Samstag, 10. Juli 2010

Unser Interesse?

Guido Westerwelle (FDP) sagte in seiner Regierungserklärung am Freitag im Bundestag: »An unserem Engagement in Afghanistan wird nicht gespart. Deutschland hält seine Zusagen.« Der Einsatz sei »gewiß nicht populär, aber unverändert notwendig in unserem eigenen Interesse«.

Notwendig in unserem eigenen Interesse!

Also wo liegen meine Interessen in Afghanistan? Schließlich bin ich ein Einwohner von Deutschland, also sollte - lt. Westerwelle - der Krieg in Afghanistan in meinem Interesse liegen. Ich überlege und komme zu keinem Ergebnis. Wo liegen - verdammt noch mal - meine Interessen in Afghanistan.

... Ich werde kein Terrorismusopfer ... Eh wirklich? In Deutschland hat noch kein Afghane ein Terroranschlag verübt. Nirgendwo hat ein Afghane im Ausland einen Terroranschlag verübt.

Nun kommt sicherlich der Einwand: Terrorausbildungscamps wären in Afghanistan ... Wie ich gehört habe, sind die jetzt in Pakistan, ergo wäre es jetzt in meinem Interesse Pakistan zu überfallen. Oder? Und wenn in Afghanistan wirklich noch ein paar Ausbildungscamps wären, ist das nicht den afghanischen Bauern geschuldet. 

... Drogen stellen die her ... Gut Drogen. Wovon sollen die Bauern dort leben? Wir sind doch sonst so für den freien Markt. Absatz ist da, also auch ein Angebot. In dieser Beziehung funktioniert der freie Markt. Nur, wer würde Tomaten den Afghanen abkaufen? Ich bekomme sicherlich keine bei mir im Markt.

Also noch einmal: Was habe ich für ein Interesse an Afghanistan.

Sicherlich. Das Land ist reizvoll. Als Tourist könnte es schön sein, es zu bereisen. Führen wir Krieg, um den Tourismus zu installieren? Und wäre es für mich überlebenswichtig, eine Reise ins "wilde" Afghanistan zu unternehmen? Auf den Spuren von Karl May (schrieb er überhaupt über Afghanistan?)? Nein. Ich lebe gut, ohne nach Afghanistan zu reisen.

Die Wirtschaft Afghanistans müsse in Gang gebracht werden. Warum zerstören wir dann erst alles? Und das schon seit Jahrzehnten - erst als Geldgeber für die Taliban und jetzt als physische Gegenspieler derselben.

Die Bodenschätze des Landes sind interessant für uns und würden auch die deutsche Wirtschaft beflügeln. Ah ja! Wirklich? Wieso sollten wir dann dort erst Krieg führen. Wenn die Afghanen ihre Bodenschätze (sind sie so herausragend?) ausbeuten wollen, dann werden sie es tun. Und wir können im Handel diese erwerben. Wenn sie europäische Berater haben wollen, werden sie es sagen. Und - seien wir mal ehrlich - was hat ein Leiharbeiter oder ein prekär Beschäftigter in Deutschland schon von Bodenschätzen in Afghanistan? Seine Situation des Heuerns und Feuerns ändert daran überhaupt nichts.


Sind etwa die Anteilseigener dann "ICH"? Was haben die mit mir zu tun? Sie kümmern sich nicht um mich, wieso sollte ich mich um sie kümmern? Wieso sollte gerade für sie Blutzoll entrichtet werden. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Was wäre also in meinem Interesse: 

In meinem Interesse wäre, dass Kinder in der Schule gut lernen können, ohne dass sie Nachhilfeunterricht bräuchten. Bei uns in der DDR gab es keinen Nachhilfeunterricht. Wir brauchten ihn auch nicht. 

In meinem Interesse läge es, dass das Gesundheitssystem für Lieschen Müller und Hans Jedermann bezahlbar bliebe. Gesund zu sein, bringt zwar kein Profit, dürfte aber für die Gesellschaft als Ganzes höchst vorteilhaft sein. 

In meinem Interesse läge es, dass die Menschen wieder Geld in die Hand bekämen, um den Binnenmarkt anzukurbeln. Was interessiert schon die Friseuse von nebenan, dass unsere Exportgüter im Ausland gut ankommen. Sie hat überhaupt nichts davon, weil die Leiharbeiter und prekär Beschäftigten gerade in diesen Industriezweigen ihre Dienstleistung nicht bezahlen können. Gut, möchte man einwerfen "Do-it-yourself"! Nur, womit soll dann die Friseuse ihre Rechnungen bezahlen? Oder der Klempner, der Einzelhändler?

In meinem Interesse läge es, dass der wirkliche Dienstleistungsbereich wächst. Der, der von Menschen zu Menschen. Es kann nicht sein, dass Supermarktkassen Automaten werden.

In meinem Interesse läge es, dass diese Menschen auch so bezahlt werden, dass sie wiederum ihre eigenen Produkte kaufen können.

Ich höre schon wieder sagen, dass das unserer Wirtschaft schaden würde. Und ich hätte nicht den geringsten ökonomischen Sachverstand. Das mag sein. Nur hat ein Professor Sinn Sachverstand? Der sicherlich noch weniger als ich. Der verlässt sich nicht mal auf seinen gesunden Menschenverstand oder denkt logisch nach, nein der ist Professor des Nachquatschens geworden. Das Nachquatschen der Meinungen aller Besitzer von Unternehmen, die keinen Cent abgeben wollen. 

Wir müssen es uns sicherlich vorher überlegen: Was wollen wir? Ist es wichtig 50.000 Waschmittel, die alle nur dasselbe können, zu produzieren. Brauchen wir Antiagingprodukte? Können wir nicht in Würde alt werden? Und warum dürfen Frauen nicht alt werden? 

Darüber nachzudenken wäre in meinem Interesse und im Interesse von uns allen.  Darüber nachzudenken, wie soll Arbeit in einer Gesellschaft gestaltet sein, die zu wenig Arbeit - ich spreche von Lohnarbeit - für alle hat, dank ihrer großen Arbeitsproduktivität.

Und vergessen wir nicht unserer größtes Interesse.

In unser aller Interesse läge es, dass wir uns gegenseitig wieder solidarisch begegnen, dass wir nicht mehr die Diktion derjenigen übernehmen, die uns klein halten wollen. Wir wollen niemanden mehr ausgrenzen, nur weil er arm ist. Das ist unser Hauptinteresse, dass größer ist als alles andere. Nur, wir müssen uns daran wieder erinnern.

Kommentare:

  1. Merke: Ein Professor ist ein Staatsdiener, er ist Beamter. Er wird vom Staat bezahlt. Der Staat, das ist die Regierung. In Bezug auf den Professor beachte: Wessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing'.

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  2. @Anonym: Stimmt. Sinn zeigt nur die Unwissenschaftlichkeit vieler unserer Wissenschaftler, die sich einfach kaufen lassen.

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