Donnerstag, 3. Juni 2010

Ich wollte zwar nicht, aber es drängt mich

Eigentlich wollte ich kein Wort mehr über Lena verlieren. Nun drängt es mich aber doch, so als emanzipierte Frau. Man hört ja immer noch tagtäglich über ihr erfrischendes Wesen, gar als Teenie-Star wurde sie bezeichnet. 

Ich schüttele immer wieder den Kopf. Ein Teenie-Star. Na gut, sie hat noch einen Zehner in ihrem Alter. Das ist aber auch alles. Stellen wir fest: Sie ist 19! Ihre Natürlichkeit ist einfach nur Albernheit, Unreife. Ihre Interviewantworten zeugen davon. Wenn sie 14 oder 15 wäre, würde ich das alles ganz dick unterstreichen. Aber, sie ist 19! Sind unsere 19-jährigen noch so kindlich? Wenn ja, dann sollten wir Beklemmung bekommen, was aus unserem Land werden wird. Mit 19 kann man schon gewählt werden, also weit greifende Verantwortung übernehmen. Kann sich allen Ernstes jemand ansatzweise vorstellen, dass dieses Mädelchen  regieren könnte, also wirklich ernsthaft und nicht in satirischer Art und Weise?

Ich werde jetzt sicherlich vom männlichen Geschlecht vehement zerissen werden. Aber, diese sogenannte Natürlichkeit ist es doch, diese sogenannte Mädchenhaftigkeit, die Kindfrau, was Männer gern in Frauen sehen und haben möchten. Eine Frau, die irgendwie immer Kind bleibt, doof rumkichert, unreif vor sich hindämmert. Sich mit Kleidungsstücken behängt, die sie auch als Kindfrau stilisieren, entworfen von Männern, die dadurch ihre pädophilen Neigungen ausleben können. 

Ich übertreibe? Dann sehe sich mal jemand das an, womit Frau eingekleidet werden soll. 

Und das Beste an der ganzen Sache ist: Die Mädelchens merken das nicht einmal. Sie werden dazu animiert, sich wie Lena anzuziehen. Als Nächstes, werden wir viele schwarze Kleidungsstücke im Laden sehen, die das vorherrschende lila beendet, falls die Industrie meint, damit richtig Knete machen zu können. So werden kleine Zicken herangezogen, denen alles um sie herum egal ist. Gestern Lady Gaga, heute Lena, morgen ein anderer sogenannter Star und übermorgen? Und die männliche Jugend? Ich weiß nicht. Sie wird im Prinzip dazu erzogen, Frauen als Sexobjekte zu sehen. In der Werbung wird es ihnen eingehämmert. Kaum ein Musikvideo, was nicht einen pornographischen Touch hat und kein weiblicher "Star", der sich nicht unbedingt nackt produzieren muss, kein Auto auf Automessen, auf denen sich nicht irgendeine Tussi rumräkelt. Und wenn sie dann keine Sexobjekte mehr sind, weil sie nicht mehr 15 sind, dann sind sie immer noch treusorgende Hausfrauen, die unbedingt die bunte Wäsche, bunt erhalten wollen. 

Ziel des Ganzen? Es solle sich ja niemand mit dem wahren Leben beschäftigen. Und es funktioniert: Wir können sowieso nichts machen ... die Kleinen sind immer die Gelackmeierten ... wir füttern die ganze Welt durch ... ich will nichts mehr davon sehen, keine Kriegstoten, keine ermordeten Kinder, Frauen und Männer, keine Hungernden ... ich kann das nicht mehr ertragen ... was schert mit Palästina ... was schert mich Afrika ... was scheren mich die Arbeitslosen ... wer arbeiten will, bekommt Arbeit ... die Ausländer überfremden uns ... Frau Merkel ist die Beste ... eine Frau ... toll ... ich mag die von der Leyen ... eine gute Frau ... macht etwas für uns ... ist sympatisch ... hört man landauf, landab. 

Wundert's jemanden?  

Kommentare:

  1. Ja, mich wundert es immer wieder, wie leicht der Mensch sich in die Irre führen lässt.

    Ein Grund dafür könnte sein, dass uns mit dem Eintritt in diese Welt verboten wird uns selbst zu lieben. Kennst Du den Ausspruch "Eigenlob stinkt"? Mir haben diese Worte sehr geschadet und ich habe mich dadurch von vielem was ich machen wollte abhalten lassen. Hier könnte man ansetzen um Veränderung in Gang zubringen.

    Liebe Grüße
    Margitta

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  2. Ja, liebe Margitta, den Spruch kenne ich. Aber ich bin schon immer offen und eigenverantwortlich aufgewachsen. Naja eigenverantwortlich ist ein diskreditierter Begriff, aber im wirklichen Wortsinn meine ich das. Ich bin in der DDR auch anders aufgewachsen. Uns wurde immer die Gleichberechtigung gepredigt und ich habe nicht nur zugehört, sondern auch danach gehandelt. Und nach meiner Überzeugung gehören, sich selbst lieben und der Ausspruch "Eigenlob stinkt" nicht zusammen. Man kann sich selbst, bzw. muss sich auch selbst lieben, ohne andauernd in Eigenlob zu verfallen. Die, die sich immer selbst loben, sind mir sehr suspekt. Man kann sich durchaus auch selbst mal auf die Schulter klopfen, das ist richtig und gehört zum Leben, aber diejenigen, die immer tönen, sind oft nur Schaumschläger, denn der, der wirklich etwas Gutes macht, braucht das nicht. Obwohl hierzulande muss man das eigentlich machen, aber dem widersetze ich mich. Mir kommt das immer wie Prostitution vor. Man muss nur versuchen sich unabhängiger gegenüber anderer Mainstream-Meinungen zu machen, das zu leben, was man wirklich möchte. Das meine ich nicht in finanzieller Hinsicht. Leben ist jenseits von Geld. Ich frage z.B. nicht danach, ob ich mal einen Verlag finden könnte, dies ist in meinen Augen schon wieder prosituieren, da es hier und heute nicht um Talent oder irgendetwas geht, sondern darum, wer wieviel Knete einbringt. Man wird dadurch wirklich im Inneren unabhängig und oft durchschaut man dann die Lügen besser. Ich gebe zu: Nicht immer.
    LG

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  3. Dieses System funktioniert seit den alten Römern:
    "Brot und Spiele". Die moderne, aktuelle Abwandlung dieses Systems heisst "Zuckerbrot und Peitsche". Dabei realisieren viele nicht auf welcher Seite der Peitsche sie sich befinden oder wer das Zuckerbrot an wen verteilt.

    Eins muss ich noch loswerden: Manchmal empfinde ich das von Dir verbreitete Männerbild als etwas eindimensional. Ich bin sicher, dass ich nicht der einzige Mann bin, der die Mechanismen und Strukturen der Meinungsmacher in Medien, Unternehmen und Politik wenigstens ansatzweise durchschaut. Auch mich stört die allgegenwärtige Sexualisierung und das selbst im 21. Jarhundert noch verbreitete konservative Frauenbild. Ich kommuniziere das auch in meinem Umfeld. In den allermeisten Fällen stosse ich da auf Zustimmung, auch ohne tiefe Exkursion in die Hintergründe.
    Es ist also durchaus nicht alles schwarz/weiss, sondern eher graustufig, trotz der Dauerberieselung durch die Meinungsmacher.

    Noch mal abschliessend meinerseits zu "unserer" Lena: Ich glaube, dass die meisten Menschen (und Männer :-)) sie als das sehen, was sie ist: Ein mässig talentiertes, noch recht unreifes junges Mädchen, dass das "Glück" hatte "die richtigen Leute" zu treffen und von den Medien instrumentalisiert wird. Nicht mehr und nicht weniger.

    Herzliche Grüsse,
    Frank

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  4. Dem gibt´s nichts hinzuzufügen. Dieser ganze Aufwand um die kleine Göre wäre in der "Bravo" besser platziert.

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  5. Lieber Frank, nein, ich wollte eigentlich kein eindimensionales Männerbild entwerfen. Ich kenne auch eine ganze Menge Bekannte, die anders sind. Aber mir ging es um das Erziehungsbild. Ob man dann diesem Erziehungsbild entspricht, ist eine völlig andere Sache. *Lach* sonst hätte ich auf der anderen Seite ja auch ein völlig eindimensionales Frauenbild gekennzeichnet. Allein schon im Netz zeigt sich die Vielfalt. Nur erzogen sollen wir zu ganz anderen Menschen werden. Aber - wir verweigern uns einfach, genau wie du.
    LG

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  6. Lieber Jürgen, das ist nur vordergründig Lena. Eigentlich geht es doch um viel mehr.

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  7. zum Phänomen Lena und pornographischer Touch in der Musikindustrie empfehle ich:http://www.youtube.com/watch?v=00C3feH5z0A
    nehmen Sie sich Zeit und staunen Sie.

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  8. Was uns noch so untergejubelt wurde

    " Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen"

    wir sind alle Sünder...

    ...traurig

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