Sonntag, 4. Juli 2010

Das macht mich krank

Mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Das zumindest fordert CSU-Mittelstandschef Michelbach. Wie habe ich mir mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen vorzustellen?

"Morgen Sonderangebot! Geiz ist geil! Ein Restposten Nieren, gebraucht, nicht mehr ganz frisch, zu Schäppchenpreisen. Greifen Sie zu. Lassen Sie sich aufschneiden! Wir implantieren heute zum halben Preis. Wir helfen Ihnen gern eine entsprechende Finanzierung durch unseren Partner "Midas" zu finden."

"Seien wir doch mal ehrlich: Kennen Sie das auch? Ihre Krankenkasse will nicht, so wie Sie wollen. Ihr Arzt akzeptiert ihre Krankenkärtchen nicht mehr. Dann kommen Sie zu uns. Wir versichern Sie ganz billig. Und wenn Sie heute bei uns eintreten, erhalten sie einen Bonus von 10 EUR extra. Sie habe somit ein Quartal Praxisgebühren gespart. Kommen Sie zu uns: Ihre Quaksalberkrankenkasse."

Weiterhin fordert Michelbach, die Eigenverantwortung zu stärken. Das hört sich immer so toll an. EIGENVERANTWORTUNG! Wer wollte nicht eigenverantwortlich handeln können.

"Mutti, mir tut mein Kopf weh." 

"Vielleicht hast du nicht gut geschlafen?"

"Habe ich doch, Mutti." 

"Ach dein Kopf ist ja ganz heiß. Nun wollen wir doch mal ganz eigenverantwortlich ein kaltes, nasses Tuch um deinen Kopf schlingen."

"Mutti, mein Kopf tut mir immer noch weh. Wollen wir nicht zum Arzt gehen?" 

"Schätzele, du weißt doch, dass wir gerade heute unserer letztes Geld für Spaghetti ausgegeben haben. Lass es uns eigenverantwortlich weiter versuchen. Im Kühlschrank habe ich noch ein paar Eiswürfel."

"Mutti, mir ist schlecht."

"Wart ab, nächste Woche haben wir wieder Geld auf unserem Konto. Dann können wir vielleicht zum Arzt gehen. Heute nicht." 

"Mutti mir geht's einfach nur schlecht." 

Und Mutti geht ans Telefon und ruft den Notdienst an. 

"Gudste Frau, Eigenverantwortung, sage ich nur."

"Was, Sie haben schon eigenverantwortlich ein kühles Tuch auf die Stirn des Kunden gelegt?" 

"Es half nicht? Nun gut. Wir kommen vorbei. Zu zahlen sind: die Benzinkosten, die Wegekosten und anteilig der Stundenlohn für einen Fahrer, zwei Sanitäter, das Eintrittsgeld für das Krankenhaus und die Zuführung des Kunden zur Erstkonsultation beim Arzt. Halten sie das Geld bereit." 

"Was, Sie haben keins? Tut uns leid. Tut uns wirklich leid. So wird das nichts mit uns. Wir sind kein Wohltätigkeitsunternehmen, gudste Frau. Wir stehen im knallharten Wettbewerb. Das müssen Sie schon verstehen. Ich sage nur: EIGENVERANTWORTUNG, EIGENVERANTWORTUNG gudste Frau! Sie können doch nicht bei jedem Wehwehchen verlangen, dass unsere Leistungsträger Sie durchfüttern. Das müssen Sie schon verstehen. Nüscht für ungut."

Und wenn die Kranke nicht gestorben ist, wird sie vielleicht nächste Woche zum Arzt gehen können.

Kommentare:

  1. Himmel,
    das tut einem Herrn Rösler aber sehr weh, und er versteht rein gar nichts mehr.

    Wie sollte er auch?
    Da macht sich doch eine Gegenkultur medizinischer Notwendigkeiten breit, die mit Eisbeutel sowie Omas Gräutertee noch mehr Löcher in die Kassenlage der Kassen schlagen wird.

    Wer sollte dies alles noch bezahlen, wenn keiner mehr zum Arzt geht?

    Und wer ist schuld daran?
    Die Oma!
    :-))

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  2. Genau so wird es wohl in den nächsten Jahren kommen.
    Das man wirklich nur noch in den Allerschlimmsten Fällen zum Arzt gehen wird weil man sich das ansonsten gar nicht Leisten könnte.

    Ist eine ziemlich kranke Entwicklung das man jeden Pfennig zweimal-dreimal umdrehen muss um seine Gesundheit zu erhalten und fürs sonstige Leben soll das Geld ja auch noch reichen.

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