Montag, 26. April 2010

Wir - die Verfügungsmasse

Telekom-Chef Obermann blubbert wieder mal ein neoliberales Gewäsch ohne Sinn und Verstand. Zumindest es hat nur Sinn und Verstand für ihn selbst und seine Klasse, die er repräsentiert. Aber was sagte er:

Die Sozialreformen der vergangenen Jahre hätten bewirkt, dass mehr Menschen Arbeit hätten als früher. «Die Kehrseite der Medaille sind die Niedriglohnbereiche. Ich glaube unter dem Strich, dass es besser ist, auch solche Jobs anzubieten als gar keine, weil die Menschen ihren Wert auch dadurch definieren, dass sie einen Wert für die Gesellschaft in Form von Arbeit erbringen», sagte Obermann.

Menschen definieren ihren Wert über Hungerlöhne? Sie definieren ihren Wert über das Aufsammeln von Blättern im Park, über eine Tätigkeit, die weit unterhalb ihrer Ausbildung und ihres Könnens liegt? 

Eine eigenartige Vorstellung. Ihnen wird durch Hungerlöhne doch nur ihre Wertlosigkeit vor Augen geführt. Ihnen wird gezeigt, dass die wahren Beherrscher alles und aller hier in Deutschland sie total in der Hand haben. Wenn die Keule Billiglohn nicht zieht, dann überantwortet man die Menschen HartzIV. Das heißt, dass ihre grundgesetzlichen Rechte nicht mehr anerkannt werden. Das heißt, dass sie an der Tür zum Sachbearbeiter der Arge ihre Menschenwürde abgeben müssen. 

Ein solches Gerede vom Wert eines Menschen für die Gesellschaft, der nur in der Erbringung von Arbeit für die Deutschlandbesitzer besteht, ist für mich eine fataler Weg in Richtung Faschismus. Diese Denkart legte auch Göring an den Tag. Im 3. Reich wurde diese Logik jüdischen Mitbürgern, Kommunisten, Christen, Sinti und Roma, auch Sozialdemokraten und Gewerkschafter im Konzentrationslagern beigebracht. 

Vor 65 Jahren schworen die Deutschen, dass nie wieder solch eine Denkungsart in Deutschland Standard werden dürfe. Der Schwur war kurz. Gelernt wurde nichts aus der Geschichte. Die Erinnerung an das Grauen hielt von fünf vor 12 bis 12. Länger nicht. 

Wir sehen laufend im Fernsehen, was für ein Monster Hitler war, ohne uns zu zeigen, wer Hitler ermöglicht hat. Dabei schaue ich überhaupt nicht auf die Politik, die auch nur Erfüllungshelfer war. Ich schaue auf Konzerne, auf Unternehmerfamilien, wie Krupp, Thyssen, die Bosse der IG Farben, um nur an einige zu erinnern.  Die wahren Scharfmacher, die heute wieder eine zunehmend rechtsradikale Denkungsart ermöglichen, sitzen wieder an dieser Stelle. Dort, wo man hinter vorgehaltener Hand vom Pöbel spricht, den man es zeigen müsse. Deren Sprachrohre sind Sarazin, Westerwelle, einige, die sich Professoren nennen dürfen und eben Obermann u.a. und ihr Erfüllungsgehilfe ist ihre Regierung.

Es ist immer wieder dasselbe. Es scheint, als ob sich die Geschichte immer wieder und immer wieder wiederholt. Schon 1848, als man um ein demokratisches Deutschland stritt, hatten die Besitzer der Fabriken ein ganz anderes Deutschland im Sinne, als ihre Arbeiter. Die Besitzer der Fabriken wollten nur verdienen, sich immere schönere Schlösser bauen, auf immer größerem Fuße leben. Ihre Arbeiter wollten "nur" ihr Recht, das ihnen ja dann in einem blutigen Kampf verweigert wurde, in einem Kampf, in dem sich die Fabrikbesitzer mit den Adligen zusammentaten und Deutschland verrieten, wegen des Profits. 

Es ist so kleinlich, so mieß, so spießig, dieses Geraffe und Muskelgespiele. Es macht alles kaputt. Es sägt den Ast ab, auf den auch sie sitzen. Sie merken es nur noch nicht, besser, wollen es nicht bemerken.

Und wir anderen? Wir meckern ... wir schnaufen ... wir sind froh, für einen Hungerlohn arbeiten zu dürfen, weil die andere Aussicht noch deprimierender ist ... wir buckeln nach oben ... treten nach unten ... wir bemerken nicht, dass wir alle gleiche Interessen haben sollten, bzw. haben ... wir bilden uns ein, dass wir es schafften, wenn wir nur denen zeigten, wie fleißig, zuverlässig, klug, gut ausgebildet, devot wir sind ... wir mobben andere, die uns gefährlich werden könnten oder um unseren Chef zu gefallen ... wir spielen die Deppen und werden die Deppen bleiben, wenn wir das glauben und unterstützen, was uns diejenigen erzählen, die unsere Arbeitskraft aufkaufen.  

Es ist nie etwas alternativlos. Wenn man will, gibt es immer Alternativen!



   

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