Mittwoch, 21. Juli 2010

Für Volksentscheide?

Ich bin eigentlich für Volksentscheide. Normalerweise - ja. Ich denke, dass Volksentscheide Demokratie von unten sind.

Sind sie das wirklich?

Langsam kommen mir Zweifel, ob Volksentscheide wirklich Demokratie und verantwortungsvolles Entscheiden von Bürgern heißt.

Die Schweiz hat gezeigt, was Volksentscheide nicht leisten: Rechte von Minderheiten schützen. 

Deutschland hat jetzt in Hamburg gezeigt, dass Volksentscheide keine Demokratie von unten sind. Eine Minderheit von Besserverdienenden hat entgegen europäischer Erfahrungen egoistisch entschieden, dass ihre Kinder nicht mit Türken, Russen, armen deutschen Kindern zusammen länger lernen sollen. Jeder solle auf seiner Seite bleiben. 

Sie sagten sich: Meine Kinder? Nein - meine Kinder nicht! Nicht mit denen, nicht mit denen, die sich keine Markenklamotten leisten können, nicht mit denen, die keinen Blaupunkt-Kuli benutzen. Unsere Kinder sollen vorwärts kommen, und zwar schnell und OHNE Ballast. Ballast sind die anderen, diejenigen Kinder, die nicht in die Musikschule der Frau von der Leyen gehen, die Rap lieben, die "ungewaschenen Rotznasen". 

Die Besserverdienenden meinen, dass ihre Kinder nichts von schwächeren Kindern lernen können und das ihre Kinder nur in diesem "Spiel" verlieren könnten.

Wirklich?

Als ich zur Schule ging, waren wir 8 Jahre zusammen. Es waren die Anfänge der Zehnklassigen Polytechnischen Oberschule. Da gingen noch welche nach 8 Jahren von der Schule. In unserer Klasse gab es natürlich auch schwache Schüler und Schülerinnen. Haben die uns geschadet? Mit Fug und Recht kann ich sagen: Nein. Wir stärkeren Schüler und Schülerinnen übernahmen Patenschaften über diese schwächeren, machten mit ihnen Hausaufgaben und erklärten ihnen den Unterrichtsstoff, den sie nicht verstanden hatten. Dadurch konnten auch wir stärkeren Schüler und Schülerinnen den Stoff besser verarbeiten. Lehrstoff bleibt besser im Gedächtnis, wenn ich ihn jemanden anders erklären muss. Ich muss mich mit der Materie intensiver auseinandersetzen, als wenn ich ihn nur für mich erarbeite. 

Es geht doch nicht vordergründig um Zensuren. Zensuren sind Schall und Rauch, der Spiegel des gerade Erlernten. Erst wenn man den Lehrstoff anwenden muss, zeigt sich, ob man das kann oder nicht, ob man den Sinn wirklich verinnerlicht hat oder ob man nur oberflächlich nach einem "Sehr gut" gestrebt hat. 

Der Offenbarungseid kommt in Aufnahmeprüfungen. Wissen das heutige Eltern nicht?

Meinten Sie, dass es nur um ihre Kinder gegangen wäre? Warum waren sie so kurzsichtig? Es ist um ein Allgemeininteresse gegangen. Um eine verantwortungsvolle Schulpolitik. Um ein Vorankommen aller Kinder. Ist das so schwer zu kapieren? Wobei 6 gemeinsame Jahre noch viel zu wenig sind. Nicht mal das Mindestmaß an Richtigem, konnte dem egoistischem Interesse einer Minderheit standhalten.  


Wird ein nächster Volksentscheid wieder nur egoistische Einzelinteressen zum Durchbruch verhelfen? 

Wenn sich die Bevölkerung NICHT ihrer Verantwortung bewusst ist, können wir Volksentscheide vergessen. Kleininteressen gegen Allgemeininteresse durchzusetzen, das kann KEINE Demokratie sein.

Kommentare:

  1. Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, warum Ihre "Mehrheit" es nicht geschafft hat, ihr Kreuzchen zu machen auf einer Unterlage, die sogar per Post nach Hause geschickt wurde.

    Wenn Sie meinen, Volksentscheide sind nur super, wenn Sie auch gewinnen, dann schreiben Sie das doch. Und hören auf mit dem Minderheitengefasel.

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  2. Nun Herr oder Frau beleidigte anonyme Leberwurst. Wieder mal nicht richtig gelesen? Oder nicht verstanden? Nichts davon habe ich geschrieben, was hier unterstellt wird!

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