Montag, 5. Juli 2010

Armer gesetzlich Krankenversicherter

Ich benötige einen Facharzt und habe Probleme, einen zu finden, der willens ist, mir überhaupt einen Termin zu geben. Bei mir in der Nähe wohnt ein solcher Facharzt, den ich brauche. Als Patient der gesetzlichen Krankenkasse habe ich keine Chance, bei ihm behandelt zu werden. Er wäre überlastet.

Nun, wie soll ich das jetzt verstehen. Da gleichzeitig in seinem Schaufenster eine Tafel steht, dass er an den und den Tag Sprechstunden für Privatpatienten durchführt, kann es doch wohl nicht soweit her mit der Überlastung des Arztes sein. 

Ich habe mich bei der Kassenärztlichen Vereinigung über den Facharzt beschwert. Was mir da mitgeteilt wurde, ist sicher für viele andere - auch geplagte gesetzlich Krankenversicherte - interessant. 

Ich wurde auf den Bundesmantelvertrag Ärzte verwiesen:

Der sich aus der Zulassung des Vertragsarztes ergebende Versorgungsauftrag ist dadurch zu erfüllen, dass der Vertragsarzt an seinem Vertragsarztsitz persönlich mindestens 20 Stunden wöchentlich in Form von Sprechstunden zur Verfügung steht. Für einen Teilversorgungsauftrag nach § 19a Ärzte-ZV gelten die in Satz 1 festgelegten Sprechstundenzeiten entsprechend auf der Grundlage von zehn Stunden wöchentlich für den Vertragsarztsitz. In allen Fällen der Ausübung vertragsärztlicher Tätigkeit an einem weiteren oder mehreren Tätigkeitsorten außerhalb des Vertragsarztsitzes gilt, dass die Tätigkeit am Vertragsarztsitz alle Tätigkeiten außerhalb des Vertragsarztsitzes zeitlich insgesamt überwiegen muss. Bei Medizinischen Versorgungszentren gelten die vorgenannten Regelungen mit der Maßgabe, dass die angegebenen Mindestzeiten für den Versorgungsauftrag des Medizinischen Versorgungszentrums insgesamt unabhängig von der Zahl der beschäftigten Ärzte anzuwenden sind. Satz 3 gilt entsprechend. Zur Sicherung der Versorgungspräsenz am Vertragsarztsitz und den weiteren Orten sollen Mindest- und/oder Höchstzeiten an den weiteren Orten festgelegt werden.

Also, ein Arzt muss sich in diesem Land, wo die Mehrheit der Menschen gesetzlich krankenversichert ist nur 20 Stunden um diese Menschen kümmern. Dann hat er sein Soll erfüllt, dann kann er bei Privatpatienten Geld scheffeln. 

Also ist es opportun, dass ein Arzt nur halbtags für 60, 70, oder 80 % der Menschen da ist und halbtags für die restlichen, aber begüterten.

Die kleinen Wichte, die sich nur gesetzlich versichern können, sollen also sehen, wo sie bleiben, auch wenn sie für ihre Erkrankung keinen anderen Facharzt auftreiben können. Dann hat dieser gesetzlich Versicherte eben Pech gehabt. So einfach hat das dieser Staat gelöst. 

Nach Lesart unserer selbsternannten Eliten, sind die eben selbst dran schuld, warum haben sie nicht eigenverantwortlich Karriere gemacht? Warum sind sie nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden? Warum waren sie nicht vorsichtig genug, bei der Wahl ihrer Eltern?

Übrigens, der von mir angegriffene Facharzt kümmert sich sage und schreibe wahnsinnige 29 Stunden pro Woche um gesetzlich Versicherte. Wenn er sich da mal nicht wirklich überarbeitet. Er muss also für die armen Schlucker bis zum Umfallen schuften. Armer, armer Arzt ...

Kommentare:

  1. Also ich habe im Moment das Problem, überhaupt einen Arzt zu finden. Wie es weitergehen soll, weiss ich noch nicht - mein vorheriger Hausarzt hat aufgehört.
    Leider sieht es nicht gut aus. Die Ärzte sagen bei Kassenpatienten der gesetzlichen Art am gernsten: "Nein, wir nehmen keine mehr, wir sind überlastet..." Den Spruch kenne ich auch schon.

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  2. Ich finde, dass das eine ganz große Schweinerei ist. Wir sind schließlich auch Menschen!

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  3. In der letzten Zeit stelle ich mir öfters die Frage, was passieren würde, sollte ich dringend einen Arzt benötigen und kann die Praxisgebühr nicht zahlen. Wird mich der Arzt abweisen?

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. Ich kann dieses ganze Gejammer der gesetzlich versicherten Patienten nicht nachvollziehen. Ich gehöre selbst zu dieser "vernachlässigten Mehrheit" und habe noch nie Terminprobleme gehabt, obwohl ich aufgrund meiner Erkrankung oft Ärzte aufsuchen muss.
    Aber ich versteh das schon, wenn ich lediglich einen von vielen Ärzten anrufe und dann zu faul bin einen zweiten Arzt zu kontaktieren, dann ist es das Einfachste laut zu klagen.

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  6. Glückwunsch! Ich habe schon herumtelefoniert, aber wenn es kaum Fachärzte in der Richtung gibt, die man benötigt, wird's schwierig. Da Ärzte ihre Pflicht getan haben, wenn sie nur 20 Wochenstunden für gesetzlich Versicherte aufwenden müssen, dann wird's in einer ostdeutschen Großstadt eng. Und wenn man dann nur Müll als Kommentar ohne Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, die schon vielerorts in Deutschland herrschen, abgibt, zeigt das nur, wessen Geistes Kind man ist. Herr Anonym, zu feig zu zeigen wer du bist? Lieber Herr Anonym, woher nimmst du die Frechheit, anderern zu unterstellen, dass sie faul wären? BILD hat wohl ganze Arbeit bei dir geleistet. Aber auch du wirst einmal bluten für die verfehlte Gesundheitspolitik, die nur auf Privatisierung von allem aus ist. Aber dann werde ich mich freuen und in die Hände klatschen, denn dann trifft es jemanden, der es verdient hat!

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  7. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  8. Da die Kommentarfunktion "Freischalten" bei Blogger zur Zeit etwas desolat ist, hier ein Kommentar von Frei-Blog:

    frei-blog hat einen neuen Kommentar zu Ihrem Post "Armer gesetzlich Krankenversicherter" hinterlassen:

    In der letzten Zeit stelle ich mir öfters die Frage, was passieren würde, sollte ich dringend einen Arzt benötigen und kann die Praxisgebühr nicht zahlen. Wird mich der Arzt abweisen?

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  9. Da die Kommentarfunktion zur Zeit bei Blogger desolat ist, kopiere ich einen Kommentar von Frei-Blog mal rein:

    frei-blog hat einen neuen Kommentar zu Ihrem Post "Armer gesetzlich Krankenversicherter" hinterlassen:

    In der letzten Zeit stelle ich mir öfters die Frage, was passieren würde, sollte ich dringend einen Arzt benötigen und kann die Praxisgebühr nicht zahlen. Wird mich der Arzt abweisen?

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  10. Ich hatte hier auch schon einen Kommentar abgegeben, aber im allgemeinen Gewirre ist er wohl untergegangen.
    :-)

    Ich habe keine Ahnung, wo "Anonym" ansässig ist, aber es gibt wohl Gegenden in der BRD, wo die Auswahl nicht sehr groß ist.
    Und, wer klagt hier laut?
    PeWi sowie auch Desparada News beschreiben hier eine Tatsache in ihrer Region, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie aus Faulheit ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.
    Hier wird nicht gejammert.
    Es geht um Tatsachen.

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  11. Sorry, er ist nicht untergegangen. Blogger hat einen Fehler im System. Ich habe ihn aus der Mail einkopiert, weil er nicht freizuschalten ging.

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  12. Und noch einmal @anonym: Es geht im Beitrag auch nicht vordergründig um einen Arzt. Es geht mir vor allem darum, aufzuzeigen, dass Ärzte nur 20 Wochenstunden für gesetzlich Versicherte aufbringen müssen, die schließlich die Mehrzahl der Patienten stellen. Dann ist ihr Soll uns gegenüber als erfüllt zu betrachten. Keiner muss sich deshalb wundern, dass er ellenlange Wartezeiten bei Fachärzten hat oder, wenn er - wie ich - wieder neu in einer Stadt ist, keinen Facharzttermin mehr bekommt. Das Problem ist ein Allgemeines Problem. Es gibt im Osten Gegenden, wo kein Arzt mehr gesetzlich Versicherte dran nimmt. Es gibt Gegenden im Osten, wo Ärzte generell Mangelware sind, wo es kaum noch Kinderärzte gibt, geschweige denn andere Fachärzte. Es gibt Dörfer, wo man nicht mal mehr zum Allgemeinmediziner kommt. Jüngere Menschen finden das vielleicht nicht mal so schlimm, da sie motorisiert sind. Aber alte Menschen? Was sollen die machen? Und das ist nicht nur im Osten so. Ich habe Ähnliches aus dem Schwäbischen gehört und aus NRW. Sicherlich steht das nicht in der BILD-Zeitung, aber manches Mal wird das sogar im Öffentlich-Rechtlichen kommuniziert.

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  13. @Freiblog. Ich konnte ihn jetzt freischalten!

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