Donnerstag, 8. Juli 2010

Kontrastprogramm

Gestern kein Fußball geschaut, sondern ARTE eingeschaltet "Nach Fahrplan in den Tod". Ich wollte eigentlich einen Link zu dem Video setzen, aber ARTE hat die Doku NICHT eingestellt. Die Suche danach führte ins Leere. Schon der Sendeplatz während des Halbfinales Deutschland - Spanien, war in meinen Augen anrüchig. Es sollte ja nur von einer Minderheit auch nur eine Minderheit davon diese Doku sehen. Es ging um die Judenvernichtung und wie Staatsbahnen sie ordnungsgemäß und voller Hingabe für Deutschland vollzogen. Im Blickpunkt vor allem die Französische Staatsbahn, die der Niederlande und der Slowakei. Dabei wurden auch Dokumente des vorgreifenden Gehorsams unter die faschistische Völkervernichtungsdoktrin der Deutschen gefunden. 


Die Doku war interessant. Mal davon abgesehen, dass kein Lokführer so einfach sagen konnte, ich mache das nicht, so kann und konnte er aber auch nicht sagen: Ich habe davon nichts gewusst. 

Die Deutsche Bahn hat z.B. auf ihren Bahnhöfen die Wanderausstellung über die Vertrickung der Reichsbahn in den Holocaust verboten. Als ich noch in Mannheim arbeitete, war deshalb VOR dem Mannheimer Bahnhof eine Gedenken an den Abtransport der Mannheimer Juden.

Die Deutsche Bahn stellt sich ihrer Verantwortung für das Verbrechen nicht, ebensowenig, wie die Bahnen in anderen Ländern.

Dazu passt ein Hörbuch, dass ich gerade höre: "Das Mädchen im roten Mantel" von Roma Ligocka. Ihr Lebensbericht. Sie lebte im Krakauer Ghetto. 

"Straße für Straße, Haus für Haus werden wir eingekreist. Wir versuchen, dem Stein gleich zu sein, den Mauern gleich zu sein, nicht vorhanden zu sein. Und nie die Hand loszulassen, die wir umklammern. Wenn man sie loslässt, ist sie im nächsten Augenblick vielleich veschwunden. Menschen gehen und kommen einfach nicht wieder."

Für mich immer wieder unbegreiflich, dass Menschen Familien, Omas, Opas, Kinder, Babys einfach ermorden, nur weil sie Juden sind. Alles war verboten, sogar dass Aus-dem-Fenster-sehen im Ghetto. Alles wurde mit dem Tod bestraft.

In der Doku kamen jüdische Überlebende des Vernichtungsfeldzuges zu Wort. Es begann ganz langsam. Erst wurden Bürgerrechte der Juden eingeschränkt, dann wurde das Eigentum konfisziert, bis die Menschen überhaupt vernichtet wurden.

Im Hörbuch gab es zusätzlich die Variante, dass Ghettobewohner froh waren, einen bestimmten blauen Schein vorweisen zu können. Der zeigte ihre Verwertbarkeit an. Mit dem blauen Schein "durften" sie Arbeiten gehen, waren dem System noch für etwas nütze. Wenn sie den nicht mehr hatten, ging es sofort in die Gaskammern.

Die Doku und das Hörbuch machen sehr nachdenklich.  

Es begann mit der Einschränkung der Bürgerrechte und man durfte noch ein bisschen weiterleben, wenn man ökonomisch verwertbar war. 

Damals waren es Juden, die sterben mussten. Wird sich die Geschichte mit anderen Menschengruppen wiederholen?

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