Donnerstag, 9. Dezember 2010

Alles geht den Bach hinunter

Die Städte zerfallen. Der Öffentliche Nahverkehr wird geschrumpft. Die Kultur wird ausgetrocknet. So sieht es sicherlich überall bei uns in Deutschland aus, in einigen Teilen nicht ganz so schlimm in anderen Teilen dafür schlimmer.

Schauen wir mal nach Leipzig.

Das größte Neubaugebiet der Stadt war damals mit einer Straßenbahnzugfolge in der Berufszeit aller 3 Minuten an die Innenstadt angebunden. Als wir Deutschland wurden, fiel dies gleich weg. Zwischenzeitlich wurde die Straßenbahnanbindung geschrumpft. Linien fahren nur verkürzt und es erreichen nur noch zu 50 % die hinteren Viertel am Stadtrand. Ein großer Supermarkt wurde vom Öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten. In anderen Stadtteilen wurde noch rigoroser gekürzt, so dass ältere Menschen Schwierigkeiten haben bestimmte Einrichtungen, die sie benötigen, zu erreichen.

Dann wurde - zugunsten irgend so einer Dresdner Landesbühne - die Mittel für die Kultur rigoros zusammengestrichen, so dass das Naturkundemuseum geschlossen werden soll und die Leipziger Oper nur noch zu 50 % ihrer eigentlichen Spielzeit spielen soll. Das ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Irgend so eine Dresdner Landesbühne soll dann durchs Land tingeln und den Rest der Spielzeit abdecken. Nun, da freut sich das Leipziger Herz, wenn irgend ein Wandertheater in die Kultur verwöhnte Stadt kommen will. 

Zwischenzeitlich wird die nächste Kürzung des Öffentlichen Nahverkehrs vorgelegt. Die S-Bahn ins Neubaugebiet soll nun gänzlich wegfallen. Zu DDR-Zeiten konnte man von Leipzig-Grünau bis nach Zwenkau durchgängig mit der S-Bahn fahren. Als wir Deutschland wurden, wurde die S-Bahn dann irgendwann nur noch bis zum Hauptbahnhof geführt. Jetzt soll sie ganz wegfallen. Leipzig hat die ärmsten Einwohner und damit auch die meisten, die zur Arbeitsagentur müssen. Es heißt, dass Leipzig-Grünau ein Brennpunkt wäre (ich merke das nicht) und die meisten Arbeitslosen hätte. Zur Arbeitsagentur kommt man mit der S-Bahn. Ich weiß jetzt nicht, wie man von ganz hinten am Stadtrand mit der Rumpfstraßenbahn in die Arbeitsagentur kommen will. Das geht nur mit Umsteigen. Die Deutsche Rentenversicherung befindet sich auf demselben Gelände. In meinem Stadtviertel gibt es in der Mehrzahl alte Leutchen. Na Prost Mahlzeit. Ach Übrigens, der, der das verbrechen will, kommt aus Stuttgart!

Die in der DDR angelegte gute Infrastruktur wird somit an die Wand gefahren. Und solle mir niemand sagen, dass nun die Straßen besser wären als in der DDR. Bei uns - nicht! Ausnahme: einige wenige Magistralen.

Wir Leipziger bezahlen jetzt für einen größenwahnsinnigen Bürgermeister, der damals Tiefensee hieß und der unbedingt einen City-Tunnel in Leipzig bauen wollte, den wirklich überhaupt niemand braucht. Einen City-Tunnel, den unsere Vorgeneration zwar auch mal geplant hatte, ihn aber nie baute, weil sie den Leipziger Untergrund kannten, weil sie wussten, dass Preis und Leistung niemals überein gebracht werden konnten. Die damals hatten das Projekt verworfen. Der Größenwahnsinnige musste ihn bauen lassen mit ausufernden Kosten. Nun wird der Nahverkehr auf ein Mindestmaß reduziert. Folge: überfüllte Straßenbahnen und mehr Autoverkehr. Außerdem wird extra ein Bahnhof verlegt, der etwas außerhalb war, damit die Leute eine bessere Anbindung haben. Nur, wer soll dann den Bahnhof noch benutzen, wenn es die S-Bahn nicht mehr gibt. Der spärliche Regionalverkehr? Die Mitfahrenden fahren doch meist bis Hauptbahnhof. Es gibt für Nichtleipziger kaum einen Grund an diesem Bahnhof auszusteigen. Dann stelle man sich mal weiter vor. Wer soll eigentlich durch den City-Tunnel fahren? Da geht einer im Einkaufsparadies Hauptbahnhof shoppen, bekommt etwas nicht, setzt sich in die Bahn - wie die dann auch immer heißen wird - fährt 1 (!) Haltestelle zum Alten Markt (ca. 5 bis 8 Minuten Fußweg) und steigt dann in der Innenstadt wieder aus. Bei der 2. Haltestelle ist man schon wieder aus der Innenstadt heraus. Wozu das alles? Aber die Baumafia hat sich eine goldene Nase verdient. 

Wenn ich dann die Wartungsarbeiten am Tunnel bedenke. Leipzig liegt auf Braunkohle. Der Tunnel war in der Bauzeit schon mal abgesoffen. Wie will man den heiklen Untergrund händeln? Wie oft wird der Tunnel saniert werden müssen, weil wieder Wasser eingedrungen ist? Mir kann niemand erzählen, dass das irgendjemand jetzt in den Griff bekommen hätte. Also wir Leipziger müssen immer wieder und immer wieder zahlen und die Infrastruktur geht flöten.

Das nenne ich doch alles zukunftsweisend.

So wird es allen Städten in Deutschland gehen. Der Verfall wird auch einmal die noch reichen Städte erreichen, wenn Deutschland dann gänzlich deindustrialisiert sein wird und die Armut dann ganz offen krassiert. Irgendwann müssen die Stuttgarter z.B. schwer für den Größenwahnsinn und für die Bodenspekulanten zahlen, wenn ihr unterirdischer Bahnhof laufend saniert werden muss. Es wird eine nach den anderen erwischen und auch jeden von uns. 

Die Deutschlandbesitzer brauchen Deutschland nicht wirklich. Sie sitzen sicherlich jetzt auch nicht hier, an ungeräumten Straßen, weil kein Geld für den Winterdienst da ist. Die sitzen in der warmen Sonne und lassen andere für sich schuften und viele der anderen bemerken das nicht einmal.

Tja Frau Merkel, Sie interessiert es doch am wenigsten. Sie haben uns ein Sparkorsett verordnet. Ein Sparkorsett, dass Deutschland den Bach herunter gehen lässt. Vom Export können wir nicht leben oder nur bedingt.

1 Kommentar:

  1. Ja, das ist wirklich schon alles pervers.
    Auf der einen Seite werden Projekte hochgezogen, die Unsummen verschlingen, auf der anderen Seite werden die Dinge gestrichen, die den Menschen wirklich etwas bringen. Hauptsache, die Kohle stimmt für ein paar wenige, denen der Rest der Welt am Hintern vorbeigeht.

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