Mittwoch, 18. August 2010

Sie leben mitten unter uns, die Sarazzins - Teil 3

"Armut gibt es auch hier", hat Mama gesagt und das stimmt. Ich habe selbst schon Kinder gesehen, die an der Kaufhalle stehen und mit ansehen müssen, wie ihre Eltern das ganze Geld für Alkohol ausgeben, obwohl doch vielleicht der Kühlschrank aufgefüllt werden müsste." Blogartikel
Das habe ich vor einiger Zeit - im Juni - geschrieben. Bisher hatte sich Grün-Ass in Schweigen gehüllt, aber mein Nichtlockerlassen hat endlich eine Reaktion veranlasst. Meine Linksammlungen zum Thema "Armut in Deutschland" haben sicherlich genervt.

Hier die Reaktion:
...,

nachdem sie nun schon einige mails an die redaktion geschickt haben, die eigentlich alle an mich als verfasser des von ihnen kritisierten leitartikels im juni-heft gingen, möchte ich zumindest kurz darauf reagieren. leider fehlt mir die zeit, auf all ihre fragen, bzw. anschuldigungen dezidiert einzugehen.

nur so viel: es ist mir als alleinerziehende mutter und langjährige sozialhilfebezieherin durchaus bewusst, dass es armut in dtl. gibt (ein aufenthalt in indien hat meine definition von armut im übrigen sehr verändert - dort müssen die menschen im unterschied zu hier tatsächlich im müll nach essbarem suchen) und dass nur ein bruchteil der hier von finanzieller armut betroffenen menschen zusätzlich alkoholkrank ist, der seine sucht an diversen öffentlichen plätzen der stadt auslebt.

ich möchte mich jetzt nicht in aller ausführlichkeit darin ergehen, wie redaktionelle arbeit funktioniert und wie ein text entsteht, der nicht nur informativ, sachlich korrekt, kurz, prägnant sondern darüber hinaus auch noch lesbar geschrieben sein sollte. es ging in diesem leitartikel um den kindertag im allgemeinen. dabei wollte ich in einfachen worten die situation der kinder weltweit umreißen und auch darauf hinweisen, dass es auch im vermeintlich reichen dtl. arme kinder gibt. mit dem bild der armen kinder alkoholkranker menschen vor unseren kaufhallen (denen ich leider bei jedem gang durch leipzig ansichtig werde) ging es gar nicht nur um finanzielle, sondern auch um soziale armut in diesem lande. auch wenn das für für sie eventuell oberflächlich wirkt: ich hatte nie beabsichtigt, das thema "armut" ganzheitlich in diesem kurzen text zu beleuchten. um dieser komplexen aufgabe gerecht zu werden, ist unser medium nicht geeignet und fühle ich mich auch nicht imstande ...

trotzdem hoffe ich natürlich, dass sie ab und an doch etwas interessantes im grün-as zu lesen bekommen, worüber sie sich nicht so ärgern müssen und verbleibe

mit freundlichem gruß


NULL-Ahnung weiterhin, trotz scheinbarem Selbstbetroffensein.


Dazu meine Antwort:

Liebe Frau ...,

leider liegen Sie wieder falsch. Auch hier beginnt es, dass Menschen im Müll nach Verwertbarem suchen müssen. Es ist schade, dass Sie immer noch nicht wirklich begriffen haben, dass es Armut jenseits der BILD-Zeitung und des neoliberalen Geschwätz' gibt. Ja, auch ich kenne Indien und auch andere Länder, wo Armut etwas ganz anderes ist, als in Europa, etwas Lebensbedrohliches. Nur, kann man Beides NICHT miteinander vergleichen. Sie haben fälschlicherweise den Zusammenhang zwischen Armut in Deutschland und Alkoholsucht hergestellt. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich kann nicht erkennen, dass das Ihnen leid tut. Sie sind eine öffentliche Zeitung und sollten deshalb logische Zusammenhänge darstellen können, jenseits der Propaganda eines Herrn Westerwelle oder wie sie alle heißen mögen. Und bitte verstecken Sie sich nicht hinter redaktioneller Arbeit und dass ich nicht wüsste, wie die funktioniert. Das weiß ich sehr wohl, weil ich auch redaktionell tätig bin. Nur, sollte man seine Arbeit eben verantwortungsbewusster wahrnehmen, als Sie es getan haben. Zur redaktionellen Arbeit gehört auch, dass man nicht Tatsachen verdreht oder bewusst Minderheiten zu Mehrheiten macht. Sie sehen, wie schnell eine luschige Arbeit am Text, wie Sie sie abgeliefert haben, einen auf die Füße fallen kann.

Übrigens, mir ist dieser falsche Zusammenhang nicht allein aufgefallen. Ich bin nur diejenige, die das nicht so stehen lassen wollte. Und ich sehe, dass ich gegen Windmühlenflügel anschreibe, so wie mir das schon diejenigen prophezeiten, die Grün-As besser kennen, als ich. Und nein, ich habe den Feed von Grün-As aus meinem Reader entfernt, da ich nichts mit neoliberalem und menschenverachtendem Geschwätz zu tun haben möchte.

1 Kommentar:

  1. Hallo Pewi,

    mit Erschrecken hab ich deine Zeilen gelesen.
    Die Antwort dieser Dame zeigt doch mal wieder,
    wie selbstgefällig und ignorant viele Menschen
    sind. Ich frage mich ernsthaft, ob sich die
    Frau mal wirklich überlegt hat, was sie da als
    Antwort schreibt. Mal abgesehen davon, was das
    für ein Stil ist, den kompletten Text klein zu
    schreiben, und das als "redaktionelle" Arbeit
    hinzustellen. Der Inhalt klingt einfach nach:
    "Schreibt ihr doch alle, was ihr wollt. Ich
    habe meine Meinung und dabei bleibe ich."
    Ich möchte diese Frau mal sehen, wenn sie in
    die Lage kommt, von diesem menschenverachtenden
    HartzIV leben zu müssen und dann dann von
    anderen beschimpft und verachtet wird. Ob sie
    es dann begreifen würde? Ich bezweifle es mal.
    Dann sind wieder die anderen schuld...

    Wie du schon schreibst, es ist ein Kampf gegen
    Windmühlen. Aber es ist trotzdem nicht sinnlos.
    Auch wenn diese Frau ein hoffnungsloser Fall
    ist, bleibt es trotzdem wichtig, daß sie
    immer wieder merken, wir lassen uns nicht alles
    gefallen.

    In diesem Sinne: Herzlichen Dank für deine
    unermüdliche Arbeit und gib nicht auf!

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