Donnerstag, 30. September 2010

Sand in die Augen

Man jubelt. Hurra, die IG Metall tut was für die Leiharbeiter. Es wurde mit den Arbeitgebern vereinbart, dass sie denselben Stundenlohn erhalten, wie der festangestellte Kumpel von nebenan.

Ohja, schöne heile Welt.

Mal so eine Frage nebenbei: Wie will man diesen Punkt umsetzen? 

Die Leiharbeiter werden nicht von den Metallunternehmen bezahlt. Leiharbeiter sind bei ihrer Leiharbeitsfirma angestellt und werden von den Leiharbeitsfirmen bezahlt, die entweder einen eigenen Tarifvertrag haben, der nicht berauschend ist, oder aber Minilöhne zahlen. So ist das in Deutschland organisiert. Das mag in anderen Ländern anders sein.

Bei wem will denn nun Hans Jedermann den Stundenlohn seines Nachbars, den er offiziell nicht kennt (den Stundenlohn), einklagen? Wenn die Metallbude XYZ der Leiharbeitsfirma angenommen wirklich den Stundenlohn des Festangestellten zahlte, wer garantiert dann, dass der an den Leiharbeiter weitergeleitet wird? Schließlich sprechen wir von zwei grundsätzlich verschiedenen Unternehmen, die außerdem noch einer unterschiedlichen Branche angehören mit unterschiedlichen Tarifverträgen, falls die Leiharbeitsfirma überhaupt dem Tarifvertrag der Zeitarbeitsbranche beigetreten ist.

Meint jemand, dass ein Leiharbeiter die Macht hat, von seiner Leiharbeitsfirma, diesen Stundenlohn einzuklagen? Und müsste der Leiharbeiter dann nicht am laufenden Band immer einen neuen Arbeitsvertrag ausgehändigt bekommen, jeweils zum neuen Unternehmen, in dem er arbeitet passend? 14 Tage in der Metallbranche, 14 Tage in der Holzbranche, 14 Tage in der Pharmabranche ... Aller 14 Tage einen neuen Arbeitsvertrag? Aber ein Leiharbeiter hat einen Arbeitsvertrag mit seiner Leiharbeitsfirma. Ich hatte einen unbefristeten Vertrag (gut - war vielleicht ein Privileg) mit entsprechendem Stundenlohn, Wochenarbeitszeit, erlaubter Höchstarbeitszeit, Urlaubsvereinbarungen, Auslösungen, Kilometergeld, Verpflegungsgeldern usw. usf.

Wie hat sich das die IG Metall so gedacht? Ich glaube, dass sich die Gewerkschaft mit Federn schmücken wollte, die flugunfähig sind.


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