Montag, 3. Januar 2011

Was erlauben sich die Deutschen

Da gehen die doch einfach zum Arzt, obwohl sie überhaupt nicht krank sind. Tun nur so, wollen nicht arbeiten, sind Faulpelze auf Kosten der Allgemeinheit, aber vor allem der armen Arbeitgeber. Meine Güte, die tun einen aber auch leid. Da passen sie auf uns auf, geben uns Arbeit, so dass wir uns jeden Tag zumindest eine Kichererbsensuppe leisten können und was macht dieses undankbare Arbeitnehmervolk?

Jeder dritte Deutsche meldet sich mindestens einmal im Jahr krank! Sind wir wirklich so anfällig? Oder ist es einfach zu leicht, sich krankschreiben zu lassen? BILD-Reporter machten den Test – mit erschreckendem Ergebnis!

Diese Schlagzeile ist mir heute beim Einkauf über den Weg "gelaufen". Was soll das? Es wird suggeriert, dass nie, niemals Deutsche wirklich jedes Jahr mindestens 1 x krank sein könnten. Deutsche sind saugesund und wollen nur ihren Arbeitgeber schädigen. 

Ärzte sind demzufolge die Verbündeten der faulen deutschen Arbeitnehmerbagage. Kein grippaler Infekt -nur Einbildung. Bandscheiben liegen immer an dem Fleck, wo sie hingehören. Und rasende Kopfschmerzen? Alles nur Vorwände!

Es mag sein, dass es Ärzte gibt, die es als ihre Aufgabe ansehen, vor allem gelbe Scheine auszufüllen ohne Untersuchung. Es mag sein, dass es auch Menschen gibt, die Urlaub auf gelbem Schein machen.

Ist es aber die Masse? Ich glaube, dass man mit gutem Gewissen sagen kann: Nein!

Die Volksseele soll wieder mal hochkochen. Der brave biedere Bürger soll wieder mal einen Zorn verspüren. Dieses Mal ist's der Zorn auf diejenigen, die es sich erlauben, ihren grippalen Infekt auszukurieren und nicht dem Arbeitegeber zur Verfügung zu stehen, zur Verfügung zu stehen bis zum Tod.

Jetzt sind diejenigen Zielscheibe, die es sich erlauben, zum Arzt zu gehen und sich krank schreiben zu lassen, weil sie krank sind. Nach den faulen Langzeitarbeitslosen, den alleinerziehenden Müttern, den Muslimen, den schlechten Genen der sogenannten Unterschicht, den Kopftuchmädchen und den türkischen Obst- und Gemüsehändlern, ist eine die nächste Gruppe dran, die sich Verunglimpfungen gefallen lassen muss.

Ein Vertreter der katholischen Kirche gibt von sich, dass die Normalbürger gefälligst etwas zu ihren Behandlungskosten beitragen sollten. 

Es wird Stimmung gemacht, von wegen selbstverschuldeten Krankheiten, vorerst spricht man von Sportunfällen und Rauchern, die zur Kasse gebeten werden sollen.  Das ist aber sehr ausbaufähig für andere Gruppen: Schokoladenesser, Kuchenesser, Brötchenesser (falls nicht Vollkorn), ach mir fällt jetzt nichts weiter ein. Wenn dann die radikalen Veganer mehr Einfluss haben, geht es den Fleischessern an den Kragen. Irgendwelche Krankheiten wird es schon geben, die dadurch der Allgemeinheit angeblich aufgebürdet werden sollten.

BILD will suggerieren, dass die Deutschen nur krankfeiern, aber nicht krank sind. 

Nachtigall ick hör dir trapsen. Eine konzertierte Aktion derer, die uns nicht das schwarze unter den Fingernägeln gönnen, die uns als Melkkühe für die selbsternannten Eliten total nackig ausziehen wollen. Der Auftakt für zusätzliche Kosten in der Krankenversicherung.

Kommentare:

  1. Ein guter Hausarzt sollte vor allem eindeutige Signale verstehen.
    Als ich meine zweijährige Tätigkeit hier im Jugendzentrum beenden mußte, war ich erst einmal am Boden.
    Ich bat meinen Hausarzt, mich für eine Woche krank zu schreiben, da ich die restlichen zwei Wochen meiner Tätigkeit nur mit Magenschmerzen überstanden hätte.
    Das war für ihn auch kein Thema; im Gegenteil. Er bot mir an, mich bis zum Ablauf meiner Tätigkeit (zwei Wochen) krank zu schreiben.
    Dies wollte ich allerdings nicht, da ich noch die Möglichkeit nutzen wollte, mich von einigen Jugendlichen in Würde verabschieden zu können.
    Was soll daran falsch sein?
    Der sogenannte "Gelbe Schein" ist oft nur ein Weg, wieder auf die Füße zu kommen.
    Dabei muß sich auch niemand schämen müssen
    Der Mensch ist kein Uhrwerk ...

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  2. Ich kenne solche Situationen auch. Kündigung, Weinkrämpfe, total am Boden zerstört. Als gelernte DDR-Bürgerin war ich nicht auf Kündigungen vorbereitet. Ich war dem Arzt dankbar, dass er mich krank schrieb.

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