Donnerstag, 13. Januar 2011

Die Zeitung

Früher hatte doch sicherlich jeder eine Zeitung abonniert. Die Zeiten haben sich geändert. Ich weiß jetzt nicht, wer sich zuerst abgewendet hat: Der Leser von der Zeitung oder die Zeitung vom Leser. Vielleicht Beides im Gleichklang. Das eine hat das andere hervorgerufen.

Die Frankfurter Rundschau steht wieder am Rande des Aus'. Letztendlich ist mir das egal. Der Vorgang zeigt aber wieder einmal, wie verrückt in diesem Lande Krisen bewältigt werden.

Wenn meine Zeitung kriselte, würde ich gute Journalisten anziehen. Die müssten mir dann einen investigativen Journalismus hinlegen und ich würde sie gut bezahlen. Sie müssten mir eine Zeitung aus den Boden stampfen, die jenseits von Hofberichterstattung ist, die kritisch hinterfragt und nicht nur neoliberale Rezepte unters Volk bringen will.

Wenn meine Zeitung kriselte, würde ich nicht meine Aktien-Pakete zählen, meine Nullen auf dem Konto hinter einer Zahl, ich würde zu meiner Zeitung stehen, sie zu etwas anderem machen, als sie gerade ist. Sie müsste der Knaller in der Medienlandschaft werden. Dafür würde ich in Kauf nehmen, dass ich so gut wie nichts daran verdienen würde. Ich brauche nicht so sehr viele News, da mit denen sowieso jeder überschüttet wird. Ich bräuchte Kommentare, Visionen, Hintergründe ... Das müsste mir meine Zeitung liefern. Wenn ich sie mir nicht mit Gold aufwiegen ließe, würde sie wieder gekauft und abonniert werden, weil es gemütlicher ist, am Kaffeetisch zu sitzen und eine Zeitung zu lesen, auch mal drauf zu kleckern, als am PC (ganz zu schweigen vom Miniminiminibildschirmchen des Handys) zu sitzen und die Nachrichten mir zusammenzusuchen.

Aber was macht der Verlag? Der schrumpft die Frankfurter Rundschau krank. Personal wird entlassen werden. Nur, was soll dann noch in der Zeitung stehen? Vorgefertigte Artikel aus irgendeiner Verseschmiede. Schlagzeilen und Artikel, die man überall lesen kann. Lügengeschichten, wie in jeder anderen Zeitung auch?

Nun aber bitteschön! Wer benötigt denn eine Lügenzeitung mehr oder weniger? Eine Zeitung zusammengepappt fast ohne Personal? Ist es nicht der Mensch, der eine Zeitung einzigartig machen kann? Eine Verseschmiede, die für alle liefert, ist es doch wohl nicht.

Schlußendlich wird die Zeitung irgendwann eingestellt werden. Den tausendsten Aufguß einer Bild-Schlagzeile braucht niemand. Niemand will in jeder Zeitung dasselbe lesen müssen. 

Der frustrierte Leser geht ins Internet!

So sägen die Journalisten an ihren eigenen Stühlen. Pardon - eher die Verlage.

1 Kommentar:

  1. citizen kane war ja nur eine filmfigur, aber immerhin mit echtem vorbild.

    ansonsten hast du wieder mal recht. die wahrheit will niemand hören, schon gar nicht lesen.

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