Montag, 15. November 2010

Moderne Frau?

Leyen verkörpert ein modernes Frauenbild, in dem Familie und Berufstätigkeit koexistieren. 

Ich war schon etwas verwirrt, als mir der "Freitag" die Leyenspielerin als moderne Frau verkaufen wollte.

Ist es schon modern, wenn man als Frau mit Kind arbeitet? So eine blöde Einstellung! Die Leyen hatte doch immer alle Möglichkeiten zu arbeiten. Sie hatte Connection, da sie aus einer Politikerfamilie kommt. Sie hatte eine Nanny für ihre Kinder. Lust auf richtige Arbeit als Ärztin hatte sie ja nicht. Politik bringt Macht. Das war wichtiger.

Ist sie eine moderne Frau? 

Wenn ich ihr bigottes Lächeln sehe, wenn sie über das Internet schwadroniert, wenn sie über Musikunterricht für arme Kinder deklamiert, dann ist sie für mich nur eine Tussi aus gutbürgerlichem Milieu, die ihren Klavierunterricht auf andere ausdehen will: Eine Tochter aus gutem Haus spielt Klavier. Brrr

Was weiß sie von Bushido? Was weiß sie von Yu-Gi-Oh? Kennt sie Anime, kennt sie Manga? Weiß sie überhaupt dass es Rap gibt? Wie steht sie dazu? Würde sie das auch als Musikunterricht anerkennen?

Wenn ich ihr nicht auszuhaltendes Lächeln sehe, wenn sie über Vereinbarkeit von Beruf und Familie spricht, kommt mir der Kaffee wieder hoch. Weiß sie überhaupt, welche Probleme eine normale Frau hat einen Ganztags-Kita-Platz zu erhalten? Weiß sie, wie teuer das in einigen Regionen überhaupt ist? Mindestlohn verabscheut sie ja. Wie bitteschön, sollen manche Familien sich überhaupt einen Kita-Platz leisten können?

Wenn ich sie so grinsen sehe, möchte ich alles Möglich mit ihr machen. Weiß sie überhaupt, was in staatlichen Schulen los ist? Weiß sie, dass meist rund 30 Kinder in der Klasse sitzen? Weiß sie, dass Lehrer in mehreren Schulen Unterricht machen müssen. Hat sie eine Vorstellung davon, dass das jegliche Lust auf den Lehrerberuf verdirbt?

Und so eine Frau soll ich als modernes Frauenvorbild ansehen? Eine, die nie aus ihrer Schicht herausgekommen ist und nur dumm rumquakt?

Nein, Leyen ist eine Frau ihrer Schicht, die nicht einmal eine moderne Familie propagiert, wo jeder selbstbestimmt wählen kann, ob er eine qualifizierte Arbeit machen will und/oder Kinder erziehen möchte - mit voller Anerkennung der Familienarbeit der Frau oder des Mannes.

Frau in Arbeit ist nicht persé modern. Frau in Arbeit kann auch Fron und Sklavenarbeit sein unter der die ganze Familie leiden muss, aber auf die paar Euros angewiesen ist.

Kommentare:

  1. Wenn sie Bushido gehört hätte, würde sie ihm ein Stopschild auf die Stirn kleben und bei RTL "Tatort Spache" moderieren.
    *gluckst"

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  2. Über dieses "Hochschreiben" durch die Medien im höheren Auftrag - funktioniert genauso beim Baron und seiner dümmlichen Blondine mit ihrem Tatort Internet - kann ich nicht mal mehr lachen. Was wäre Uschi wohl ohne ihre Dienerschaft ?

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  3. ... Uschi wäre eine arme Würsteline.

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  4. Ich würde dem begriff "modern" nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Ist eh nur ein Plastikwort:

    -->>> http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2008/neusprech-modern/

    P:S: Wieso ist es hier so dunkel? Und wo ist der Lichtschalter? ,-)

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  5. Nein, lieber Epikur, das sehe ich anders. Es gibt moderne Frauen und hoffnungslos altfränk'sche (wie man so sagt). Das ist weder ein Plastikwort noch Neusprech. Das Heimchen am Herd, was nur für ihren Mann da ist, ihn das Frühstück bereitet, wenn er noch im Bett liegt, ihm die Pantoffeln bringt, ihn hinterherputzt, geduldig alles für die Familie opfert, das sind altfränk'sche Frauen. Die gibt es noch zu Genüge. Auch eine Frau, die arbeitet und das nur, um ein bisschen dazuzuverdienen, ist keine moderne Frau. Sie ist in ihrem Rollenbild steckengeblieben. Aber das wäre ein neuer Artikel. Weil es eben nicht so einfach ist, wie es sich gerade bei mir anhört.

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  6. Von der Leyen ist ganz sicher keine Verkörperung der modernen Frau. Hat sie außer mir noch jemand aus den Vor-2005-Jahren in Erinnerung? Kaum wurde sie Bundesfamilienministerin, erfolgte dann ein sanfter Image-Wandel inklusive neuer Frisur, weg von den alten Zöpfen in jeder Hinsicht also, und die Familienpolitik der Sozis, die vorher jahrelang von Parteifreunden unter ihrer genauso modernen Vorsitzenden Merkel bekämpft wurde, war plötzlich ihre eigene Idee.

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  7. @Kelhim, nein ich bin ohne Erinnerung an die Leyen. Danke für den Kommentar. Übrigens dein Blog ist toll.

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  8. Bitte - und danke! :) Bin mehr durch Zufall hier gelandet, aber ich schau sicher mal öfter vorbei!

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  9. modernes frauenbild ist sehr schwer auf einen typus festzulegen und es muss ja auch nicht für jeden das gleiche modern sein, wobei modern ja auch nicht für gut stehen muss.
    und - die ursula erinnert mich immer an eine reichsobermutter aus unseligen zeiten.
    ne zumutung das weib.

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  10. @Landbewohner: Stimmt. Ich glaube z.B. "modern" muss bei Frau nicht immer mit Arbeit einhergehen (übrigens auch bei Mann nicht). Das kann sehr zerstörerisch sein. *Lach* Reichsobermutter - das ist gut!

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