Donnerstag, 24. Juni 2010

Auch wenn man Lügen immer wieder erzählt, werden sie nicht wahr

"Viele begleite hier »so etwas wie Angst vor der Freiheit«, auch weil sie durch ihre Sozialisation wenig trainiert seien, Verantwortung für ihre Lebensplanung zu übernehmen", sagt Gauck.

Ich weiß nicht, wo der gelebt hat. Es scheint, dass er in einer anderen DDR zu Hause war, als ich. Sicherlich gibt es Menschen, die ihr Leben nicht planen können, wollen oder wie auch immer. Jeder Mensch ist unterschiedlich, egal, ob er im Osten oder im Westen zu Hause war. 

Der riesengroße Unterschied ist der, dass ich im Osten unterstützt wurde, wenn ich etwas aus meinem Leben machen wollte. Niemand hat mir irgend etwas hinterher getragen. Ich wollte lernen und ich konnte lernen - und zwar ohne Geld dafür zu bezahlen oder nur einen mickrigen Beitrag. Ich konnte einen Beruf erlernen, alle in meiner Klasse konnten dass. Das war Standard. 

Kann das dieser Staat von sich behaupten?

Als ich studieren wollte - konnte ich das. Ich wurde gefördert. Es gab eine Studienvereinbarung zwischen Betrieb und Studierenden. Es gab ein Abendstudium, was vorwiegend während der Arbeitszeit stattfand - ohne Gehaltsminderung. Es gab ein Fernstudium - das auch während der Arbeitszeit stattfand - ohne Gehaltsminderung. Es gab ein organisiertes Selbststudium, wo man auch während der Arbeitszeit zu den Konsultationen ging - ohne Gehaltsminderung.  Es gab Studientage - ohne Gehaltsminderung. Niemand musste seinen Urlaub dafür einsetzen oder Überstunden erarbeiten.

Viele Betriebe gewährten Büchergeld. Viele Betriebe bezahlten den mickrigen Obolus von 40 Markt pro Semester. Manche nur ab einem bestimmten Zensurendurchschnitt. Die mickrigen Studiengebühren wurden einem generell erlassen, wenn man auf 1 studierte. Nach Abschluss des Studium erhielt man einen Arbeitsplatz in der neu erworbenen Qualifikation.

Hat das dieser Staat auch zu bieten?

Mütter wurden ganz besonders gefördert. Sie waren in einem Betrieb angestellt und konnten tagsüber studieren - mit Gehalt. Die Kinderbetreuung war sowieso gewährleistet.

Hat das dieser Staat zu bieten?

Ich kenne sehr viele Menschen, die ihr Leben so geplant haben. Die aktiv dafür gearbeitet haben, die Bildungsförderung nutzen zu können.

Auch wer nicht studiert hat, konnte in den Volkshochschulen Berufsqualifikationen bzw. -weiterqualifikationen sich erarbeiten und zwar für nen Appel und nen Ei. Dafür wurden die Menschen auch von ihrer Arbeitsstelle freigestellt - ohne Gehaltseinbußen.

Auch das nutzten viele Menschen.

Wir in der DDR waren eine Gesellschaft, wo viele sich Bildung aneigneten und ihr Leben somit aktiv gestaltetet haben. Es war erwünscht, dass wir uns weiterbildeten und wurde aktiv von den Betrieben gefördert.

Kann das dieser Staat auch von sich behaupten?

Ich finde es schändlich und es grenzt an Verachtung der ostdeutschen Menschen, zu behaupten, dass die dumpf vor sich hinbrüteten und an den Händchen von irgendeiner SED-Leitung geführt worden sind, denn nichts anderes sagen diese Wort aus, die Gauck unwidersprochen äußern darf. Und zwar UNWIDERSPROCHEN von den Ostdeutschen, die es eigentlich besser wissen sollten! Haben die das alles vergessen? Oder sind Bananen, Autos und Esprit-T-Shirts wichtiger geworden?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.