Dienstag, 15. Juni 2010

Sie leben mitten unter uns, die Sarazzins - Teil 2

Am 03.06. habe ich in meinem Blog einen Artikel zum Thema Kinderarmut in der Lesart unseres Stadtteilmagazins Grün-As eingestellt.

Das Stadtteilmagazin hat meine Leserzuschrift ignoriert. Ich lasse bei diesem Thema nicht locker. Seine Amusitäten und seine Abscheu gegenüber Langzeitarbeitslosen darf ein Stadtteilmagazin nicht einfach so verbreiten und schon gar nicht an den betroffenen Kindern auslassen.

Meine erneute Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 3.6. schrieb ich Ihnen zum Thema Kinderarmut in Deutschland eine Mail. Wahrscheinlich nahmen Sie diese nicht ernst und stehen weiterhin hinter dem Absatz,

ich zitiere noch einmal:
"Armut gibt es auch hier", hat Mama gesagt und das stimmt. Ich habe selbst schon Kinder gesehen, die an der Kaufhalle stehen und mit ansehen müssen, wie ihre Eltern das ganze Geld für Alkohol ausgeben, obwohl doch vielleicht der Kühlschrank gefüllt werden müsste."

Ich machte Sie darauf aufmerksam, dass dieser Satz schlimmster Sozialrassismus Sarazzinscher Art wäre. Sie scheinen immer noch der Ansicht zu sein, dass Sie sich nicht geirrt haben. Sie diskreditieren damit die Mehrheit armer Menschen in unserer Stadt. Es gibt sicherlich solche Eltern, die aber deshalb vor allem unserer Hilfe bedürften, weil Alkoholismus eine Krankheit ist. Nichtsdestotrotz ist das eine kleine Minderheit. Die Mehrheit der Menschen, die arm in unserer Stadt sind, sind langzeitarbeitslos und tun alles, was in ihrer Macht steht, für ihre Kinder. Deren Kinder dürfen die verfehlte Politik unserer Regierung ausbaden und außerdem noch ihre Herablassung einstecken.

Wenn Sie sich nur ein bisschen mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, wäre Ihnen Folgendes nicht verborgen geblieben. Ich habe Ihnen ein Artikel abgeschrieben, den Sie sich ganz dick unterstreichen sollten. Ihnen hätte es besser angestanden, so über die Armut von Kindern in dieser Stadt, in diesem Land zu berichten.

Aber lesen Sie selbst:

"Ohne Kinder gibt es keine Zukunft. Und deshalb sollte jede Gesellschaft großes Augenmerk auf das Wohlergehen des Nachwuchses legen. Leipzig sieht sich jedoch damit konfrontiert, dass ein wachsender Anteil der Kinder von Armut und sozialer Ausgreenzung betroffen ist. Immerhin lebte 2009 jedes 3. Kind in einer Familie mit ALG2-Bezug. Die EU hat das Jahr 2010 zum "Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" ausgerufen. Hierzu werden auf europäischer und nationaler Ebene zahlreiche themenbezogene Projekte, Kampagnen und Veranstaltungen durchgeführt, um nicht nur auf die brennende Problematik aufmerksam zu machen, sondern ihr auch mit verschiedenen Mitteln und Akteuren entgegen zu wirken.

Das Europa-Haus Leipzig e.V. mit der EU Informationsstelle Europe Direct und der Internationale Bund (IB) luden am 12. April 2010 ins Café Telegraph ein, um einen Blick auf die Umsetzung der Idee des Europäischen Jahres auf lokaler Ebene zu richten. Konkret wurde der Frage nachgegangen, wie sich die Europäische Union lokal für die Verbesserung der Entwicklungsschancen von Kindern einsetzt.

Nach einer kurzen Vorstellung der Inhalte und Ziele der Jahresinitiative durch Katja Trescher führte der Dokumentarfilm "Zirkus is nicht" von Astrid Schult in das Thema Kinderarmut ein. Der Film lässt die Betroffenen selbst zu Wort kommen und macht deutlich, dass hinter Kinderarmut ein vielfältiges Problemfeld steckt, das nicht ausschließlich materieller Natur ist.

Im Anschluss daran wurde das Projekt "KiPaLe - Kinderpatenschaften in Leipzig" von Katja Meier vom IB vorgestellt. Als im Rahmen des Europäischen Jahres gefördertes Projekt zeigt es Ideen auf, sich für betroffene Kinder in Leipzig stark zu machen. Hierfür soll ein Patennetzwerk aufgebaut werden, das durch ganz unterschiedliche Formen von Patenschaften, übernommen von Einzelpersonen, Unternehmen sowie interessierten Leipziger Akteuren hilfen soll. Anschließend ergab sich unter den Gästen ein angeregtes Gespräch über die Problematil. mehr zum Europäischen Jahr: http://www.mit-neuem-mut.de und zum Projekt per Mail: katja.meier@internationaler-bund.de

Kippe-Ausgabe: Nr. 141"
Ich hoffe, dass Sie Ihre Augen und Ohren endlich öffnen. Ich würde Ihnen auch vorschlagen, den Bericht des DIW, der jetzt in den Medien ist, zu lesen. Es kann nicht schaden, sich auch außerhalb von BILD und Sarazzin weiterzubilden.

Kommentare:

  1. Hallo PeWi,

    für dieses Verhalten gibt es zwei Möglichkeiten:
    Entweder sie wollen ihren Fehler nicht zugeben,
    oder sie stehen hinter ihrem Artikel.
    Meiner Meinung nach ist beides gleichermaßen
    verachtenswert und zu verurteilen.
    Aber ich verstehe es nicht. Es sind doch alles
    Menschen, und die spüren und sehen doch alle,
    was hier vor sich geht. Sollte es wirklich so
    einen hohen Prozentsatz schlechter Menschen in
    unserer Gesellschaft geben? Das kann man doch
    mit purer Ignoranz nicht mehr erklären.
    Darum ist es wichtiger denn je, die Menschen
    immer wieder mit der Nase auf die Mißstände
    zu stoßen. Vielleicht kapiert es ja der eine
    oder andere. Jeder einzelne wäre schon ein
    Gewinn für die Menschlichkeit.

    In diesem Sinne...

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Danke Anonym. Auch wenn der von mir angegebene Link zu dieser Aktion nicht jede Meinung trifft. Von der Leyen ist auch nicht grade eine Vertreterin, die sich wirklich um arme Kinder kümmert, aber ein Anfang wäre es wenigstens. Ich verstehe es auch nicht, wieso Menschen so denken können. Aber viele plappern eben BILD nach, ohne einen einzigen eigenen Gedanken, ohne mal die Augen aufzumachen, um zu sehen, was um sie herum passiert.
    VG

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.