Donnerstag, 23. September 2010

Ich will mich anders erinnern 3

20 Jahre Wiedervereinigung und wir sollen uns nur an das Glück in einem neuen Staat leben zu dürfen, freuen. Ich möchte an die Kindergärten in der DDR erinnern, so wie ich es erlebte.

Die DDR hatte Kinderkrippen für Kinder bis zu 3 Jahren und Kindergärten für Kinder ab 3 Jahre bis zur Einschulung. Im Laufe der Jahre gab es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Kinderkrippen waren vor allem denen vorbehalten, die alleinerziehend waren oder in Schichten arbeiteten oder in großen Unternehmen, die eigene Kinderbetreuungseinrichtungen hatten - die Betriebskrippen und -kindergärten.

Grauenhafte Dinge werden von den ostdeutschen Rabenmüttern verbreitet. Sie schoben ihre Kinder ab in Betreuungseinrichtungen, wo die Kinder indoktriniert werden. 

Der Kindergarten war von 6:00 morgens bis 18:00 Uhr abends geöffnet. In der Regel wurde es nicht gern gesehen, wenn Kinder bis 18:00 im Kindergarten warten mussten.  Die Kindergärtnerinnen wussten schon, ob man solange arbeitete oder ob Eltern kein Interesse an den Kindern hatten. Nach dem Mittagessen wurde geschlafen. Am Vormittag gab es Beschäftigung. Die Kinder malten nach einem Thema, erfuhren etwas über Bäume, Blumen, Vögel in ihrer Umgebung. Sie bastelten nach einem Thema mit Knete oder anderen Materialien. Lieder wurden gelernt, Fest vorbereitet und vieles mehr. Die Kinder in der großen Gruppe, die vor der Einschulung standen, hatten ein Jahr Vorschule im Kindergarten. Hier bekamen die Kinder Einblicke u.a. in die Zahlenwelt. Je nach Modeerscheinung gab es in bestimmten Jahren Kindergärten in denen die Vorschulkinder auch in die Mengenlehre eingeführt wurden, als die als das Nonplusultra angesehen wurde. Über ihre Heimat wurde ebenso gesprochen, wie über ihr Land. Ich habe noch die Zeichnungen aus dem Kindergarten zu Hause und kann in keiner Zeichnung eine Indoktrination ersehen. Das mag von Kindergarten zu Kindergarten unterschiedlich gewesen sein. Immer kommt es auch auf die jeweiligen Erzieherinnen an, wie sie subjektiv ihren Beruf verstanden. Man sprach damals noch von Beruf, nicht vom Job. Am Vormittag gab es auch die Ausflüge in die Umgebung. Nachmittags tobten die Kinder im Garten und wurden dann eben von Stunde zu Stunde von ihren Müttern oder Vätern abgeholt. 

Die Kindergärten und -krippen waren kostenlos. Es musste ein lächerlicher Betrag als Essenszuschuss gezahlt werden. Ich habe den Betrag vergessen, glaube aber, dass es 1 Mark in der Woche war. 

Der Kindergarten, den ich nutzte, hatte pro Erzieherin 12 Kinder. 

Große Kombinate hatten eigene Kindergärten und -krippen. Die Reichsbahn z.B. hatte sogar Wochenheime für Babys. Das war für alleinerziehende Mütter, die bei der Reichsbahn arbeiteten, sicherlich gut. Ich möchte da keinen Stab über die Mütter brechen, obwohl es sicherlich nicht sonderlich gut für Babys und Mütter ist, die Woche über getrennt zu sein oder mehrere Tage in der Woche.  Nur, was sollten sie sonst machen? Studentinnen wurden auch vorzugsweise Krippenplätze vermittelt, damit sie weiter studieren konnten. Hochschulen und Universitäten hatten immer Kindereinrichtungen. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts muss die betrieblichen Kindergärten auch für Nichtbetriebsangehörige geöffnet werden. Es ging darum, Kinder in der Nähe des Wohnortes unterzubringen, egal wer Träger der Kindereinrichtung war.

Kein Kind hat im Kindergarten einen Knacks für's Leben bekommen. Tagsüber waren die Kinder gut aufgehoben, sie lernten etwas, man beschäftigte sich mit ihnen, sie hatten viele Freunde und nachmittags hatten die Eltern die Chance mit ihren Kindern zu toben, lachen oder was auch immer. 

Als Frau war man eine Persönlichkeit, die anerkannt im öffentlichen Leben war, die selbstbewusst mit beiden Beinen im Leben stand. Das hat auch den Kindern gut getan. Als Frau konnte man seine Erfahrungen in seinem Beruf mit in den Ehealltag bringen und Kinder dadurch besser erziehen.

Das klingt vielleicht abgehoben. Für manche war das sicherlich auch so, denn es kommt immer auf die Eltern an, was sie aus der Erziehung im Kindergarten und zu Hause gemacht haben. Wenn es wichtiger war Fenster zu putzen und die Wohnung wie geleckt aussehen zu lassen, als sich mit den Kindern zu befassen, war das nicht die Schuld der Kindergärten. Wenn es ihnen wichtiger war, abends noch zu schuften, um mal ein Konsumgut mehr zu besitzen als der Nachbar und nicht mit ihren Kindern Lieder gesungen haben, Geschichten vorgelesen haben oder das erlernte im Kindergarten vertieften, kann man das nicht den Kindergärten anlasten.


Kommentare:

  1. Solche Dinge kann man in diesem Deutschland nicht einführen. Kinder würden ja von klein auf lernen was Gemeinschaft bedeutet. Sie würden lernen zu teilen und würden sozialisiert. Da ist es doch besser egoistische Einzelkinder zu Hause bei der Mutter zu lassen die das Kind auch kaum beschäftigt. Es gibt Studien die zeigen, dass die Beschäftigungsdauer mit den Kindern nicht unbedingt zunimmt nur weil man zu Hause beim Kind ist. Die effektive Zeit zählt. Das Kinder in einer Gemeinschaft aufwachsen ist nicht einmal unnatürlich, wenn man sich die Stammesgesellschaften ansieht.

    AntwortenLöschen
  2. Ja, das sehe ich auch so. Ich habe es immer als sehr eigenartig empfunden, dass, als ich in RP arbeitete, Familien im Urlaub ihre Kinder bei der Kinderbetreuung des Hotels abgaben, weil sie - da speziell die Frauen - auch mal Zeit für sich haben wollten, für Kosmetik usw. usf. Das ist abartig, weil die Mütter und Väter ja berufstätig waren.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.