Mittwoch, 7. April 2010

Darüber wundere ich mich

Wenn eine Bundeskanzlerin von einem feigen Hinterhalt spricht, den 3 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan zum Opfer gefallen sind, ist das schon ärgerlich genug (mal ganz vorsichtig ausgedrückt). Wenn nun auch Soldaten davon sprechen, wird es wunderlich. Was haben die Soldaten denn gedacht, was sie in Afghanistan erwartet?  Ein heroischer Krieg? Wollten sie Helden werden? Wollten sie Legolas spielen oder Aragorn?

Sie kämpfen aber nicht um Minas Tirit oder die Hornburg. Sie sind auch keine Elben, die den Pferdemenschen beistehen. Man hat sie in ein fremdes Land geschickt, so ohne Not, ohne Sinn und Verstand. Es sei denn, man sähe einen Sinn darin, Rohstoffe und Transportwege für uns in einem fremden Land zu requirieren, ohne Einverständnis der Menschen dort. Wieso wundert ihr euch, auf welche Art und Weise ihr von Aufständigen angegriffen werdet?

Und es ist schon interessant, dass diese Sprachregelung gewählt worden ist, wo doch eigentlich nur ungern von einem Krieg gesprochen wird, wo es nur umgangssprachlich als Krieg bezeichnet wird, was dort abläuft. Was sind Aufständige? Es gibt sie in Ländern, die von einem Agressor angegriffen worden sind. Aufständige verteidigen ihr Land, ihre Freiheit und ihre Art zu leben. Aufständige kämpfen gegen eine feindliche Armee mit ihren Mitteln. Wir kennen sie als Maquis, als Partisanen, Guerillas. Keine Armee der Welt kommt gegen sie an. Sie können nicht vernichtet werden, es sei denn, man vernichtet die Bevölkerung. Viele Länder mussten das schmerzhaft erfahren, denken wir an die Amerikaner in Vietnam, an die Rote Armee in Afghanistan, um nur zwei Beispiele zu nennen. 

Der Bundeswehr wird auch keine bessere Ausrüstung helfen, kein Mehr an gepanzerten Fahrzeugen. Jedes Fahrzeug lässt sich in die Luft sprengen. Dann werden die afghanischen Stämme eben etwas mehr Sprengstoff nehmen. Die Soldaten können auch üben wie sie wollen. Es wird ihnen nichts helfen. Guerillas sind nicht fassbar, sie bilden keine Frontlinie. Guerillakrieg ist der Krieg des armen Mannes, der keine technologischen Highlights sein eigen nennen kann. Und er braucht sie auch nicht, wie sich in Afghanistan jetzt wiederum zeigt.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie schlecht das Erinnerungsvermögen der Menschen, der westlichen Staaten ist. Sie müssten sich nur ihre eigene Berichterstattung zwischen 1979 und 1989 - liegt ja noch nicht so lange zurück - anschauen. Da könnten sie die hilflosen Versuche der Roten Armee "bewundern", als die in Afghanistan Krieg führten. Man setze statt "Rote Armee" jetzt Nato ein und alles hat wieder von vorn begonnen und endet auch so. 

Hey Soldat! Wach auf! Lass dich doch nicht von ein paar Euros mehr einlullen. Afghanistan ist kein Abenteuer. Afghanistan ist wahrscheinlich dein Tot. Ein Abenteuer ist es nur für diejenigen, die dich dorthin geschickt haben. Die müssen auch nicht in der Wüste oder im Gebirge Aufständige jagen. Die sitzen in ihren Chefsesseln, sei es in der Regierung, im Abgeordnetenhaus oder Chefetagen globaler Unternehmen, fein warm gebettet. Die Profitieren davon, ihr tragt eure Haut zu Markte. Du brauchst kein Eisernes Kreuz an deiner Brust. Du bist eigentlich da, unsere Grenzen, unser Land zu schützen. Das ist dein Grundgesetz-Auftrag. Und dann würden wir auch voll hinter dir stehen. Wir würden mit dir kämpfen, wenn du uns verteidigst. Hier in unserem Land, falls wir wirklich einmal angegriffen werden würden. 




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.