Donnerstag, 16. September 2010

Gelb vor Neid

Folgendes ist mir in einem Supermarkt passiert:

"Sachense ma, is de Bettdecke normales Maß?"

"Ja, ja, nehmse se nur. Da gönnse sich schön drin einwickeln, wenns zu galt wird, wie Sarrazin vorgeschlagen hat. Da gönnse Heizgosten sparn."

Lachende Kundin, dann ernst: "Auf den halte ich grooooße Stücke!"

Dann habe ich ihr gesagt, dass ich auf den Moment warte, wenn es ihr  im Laufe der Zeit als Rentnerin sehr viel schlechter gehen wird, dann werde ich vor ihr stehen und lachen - schadenfroh lachen - denn sie wollte es ja so.

Am gleichen Tag: "Meine Rente ist so klein. Ich kann mir das alles nicht leisten. Stellense sich ma vor, die Ausländer, was die für schöne Möbel ham, bessere als ich und dann och noch nen riesengrooooßen Fernseher. So etwas hab ich nich."

"Tja, ich kenne keine Ausländer, ich weiß nicht, wie die alle eingerichtet sind."

Im Stillen - da es meine Nachbarin ist - denke ich mir: "Kennt die überhaupt einen Ausländer? Sicherlich nicht und sie war sicherlich noch nie in einer Wohnung von denen. Wenn du deinen Hund nicht zum Friseur schicktest, vielleicht 3 Schritte weiter zur nächsten Bank laufen würdest als bis zur Sparkasse mit den horrenden Kontoführungsgebühren, hättest du schon etwas mehr Geld. Und außerdem kenne ich deine Wohnung, die ist auch gut eingerichtet."

Was ist mit den Ostdeutschen los? Dass man sie beschissen hat, ist nicht die Schuld von Ausländern. Da sollten sie sich bei ihrer allseits beliebten Frau Merkel (sie ist ja eine von uns!) und bei ihren jetzt so beliebten Herrn Sarrazin bedanken. Die sind die Handlanger derer, die uns ausgeplündert haben. 

Kapiern die das nich?

Seit ich wieder von der Wirtschaftsflucht heimgekehrt bin, verstehe ich die Menschen nicht mehr. Die, die ich früher tagtäglich um mich herumgehabt habe. Diejenigen, die für andere einstanden.  Was ist aus Ihnen geworden? Wo haben die ihre Ehre, ihren Stolz, ihr Mitgefühl gelassen?  Haben sie das alles in der 5-Minuten-Terrine ertränkt und mit ihrem VW überfahren? Hatten die das vielleicht alles vorher auch schon nicht und nur mir ist das bis jetzt verborgen geblieben?

Ich fühle mich wie eine Migrantin hier in meiner eigenen Heimat.



Kommentare:

  1. Es ist das Dummen-Fernsehen! An meiner 81-jährigen Mutter sehe ich immer genau, welche Kampagne gerade bei RTL läuft. Z.B. Frankreich. O-Ton meiner Mutter bzw. RTL: "Wie können die dagegen demonstrieren, dass sie mit 62 in Rente gehen sollen. Hier arbeiten die Leute bis 67 !" Meine Frage, warum das statistisch zweitreichste Land der Welt seine arbeitenden Menschen mit 67 in Rente schicken will, gleichzeitig die meisten Arbeitnehmer ab 50 arbeitslos zu Hause sitzen, brachte sie zum Umdenken.Außerdem bat ich sie, sich zu erinnern, dass in ihrem Heimatland noch vor 20 Jahren Frauen mit 60 und Männer mit 65 in Rente gehen konnten. Ürrigends auch im Westen Deutschlands, weil man ein prall gefülltes Schaufenster für den Osten brauchte.

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  2. Leider ist das so. Viel zu wenige reflektieren über das Gehörte. Immer wenn Freunde von mir mit irgend so einer Lügengeschichte kommen, hinterfragen wir und sie wissen nicht weiter: Du hast ja Recht, kommt dann immer wieder. Nur ob ich wirklich durchgedrungen bin oder ob sie nur Ruhe haben wollten, weiß ich nicht so genau.

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