Donnerstag, 30. Dezember 2010

Märchenstunde

Nun müsste es auch dem Letzten aufgefallen sein, dass der Markt NICHT alles richtet oder dass Private es nicht IMMER besser können, als der Staat - sprich Kommune -. 

Wenn es so wäre, dann müssten sich Gott und alle Welt darum drängeln, den Schnee von den Straßen zu räumen und wir hätten gut geräumte und gut befahrbare Straßen und zwar nicht nur bei einigen auserwählten Trassen. Ein arm gesparter Staat gibt für so etwas kaum noch Geld aus und die Privaten wollen lieber Profit machen. Ist auch ihre Aufgabe. Sie haben uns den Stinkefinger gezeigt und wir baden es aus mit im Schnee versinkenden Straßen. Viele ältere Menschen trauen sich kaum noch aus dem Haus, weil sie keine Lust haben, sich ein Bein zu brechen.

Ein Verantwortlicher der Leipziger Verkehrsbetriebe meinte, dass wir Leipziger vergessen hätten, dass es auch Winter gäbe. Das ist doch wohl typisch. Verantwortung geh weg, ich komme! Immer sind die Leidtragenden schuld. 

Nein, wir Leipziger wissen, dass es kalte und schneereiche Winter gibt. Das haben wir oft genug erlebt. Aber wir Leipziger wissen auch, dass zu DDR-Zeiten die Straßen besser geräumt waren und dass die Straßenbahnen damals fuhren, auch im Winter, auch wenn es geschneit hat. Damals beräumte die LVB mit Technik noch die Gleise und Weichen vom Schnee. Damals wurden auch die Straßen beräumt, so dass der Schnee nicht sofort wieder die Schienen zuschütten konnte. Ich hätte niemals gedacht, dass ich damals ... damals ... damals ... jemals sagen würde. 

Ein weiterer Verantwortlicher der LVB räumte mittlerweise ein, dass die LVB einen Investitionsstau von mehreren Millionen Euro hat. Sie räumten sogar ein, dass es sich gezeigt hätte, dass man jedes Jahr, Gleisbauarbeiten tätigen müsste und die Infrastruktur nicht auf Verschleiß fahren dürfe. 

Ach nee, das hat sich sogar bis zur LVB herumgesprochen. Und wenn ich mich recht erinnere, gehören die Gleise gar nicht mehr der LVB. Die mussten doch verleast werden, in die USA. Das wäre doch soooo günstig und perfekt.

Alles auf Verschleiß zu fahren, ist die Devise des Wirtschaftens dieses Landes geworden. 20 Jahre nur noch auf Verschleiß gefahren, ein paar Prestigeobjekte gebaut, die eigentlich niemand wirklich braucht ... Das ist die Bilanz dieser jetzigen Politik. 

Verantwortungslos und destruktiv - das Herunterfahrens eines Landes in den Drittweltstandard. 

Jetzt zeigt sich auch, dass Globalisierung eben nicht das Allheilmittel für alles Mögliche ist und uns keinen besseren Lebensstandard bringt. Ich zähle zum Lebensstandard auch, dass es solch profane Dinge, wie Schaufeln oder Schneeschieber gibt. Die sind längst ausverkauft und müssen aus ganz Europa - lt. Auskunft eines Baumarktes - herangekarrt werden. Nun gut, sicherlich nicht aus ganz Europa, eher aus Osteuropa. Dort wo unter schlimmen Zuständen andere für unsere Bosse schuften, für fast nichts. Es kann doch wohl nicht nicht sein, dass wir keine Schaufeln mehr herstellen wollen. Dass solch ein profanes Ding über schlechte Autobahnen gekutscht werden müssen. Wenn ich das unter Globalisierung verstehen, darf ich auch nicht mehr das Wort "umweltverträglich" in den Mund nehmen oder irgendetwas von irgendwelcher dämlichen CO2-Bilanz sprechen. Das Recht dazu habe ich verwirkt.

Das Schneechaos ist nur äußerer Ausdruck eines verfaulenden Inneren. Wo einige Wenige schreien: Rette sich wer kann und der Rest sehen soll, wo er bleibt.


  

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