirkliche Gemeinschaften sind etwas privates, etwas intimes - getragen von Freundschaft und Achtung und ihr Bestand ist das Ziel.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Da ich die Bearbeitenfunktion für meinen Kommentar nicht gefunden habe, noch einmal. Du hast völlig recht. Ich wollte nur mal die Lücke zwischen Soll und Ist aufzeigen. Übrigens gibt es nicht nur im Privaten eine Gemeinschaft. Und - warum sollte man nicht mal einer Utopie frönen? ;)

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  4. Eigentlich war genau das am Anfang gar keine Utopie, sondern von den meisten unbeteiligten so aufgenommen worden. Das es dabei nur um eine Handelszone ging, haben die wenigsten damals verinnerlicht. Das ein erwachsener Mann wie Kohl, nicht imstande war zu sichten, das man keine Gemeinschaft hin bekommt, wenn man lediglich an Ökonomie dabei denkt, ist traurig genug, - und heute ist anscheinend kaum noch jemand fähig, sowohl im Inland, als auch bei Europäisierung und Globalisierung mehr zu orten als, - Soll, und Haben. Ökomomie als Lebensphilosophie. Traurig, aber wahr. Danke für den tollen Artikel.

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