Samstag, 1. Mai 2010

Schuldfrage

So, nachdem ich vor einiger Zeit Herrn Hingst von der rbb-Abendschau hier "Redezeit" eingeräumt habe, möchte ich nun meine Antwort auf seine Email posten.


Sehr geehrter Herr Hingst,

in Beantwortung Ihrer Email möchte ich vor allem auf dem Punkt des Ursprungs der internationalen Finanzkrise reagieren.

Ganz offensichtlich sind Sie es, der das Grundproblem nicht erkannt hat. Sie vergleichen hier nämlich, wie man so schön sagt, Äpfel mit Birnen.

Halten wir erstmal fest. Ja, der Ursprung der Finanzkrise liegt tatsächlich im Platzen einer Kreditblase. Dazu müssen wir aber zu erst einmal hinterfragen, wie es denn überhaupt passieren konnte, dass sich so viele Kreditnehmer in den USA überschuldeten. Die Antwort ist, dass sie zunächst offiziell gar nicht überschuldet waren. Die Hypotheken wurden nämlich durch die Wertsteigerung ihrer Immobilien ausgeglichen. Das diese „Wertsteigerung“ nur Makulatur war, dürfte der Mehrzahl der Kreditnehmer sicher gar nicht bewusst gewesen sein. Aber nehmen wir mal den Fall an, allen Kreditnehmer war ihre prekäre Überschuldung bekannt und sie haben dies wissentlich forciert, dann tragen sie natürlich auch eine Schuld an ihrer eigenen Insolvenz.

Dennoch stellt sich die Frage, wieso diese Überschuldung durch die Kreditgeber überhaupt zugelassen wurde. Zumindest diese hätten ja die fachliche Kompetenz gehabt, das Risiko zu erkennen. Der Verdacht liegt hier nahe, dass man seitens der Kreditgeber sogar mit dem Ausfall rechnete, um sich dadurch die „wertgesteigerten“ Immobilien zu verschaffen. Das diese Immobilien jedoch deutlich überbewertet waren, scheint den Kreditgebern wohl entgangen zu sein. Übrigens gab es genau so eine Krise bereits Anfang der 90er in Japan. Die japanische Immobilienkrise hat sich aber nicht zu einer weltweiten Finanzkrise entwickelt.

Und hier kommen zum Kern. WARUM wurde also die Privatinsolvenz vieler amerikanischer „Häuslebauer“ zu einer internationalen Finanzkrise?

Die vielen faulen Kredite wurden zu Paketen geschnürt und unter Zuhilfenahme der Ratingagenturen, welche diesen Paketen Bestnoten bewilligten, am Interbankenmarkt angeboten. Es wurden, seitens der Banken, sogar sogenannte Zweckgesellschaften gegründet um diesen die Papiere, wiederum auf Kredit, zu verkaufen und damit den Markt zusätzlich anzuheizen. Diese Unwertpapiere wurde somit auch an europäische und asiatische Banken verkauft. Damit wurde das Risiko internationalisiert und hier kommen wir dann auch zum Ursprung der INTERNATIONALEN Finanzkrise.

Halten wir zusammenfassend fest. Ganz sicher tragen viele amerikanische „Häuslebauer“ eine Mitschuld an ihrer EIGENEN Privatinsolvenz. Sicher wäre in den USA die eine oder andere Bank ebenfalls in Schieflage geraten, dies aber nur weil sie selbst die Verantwortung für ihre faulen Kredite tragen. Das allein konnte jedoch nie internationale Auswirkungen haben. Daran tragen ausschließlich der Interbankensektor, die Ratingagenturen und das Versagen der politischen Kontrollinstanzen die Verantwortung.

Im Übrigen ist es völlig falsch zu behaupten, die überschuldeten Kreditnehmer wären aus der Verantwortung entlassen. Ganz im Gegenteil, diese müssen für ihre Schulden nämlich gerade stehen, während die ganzen toxischen Unwertpapiere, welche sich die Banken zugelegt haben, gerade auf Kosten der Steuerzahler aus ihren Bilanzen verschwinden. Da die Banken nun wieder „Gewinne erwirtschaften“ erhalten deren Spitzenmanager auch wieder ihre Boni. Das Prinzip ist altbekannt; Gewinne werden privatisiert – Verluste solidarisiert!

Leider, Herr Hingst, reicht es als Journalist eigentlich nicht aus, neoliberale Propaganda nachzubeten. Aber ganz offensichtlich ist objektiver, kritischer und investigativer Journalismus, für den wir alle ja unsere GEZ-Gebühren entrichten, inzwischen in Deutschland nicht oder nur noch eingeschränkt möglich.

Daher möchte ich mit einem Zitat von Herrn Georg Schramm schließen:
„Die Politik, die wird woanders gemacht. Interessenverbände, die machen die Politik. Die ziehen die Fäden, und an den hängen politische Hampelmänner, die dann auf der Berliner Puppenkiste uns Demokratie vorspielen dürfen. Diese Politfiguren dürfen in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren, und wenn sie da ihre intellektuelle Notdurft verrichtet haben und es tröpfelt nach, dann dürfen sie sich noch bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unters Volk mischen."

Mit freundlichen Grüßen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.