Mittwoch, 11. August 2010

Ein Liebespaar, ein Ehepaar, ein Machtpaar

Gestern habe ich im Fernsehen eine Doku über das Ehepaar Honecker gesehen. Es war eine interessante Doku ohne die immerwährende unsägliche Hetze. 

Am Ende der Sendung kamen mir so einige Gedanken. Beide wollten eine neue Gesellschaft. Beide wollten aus ihren Lebenserfahrungen heraus, eine gerechte Gesellschaft für diejenigen, die nicht mit dem goldenen Löffel im Munde geboren waren. Sie gingen voller Enthusiasmus an die Arbeit. Wer arbeitet macht Fehler. Sie hatten keine Erfahrungen, niemand hatte Erfahrungen, wie eine neue Welt aufgebaut werden kann. Es gab noch nichts Ähnliches in der Geschichte. 

Woran lag es, dass sie diktatorisch wurden?

Ich habe da so meine Gedanken dazu. Wie muss es für sie gewirkt haben, wenn die breite Masse der Menschen lieber Autos haben wollte, als sich darüber zu freuen, dass sie lernen konnten, dass jeder studieren konnte, wenn nicht im ersten, dann im zweiten Bildungsweg.

Wie muss es für sie gewirkt haben, dass die breite Masse lieber Bananen und Tom-Tailer-Shirts haben wollte, mit Aldi-Tüten rumlaufen, Westbierbüchsen sammeln und das Bier auch jeden Tag trinken wollte, als darauf stolz zu sein, dass das Bildungsprivileg gebrochen war. Wo wir doch gerade heute das Bildungsprivileg derer beklagen, die eben mit dem goldenen Löffel im Munde geboren wurden.

Wie muss es für sie gewirkt haben, dass die breite Masse lieber Romane à la Rosamunde Pilcher lesen wollte, als z.B. eine Hedda Zinner?

Wie muss es für sie gewirkt haben, dass die breite Masse lieber bis zum Erbrechen shoppen wollte, als darauf stolz zu sein, dass alle einen Beruf lernen, auf eigenen Beinen stehen konnten?

Wurden sie immer frustrierter?

Als Honecker sich an die Macht putschte, war es für mein Empfinden zu spät. Die DDR hat sich bis zu ihrem Ende nicht mehr aus der verfehlten ökonomischen Politik der Ulbricht-Ära befreien können, die das Primat bei der Schwerindustrie sah und alles andere einschließlich Infrastruktur und Wohnungsbau vernachlässigte, bzw. abbrach. 

Wir tun zur Zeit in diesem Deutschland Ähnliches unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen. Indem wir die Angebotsseite hofieren, vernachlässigen wir wichtige Facetten der deutschen Wirtschaft und werden irgendwann auch dafür sehr viel zahlen müssen.

Die Menschen folgten der Regierung Honecker nicht. Sie wollten das haben, was damals ihre sogenannten Brüder und Schwestern in der BRD hatten. Sie waren auf Konsum fixiert. 

Die Honeckers werden darin sicherlich spießbürgerliche Ansichten entdeckt haben und sicherlich in vielen Sachen nicht Unrecht gehabt haben. Nur waren ihre Schlussfolgerungerungen verheerend. Man kann Menschen nicht dazu zwingen ein bewusstes Leben zu führen. Man kann Menschen nicht zwingen, auch an ideele Dinge zu denken und nicht nur an das neueste Automodell. 

Ihr Frust schlug um in ein um sich schlagen, in Spitzeleien, im Vorschreiben, was die richtige Denkungsart war. Sie sahen ihre Ideale den Bach heruntergehen. Sie kämpften für sie und verloren sich in diesem Kampf, setzten die falschen Mittel ein.

Ich kann sie verstehen. Ich bin auch oft frustriert, wenn ich z.B. 3000 Menschen sehen, die außer Rand und Band sind und darauf warten, wer der Sieger der 10. Big-Brother-Staffel ist. Dann greife ich mir an den Kopf und frage mich: Was will man mit denen anfangen? 

Diese 3000 sind gut für Werbefilme, für weißer als weiß, für 99% ohne Bakterien, für 95 % seiner Freundin empfehlend. Sie sind gut für Filme, wo's kracht, sonst nichts. Sie werden niemals den aufrechten Gang bevorzugen. Sie verlieren sich zwischen iPods, New Yorker, Dell und Lady Gaga, sonst nichts. Für sie reicht es, nuttige Wetterkommentatorinnen im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen zu zeigen, Hauptsache blond. Sie sind so, wie man sie haben möchte. Sie werden niemals gegen die Ungerechtigkeiten dieses Landes rebellieren, höchstens Fenster einschlagen und Parkanlagen kaputt machen.

Ist es das, wozu man lebt? 

Kommentare:

  1. Um Veränderungen herzustellen, die aus Weitsicht geboren sind, ist eine Demokratie denkbar ungeeignet, wie sich zusehends zeigt. Der Diktator (resp. seine Frau) hat es da einfacher.
    Wenn er es wirklich ernst meint mit der Verbesserung fürs Volk, dann darf er eben n i c h t auf sein Gewaltprivileg alein setzen, sonden muß die faire (Sandkasten-) Auseinandersetzung mit seinen Gegnern suchen. Klar ist Bespitzeln und Einsperren einfacher - und scheint den Abgehobenen "Eliten" der richtige Weg. Aber jemand mit Moral (gibt´s die noch?)hätte weder Bautzen noch die Mauer zugelassen.

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  2. Die DDR war Holzhammer. Der Westen hatte subtilere Methoden. Die brauchten kein Bautzen, die haben Menschen ökonomisch fertig gemacht (wie heute übrigens auch). Mein Nachbar damals in RP z.B. durfte nicht mehr predigen, weil er DDR-Kontakte als Pfarrer hatte. Er war kein Kommunist. Ich habe noch mehrere solche Menschen dort kennengelernt. Mauer hin und Mauer her, ohne die, da weiß ich nicht, was geschehen wäre. Man muss sie im geschichtlichen Zusammenhang sehen. Damals lebten wir im Kalten Krieg. Heutzutage wird sie immer gern OHNE dem geschichtlichen Zusammenhang gesehen und das ist falsch. Es gab hüben wie drüben Annektionspläne. Ich kenne Spieltheorien - und das noch aus den 80er Jahren, wo die Amerikaner Bomben auf Leipzig geübt haben. Mitte der 80er Jahre gab es mal eine ganz heiße Phase trotz Entspannungspolitik. Diese Zusammenhänge müssen auch mit einfließen bei der Betrachtung von Machtausübung. Es ist nicht alles so einfach. Übrigens, Macht und Moral fängt zwar Beides mit "M" an, passt aber nicht zusammen und das noch nie in der Geschichte.

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