Samstag, 19. Juni 2010

Geh in den Kindergarten zurück

Da steht er vor den Mikrofonen und tönt: Die Einnahmeseite muss steigen und die Leistungen müssen gekappt werden. Unser Jüngelchen, unser Gesundheitsminister.

Da vorn steht er, unverschämt jung, was nicht unbedingt ein Nachteil sein müsste. Aber er ist auch unverschämt geschniegelt. Sein Aufwachsen in einem begüterten Elternhaus springt einen aus jeder Pore entgegen. 

Was weiß dieser Mensch vom Leben. Kann er sich vielleicht noch daran erinnern oder hat er vielleicht eine Vorstellung davon, wie es ihm ergangen wäre, hätte er nicht seine Adoptiveltern gefunden oder sie ihn. Nein, erinnern kann er sich nicht mehr an ein ärmliches Leben in Vietnam. Er kam als Baby nach Deutschland. Hat er seine ethnischen Wurzeln vergessen? Sind sie ihn aberzogen worden? Sonst müsste tief in ihm schlummern, dass sein Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn er dort geblieben wäre, wo er herkam. Müsste er nun nicht dankbar sein, dass es ihn so viel besser jetzt geht, als es ihn vielleicht gegangen wäre? Dort in Vietnam?

Nein, er sollte nicht nur seinen Eltern dankbar sein. Er sollte auch allen anderen Menschen dankbar sein, dass er nicht hat hungern müssen. Das ist sehr viel in der heutigen Welt - nicht hungern müssen. 

Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, aus seinem Biotop auszubrechen? Zu sehen, wie das wirkliche Leben wirklich aussieht? 

Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, zu erkunden, wie Alterskameraden, die in keinem wohlhabenden Elternhaus aufwachsen konnten, ihr Leben meistern mussten, ohne Aussicht darauf jemals Minister zu werden?

Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, zu sehen, mit welchen Problemen eine alleinerziehende Frau sich herumschlägt, ihr Kind gesund zu erhalten?

Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, zu schauen, was macht die Menschen krank? Was können sie für den Arzt ausgeben, ohne nicht wieder woanders ein Loch zu reißen, dass sie wiederum krank macht?

Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, das Grundgesetz zu achten? Sich an den Artikel zu erinnern, in dem steht: Eigentum verpflichtet?

Was wäre aus ihm geworden, wenn sich nicht eine wohlhabende, deutsche Familie gefunden hätte, ihn zu adoptieren. Diesen Gedanken sollte er mindestens einmal am Tag denken.

Er sollte auch mindestens einmal am Tag daran denken, was er für ein Glück gehabt hat. In seinem Leben wurde ihm alles zugetragen. Er hat noch nichts Wesentliches in seinem Leben geleistet. Jugend ist keine Leistung. Achtung muss man sich sehr hart erarbeiten. Er hat gerade mal  - wiederum in einem Biotop - seinen Beruf erlernt. Als es zu schwierig wurde, tauchte er wieder in ein anderes Biotop ein.

Herr Gesundheitsminister Rösler, kommen sie endlich aus ihrem Versteck heraus und sehen Sie, wie die Menschen wirklich leben müssen. Wie man mit ihnen umspringt, wenn sie krank werden. Wie viele unter der Last stöhnen, die Praxisgebühr und Zuzahlung heißt. Schauen Sie sich um und sie bemerken, dass viele Menschen nicht zum Arzt gehen, ehe es nicht wirklich sein muss. Bei Manchen sicher zu spät. Und warum? Weil sie entscheiden müssen, gehe ich zum Arzt oder kaufe ich mir etwas zu essen. Oder weil sie als gesetzlich Versicherte keinen Facharzttermin mehr bekommen und wenn wirklich, dann müssen sie viele Monate warten bis es vielleicht zu spät ist. Ärzte dürfen nicht zu Kaufleuten verkommen, Herr Rösler. Das wäre ihr Betätigungsfeld. Für die Reichen müssen sie nichts tun. Die können sich selbst helfen. Ihr Einkommen gestattet es ihnen.


Denken Sie daran, was wäre wenn ...

Kommentare:

  1. Gute Fragen, PeWi.
    Ich denke auch nicht, dass ER sich die Frage stellt, was gewesen wäre, wenn ...

    "Agent Orange" sowie all die Schweinereien sind vergessen, er mußte ja auch nicht als brennende Fackel aus einem Dorf rennen.

    Aber mitmischen möchte er schon. In seiner Partei, als Minister sowie im Bewußstsein, dass es ihm zukünftig an nichts mangeln wird.

    Wen interessiert schon einen Zahnersatz oder eine neue Brille?
    Für die Masse genügt Haferschleim, den sie nicht einmal mehr schmecken noch erkennen dürfen, mangels Kau- sowie Sehhilfen.

    Und wer kein Hörgerät besitzt, kann auch nicht nachverfolgen, warum ihn - gerade in diesem Moment - ein Panzer überrollt.

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  2. Stimmt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Gute Ergänzung.

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