Dienstag, 18. Januar 2011

Hilfreich ist das nicht

Nun soll demonstriert werden für das dioxinfreie Ei. Für den Hühnerhof wie bei Omma, für den Schweinestall wie bei Oppa. 

Halt der Schweinestall bei Oppa? Das würde ich den Schweinen dann doch wohl nicht zumuten wollen. Ein Schwein im Großstall hat es da wohl besser. Wie sah Schweinezucht früher aus? Das Schwein war das Tier, was u.U. auch Menschen, die an Stadträndern wohnten, mästeten. Schweine fraßen die Abfälle der menschlichen Nahrung. Sie wurden im dunklen, engen Verschlägen gehalten, fraßen und wurden dann nach kurzer Zeit geschlachtet. Ich kenne solche Häuser noch und weiß wie die Schweinebuchten aussahen (ohne Schweine). Trichine waren nicht selten. Ich kenne noch Trichinenfleisch aus meiner Kindheit. Wer ein Schwein halten konnte, war reich. Wohl dem, wer eins schlachten konnte. Fleisch war in Arbeiterkreisen dazumal nicht so leicht zu erhalten. Die hatten nicht viel Geld und es gab keine Kühlketten. Wenn es Fleisch gab, war es eher Schwein, weil Rind nicht bezahlbar war und Geflügelfleisch kaum zu bekommen war, mal vom Suppenhuhn abgesehen. Dazumal bedeutet auch das 20. Jahrhundert, also nicht soweit zurück in der Geschichte. Es war gestern, nicht vorvorvorgestern.

Alle die in Berlin demonstrieren haben romantisch Recht. Es macht sich so hübsch, alles ökologisch, bio, dezentral, nicht industriell herzustellen. Der Strom kommt ja auch aus der Steckdose.

Bedenken sollten die Demonstranten, dass die Milliarden von Menschen auf der Erde mit ökologischen Bauernhöfen nicht ernährt werden können.

Bedenken sollten die Demonstranten, dass es bei den von ihnen angestrebten alten bäuerlichen Anbauweise massive Versorgungsprobleme auch bei uns gäbe. Im Winter hätten wir in den Gemüseläden: Kohl, - Weißkohl, Wirsing und Rotkohl -, ein paar Rüben, ein paar Möhren, Schwarzwurzel. Das wär's dann aber  fast schon. Salat u.ä. würde es nicht geben. Obst wäre auch sehr problematisch. Es gäbe ein paar eingelagerte Winteräpfel, falls diese Sorten noch in ausreichender Zahl existieren. Mit jeden Tag Müsli wäre es dann auch vorbei. Milch im Winter? Da geben Kühe, die keine Hochleistungskühe sind, wenig Milch. Butter würde ab und zu einen ranzigen Stich haben, da sie eingelagert werden müsste für den Winter. So im Februar gäbe es dann eher salzige Butter. Das täglich Frühstücksei wäre sowieso passé. Eier gäbe es nicht in Massen und um diese Jahreszeit schon gar nicht. Die meisten Eier im Winter wären mehr für das Backen geeignet, weil sie etwas komisch riechen, eben nicht mehr frisch. Mal ganz abgesehen davon, dass man viele einfach wegschmeißen muss, weil sie verdorben sind. Eier, die mit Hühnerkot bespritzt sind, sind eher mit vorsicht zu genießen. Auch freilaufende Hühner, wie früher auf dem Bauernhof, stecken sich ganz schnell mit Salmonellen an und geben die an die Eier ab. Nichts mit Eiercreme, das sollte man möglichst vermeiden. Hühner waschen leider nicht ihre Hühnerbeine oder ihren Po. Vorsicht auch bei Majonäse - rohe Eier! Ob diese Eier damals in meiner Kindheit mit Dioxin belastet waren, das weiß niemand, weil man sie nicht daraufhin untersucht hat. Falls die herumlaufenden Hühner irgendwie mit Asche in Berührung gekommen waren, ist das wohl anzunehmen.

Bedenken sollten auch die Demonstrierer in Berlin die Kostenfrage. Wer soll dann z.B. noch einen Apfel bezahlen können? Ein Stück Butter? Einen Kohlkopf? Denn wenn man das Konzept konsequent zu Ende denkt, dann verbietet es sich, Nahrungsmittel aus Italien, Spanien oder noch weiter weg, einzuführen. Es sei denn bei denen akzeptiert man industrielle Fertigung. Für den durchschnittlichen Bürger wäre ein Schnitzel unerschwinglich. Er hätte aber auch kaum Gemüsealternativen. Geringes Angebot - hohe Preise. Hier in diesem Land gibt es keine staatlich gestützten Preise, die eine Ernährung von Geringverdienern - und das sind doch wohl viele Millionen in Deutschland - sichert. 

Für mich sind diese Demonstranten Kinder einer satten Gesellschaft, die nicht mehr weiß, zu welcher Jahreszeit Gemüse und Obst wächst und wann nicht. Es sind Kinder einer satten Gesellschaft, die sich bis jetzt in punkto Nahrungsmittel wohl kaum Schranken auferlegen mussten, die nie darben oder von der Hand in den Mund leben mussten.

Viel eher wäre es wichtig, dass Nahrungsmittel nicht mehr in Börsen gehandelt werden. Es wäre wichtig, dass mit dem Wort Bio kein Schindluder getrieben wird, in soweit, dass Nahrungsmittelflächen mit Palmölpflanzen bestückt werden, damit wir Bio-Putzmittel haben. Es wäre wichtig, sich gegen das Patentieren von Nahrung stark zu machen. Es wäre wichtig, dass Bauern nicht mehr gezwungen werden, nur bestimmte Hybridfeldfrüchte anzubauen. Wichtig wäre es, sich für angemessene Bedingungen in der industriellen Landwirtschaft einzusetzen und die Diktate von übermächtigen Konzernen zu brechen. Es ist nicht notwendig und sicherlich auch nicht wünschenswert zur ehemaligen bäuerlichen Landwirtschaft zurückzukommen. Die kann höchstens in der Nische existieren.

Kriminelle Machenschaften? Die wird man nicht eindämmen können. Solange Höchstprofit das Maß der Dinge ist? Wie will man da kriminelle Machenschaften eindämmen können. Wenn die konventionelle Landwirtschaft kaputt gemacht worden ist, dann geht es eben der Bio-Landwirtschaft an den Kragen. Sie wird doch zur Zeit mal wieder so kampagnemäßig in die Höhe gehoben, weil mit ihr mehr Geld zu verdienen ist. Und die großen Konzerne streben danach, den Biomarkt zu erweitern. Das wird niemanden nützen, außer den Konzernen.

Leider spielen die Demonstranten diesen Bio-Konzernen in die Hände. Leider.

Kommentare:

  1. Bedenken sollten die Demonstranten, dass die Milliarden von Menschen auf der Erde mit ökologischen Bauernhöfen nicht ernährt werden können.

    hier möchte ich vor allem auf ein buch von jared diamond hinweisen
    "kollaps"
    die lichtnahrung wäre auch noch eine möglichkeit.

    ohne funktionierender kreislaufwirtschaft werden wir unser gesellschaftssystem auf dauer nicht aufrecht erhalten können. dies ist gerade dabei sich zu ändern. ein großes danke den banken.

    aber für die zukunft ist die ökologische lebensmittelproduktion der einzig sinnvolle weg. ohne konzerne und ohne landwirtschaftsminister.

    AntwortenLöschen
  2. und mit all den beschriebenen Auswirkungen. Bäuerliche Produkte funktionieren auch Nachfrage - Angebot. Nachfrage nach Nahrung, nicht so viel da - hohe Preise. Entwicklungsländer zeigen es auf ihren Märkten. Da ist vieles Unerschwinglich für die normalen Menschen, die wenig Geld haben. Und das Wenig-Geld-haben wird sich in unserer Gesellschaft vermehren. Nur, in vielen Entwicklungsländer gibt es staatliche Stützung für Grundnahrungsmittel und dann essen die Menschen täglich Kichererbsensuppe in mehreren Variationen. Das müsste es dann auch in Deutschland geben. In meinen Augen ist das keine Alternative. Es ist natürlich die Frage, was man unter ökologischer Lebensmittelproduktion versteht,ob es wirklich der einzelne bäuerliche Hof sein muss oder nicht. Futter wie früher wird auch nicht möglich sein, machen ja selbst die Biobauern nicht mehr. Ich finde, dass ökologische Produktion irgend so ein Schlagwort ist, das mit nicht viel untersetzt ist. Wichtig ist, dass Nahrungsmittel für alle erschwinglich bleibt und bei der jetzigen Diskussion ist das nicht der Fall.

    AntwortenLöschen
  3. Schön weiter mit Industriefraß demzufolge. Heute fressen die Schweine getrockneten Kot mit Erdbeerduft, keine Tischabfälle. Und würden sich in so einen "dunklen Verschlag" wünschen, wenn sie wüßten, wieviel besser sie es da hätten. Wo leben sie eigentlich? Schon mal von "Katzen würden Mäuse kaufen", "Food inc.", etc. gehört?
    Sicher müssen Veränderungen auch auf anderen Gebieten erfolgen, um ökologische Landwirtschaft flächendeckend realisieren zu können. Vor Allem Abstriche beim Fleischkonsum wären zwingend nötig (und überdies gesund).
    Wenn sie wüßten, was sie alles mitessen, mit ihren tollen Industrienahrungsmitteln, würden sie nur noch Bio Verbandsware kaufen. Und die monströsen Abscheulichkeiten gegenüber selbst emotionsbegabten (Säugetiere) Lebewesen zu ihrem eigenen Schutz ächten. Auch "Monsanto - mit Gift und Genen" sollten sie sich ansehen.
    Gute Besserung!

    AntwortenLöschen
  4. @anonym: Ja kenne das alles. Nur, sie gehören sicherlich der jungen Generation an. Sie wissen nicht, wie früher z.B. Schweine gehalten worden sind. Nein, das wünsche ich wirklich keinem Schwein. Das Schwein war der Abfalleimer für alles Mögliche. Viele arme Leute hielten Schweine, die konnten es sich nicht leisten das Schwein gut zu füttern oder gut unterzubringen, da sie selbst nur ein schäbiges Haus hatten, wo die Armut aus allen Löchern schaute. Ebenso heute, müssten Millionen von Deutschen, wenn sie nur auf Bio angewiesen werden am Monatsende hungern. Ja, wenn man Kinder hat, müssen Spielsachen sein. Sie scheinen meine Artikel nur mit ideologischer Brille angeschaut zu haben. Sie sind ein Kind der neuen Zeit. Sie haben noch nie vor leeren Regalen gestanden. Ich kann damit leben. Ich habe winters über auch fast ohne Gemüse und ohne Obst ein Essen auf den Tisch bringen können, weil es das nicht gab. Ich habe auch mit überhaupt keinen Wort gesagt, dass ich schlechte Tierhaltung begrüße. Legen Sie mir bitte nicht irgend etwas in den Mund, was so gar nicht drinnen steht. Meine Achtung vor Ihnen, sollte auch eine Achtung vor mir beinhalten. Ich betone es noch einmal: Ich bin kerngesund. Mir muss man keine gute Besserung wünschen.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.