Samstag, 17. Juli 2010

Das Tier im Menschen?

Zügelos sind sie, wegsperren muss man sie bis in alle Ewigkeit, verrotten sollen sie. Die Bestien (O-Ton eines CDU-Politikers) müssen weg. 

Worum geht es. Um den Rechtsstaat. Um nicht mehr und nicht weniger. Die Gesetze eines Rechtsstaates zeigen auf, was man darf und was nicht und es werden Strafen für Gesetzesbruch festgelegt. Die Strafen mögen für manche zu hart und für manche zu sanft sein. Darum geht es nicht. Es geht um den Rechtsstaat! 

Es geht nicht um das "gesunde Volksempfinden", um eine Lynchjustiz gegen Gesetzesbrecher oder um ein ewiges Wegsperren, weil der brave Bürger ruhig schlafen will. 

Auf dieser rationalen Grundlage sollte man in Deutschland darüber diskutieren, wie man mit Straftätern umgeht. Es kann nicht sein, dass Medien Stimmung machen, Bürger sich dadurch verängstigen lassen und damit Politik gemacht wird. Es werden nicht mehr Menschen getötet, sondern nur der Medienaufriss ist größer. Ich verstehe auch die Hinterbliebenen. Sie haben Hass auf den Täter. Mir würde das auch so gehen. Aber das darf nicht der Maßstab eines Rechtsstaates sein. Nichts bringt ein Opfer wieder ins Leben zurück, keine Rache, nichts.

Warum sind gerade Sexualtäter Bestien? Nur weil es um Sex geht, um erzwungenen Sex? Sind es nicht auch Menschen, die andere Zusammenschlagen, so dass sie ein Leben lang behindert sind? Sind es nicht auch Menschen, die ihre Eltern oder Kinder wegen irgend eines Pippifaxes erschlagen? Warum kocht die Volksseele gerade bei Sexualstraftätern so in die Höhe? Sie verletzen Menschen genauso schlimm, wie andere Straftäter, die "nur" prügeln. Es besteht kein Unterschied. Die menschliche Seele wird immer verletzt, auch bei einem "simplen" Einbruch in die eigene Wohnung. 

Wir haben Gesetze. Wenn die Strafe abgesessen ist, darf ein Mensch nicht weiter eingesperrt werden. Er hat gebüßt. Er darf gehen. Alles andere ist gegen das Gesetz. Er darf psychologisch behandelt werden, aber man muss ihn aus dem Gefängnis entlassen. 

Wenn wir bei besonders schweren Straftaten wollen, dass jemand weggesperrt wird, ein Leben lang, dann muss das Gesetz solch eine Strafe vorschreiben, wie z.B. in den USA, x-mal lebenslang verurteilt werden kann. Man kann dazu stehen wie man will, aber das ist ehrlich. Hinterher jemanden nicht aus dem Gefängnis zu lassen, weil man meint zu wissen, dass er wieder straffällig wird, ist ein zweischneidiges Schwert. Es kann missbraucht werden. Zuerst ist es der Sexualstraftäter, dann der Mörder, dann der Prügler, dann der Dieb und dann? Schutzhaft hatten wir schon einmal.

Kommentare:

  1. Danke. Bei dem schwierigen Thema kochen die Emotionen schnell über, das macht eine sachliche Diskussion häufig fast unmöglich.

    Übrigens, die echten "Bestien", das sind für mich Leute, die aus einem Motiv handeln: Geldgier. Häufig wird das als "Profitmaximierung" verkauft, man handele im Auftrag der "Shareholder", man müsse das, es ginge um "das Wohl des Unternehmens", man müsse "an die Anleger denken" ... es steckt immer die Gier nach dem Geld dahinter.
    Kinderarbeit, Ausbeutung von Erwachsenen (Sklavenarbeit), Geschichten wie die BP-Bohrung, Medikamente, die durch die Zulassung gemogelt werden und später Leute schädigen ... alles durch Geldgier.

    Warum ist das für mich schlimmer? Ich weiß nicht. Aber irgendwie ... hat es etwas eiskaltes.

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  2. @ Flying Circus: Danke für den Kommentar.Es ist schlimmer, auch für mich. Es schädigt unser aller Zusammenleben und stürzt Menschen in Hoffungslosigkeit und macht seelisch ebenso krank.

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