Mittwoch, 8. Dezember 2010

Neidfaktor Mensch

Ich habe immer wieder festgestellt, dass einige Menschen es einfach nicht ertragen können, anderen mal auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Haste toll gemacht. Die weniger euphorische Methode könnte sein: Naja, ist nicht ganz so toll, aber man muss ja mal anfangen. Die Umstände waren gegen dich, konnste nicht mehr machen.

Dieses Runtermachen von Menschen ist nicht nur im privaten Bereich zu finden. Besonders habe ich das im öffentlichen Bereich bemerkt.

Ich denke z.B. an Obama. Man muss nicht euphorisch über ihn denken. Er ist ein Mensch, gefangen in seiner Zeit, in seiner Klasse. Nur er hat Mitgefühl, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht hat er erkannt, dass sein Land den Bach runtergeht, es deindustriealisiert wird, dass man gegensteuern muss. Also Merkel ist das noch nie aufgefallen. Ihr ist es total egal, wenn unser Land den Bach runtergeht. Und ja, Obama ist US-Amerikaner, muss er deshalb schlecht sein? Nur weil er US-Amerikaner ist? Ich bin kein Freund der USA, aber Manches sollte man schon anerkennen, wenn man fair ist. Obama hat den Finger in den Wunden seines Landes und muss ohnmächtig erfahren, dass er nichts ändern kann, dass er sogar als sozialistisch beschimpft wird, obwohl er nur menschliche Gesetze machen will. Nur weil er auch mal an die denkt, die im Dreck liegen. Er hat irgendwie den amerikanischen Traum noch in sich, den die Republikaner schon längst über Bord geworfen haben. Er ist ohnmächtig und hier im Lande ditschen ihn Einige noch weiter rein, haben ihn nie eine Chance gegeben. Warum? Weil er Amerikaner ist? Weil er nicht so regiert, wie es wünschenswert wäre? Frau Merkel ist noch desinteressierter an uns.

Ich denke an Wikileaks. Da kommen schon wieder die Stimmen, dass Wikileaks total intransparent sei. Also bitte, wie soll so eine Organisation transparent sein. Soll jeder alles kennen, so dass man diejenigen, die Wikileaks mit Material versorgen, gleich an den Pranger stellen kann? Ja, Wikileaks will Transparenz in der Politik und dafür muss es im geheimen wirken. Beides ist nicht zu haben. Deshalb ist Wikileaks noch lange keine Klatschbase, wie ich es schon geringschätzigerweise gelesen habe.

Ich denke an Google. Das ist so mein Lieblingsthema. Ich finde das so lächerlich, was man Google alles anhängt. Google ist ein Unternehmen und ein Unternehmen will Geld verdienen, genau wie alle anderen Unternehmen auch. Wir geben freiwillig bei Punktesammlern, bei Myspace, bei Facebook, bei Twitter unser Innerstes preis. Wir kaufen im Internet ein, haben Apps mit unseren neuen Smartphone, zahlen mit der Kreditkarte, mit PayPal. Wir haben einen neuen Reisepass, einen neuen Personalausweis, wir reisen in die Welt und hinterlassen dort unsere Daten, unser Foto, unsere Fingerabdrücke und ... und ... und ... , aber wir regen uns über Google auf. Hirnrissiger geht's nimmer. Nein, die Mitbewerber übertragen ihren Neid auf uns. Warum bringen sie nicht auch kostenlos ein ganzes Office auf die Beine mit genialen Tools? Und viele von uns hüpfen in die Neidschiene. Wenn wir niemanden Daten von uns überlassen wollen, müssen wir ein Einsiedlerleben führen, Lebensmittel selbst anbauen, nicht computern, nicht telefonieren. 

Warum können wir nicht gute Seiten von Personen, Organisationen und auch Unternehmen anerkennen? Es gibt bei allem immer eine A- und eine B-Seite. Betonen wir nicht immer die B-Seite. Vergessen wir nicht, dass es die gibt, das ist wichtig, aber schauen wir uns die A-Seite auch mal etwas objektiver an. 

Machen wir es bei Menschen in unseren Umfeld ebenso. Die müssen uns nicht gefallen, aber sie haben auch ihre positiven Seiten, die wir uns vielleicht näher anschauen sollten. 



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