Samstag, 5. Juni 2010

Sie ernten nur

Die Süddeutsche Zeitung meldete, Mankell habe »mit einem Furor über den grauenhaften Morgen im Mittelmeer« gesprochen. Der Autor verdiene viele Millionen mit Krimis und leiste sich den Luxus, ein linker Moralist zu sein.

Wieso ist es Luxus, sich für diskriminierte und benachteiligte Menschen einzusetzen? Wieso ist das vom Geld abhängig?

Es steckt schon ein menschenverachtender Gedanke hinter diesem Satz der Süddeutschen, auch wenn sie es vielleicht positiv gemeint hat.

Letztendlich bedeutet das, dass ein Mensch, dem andere Menschen noch etwas bedeuten, und der extra noch ein Vermögen hat, dass solch ein Mensch etwas Exotisches sei.

Ist Menschenliebe, Einsatz für Demokratie und Menschenrechte davon abhängig, wieviel Geld man auf seinem Konto hat? Ist es nicht besonders wichtig, wenn man vermögend ist, nicht zu vergessen, wem man sein Vermögen verdankt? Sollte es für diese Menschen nicht selbstverständlich sein, ihre Situation als Luxus zu begreifen und anderen Menschen deshalb verstärkt zu helfen? Etwas von dem wieder zurückzugeben, was die Gesellschaft ihnen gegeben hat?

Der Satz in der Süddeutschen bedeutet aber auch, dass Menschen mit Vermögen nicht mehr auf ein Gewissen angewiesen seien. Und die meisten Vermögenden haben diesen Satz verinnerlicht und leben in asozialer Weise von der Gesellschaft.

Und in asozialer Weise fordern sie, immer weniger Geld für diejenigen auszugeben, denen geholfen werden muss. Die ihnen erst ihr Vermögen ermöglicht haben. Das ist aber vergessen. 

Vielleicht sollten diese Asozialen auch mal daran denken, wenn sie dem kleinen Hansel das letzte Hemd wegnehmen, dass dann dieses Land zusammenbricht. Nicht sie erhalten das Land. Das könnten sie gar nicht, weil sie keine anderen Fertigkeiten besitzen, als Geld zu hamstern. Mit Geld kann man nicht pflanzen, nicht ernten, keine Häuser bauen, kann man kein Essen kochen, kann man nichts. Man kann das zwar alles mit Geld erwerben, nur, wenn man den produktiven Teil der Menschen und somit das Land ruiniert hat, kann man Geld soviel man will haben, es wächst nichts, was man erwerben könnte.



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