Donnerstag, 27. Januar 2011

Wir vergessen nicht ...

... das hoffe ich doch sehr. Heut vor 66 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Gestern sah ich bei "arte" eine französische Dokumentation darüber - Erfahrungsberichte von fünf Menschen, die das Lager überleben konnten. 


Mich wunderte es, dass solch ein Grauen (ich weiß, dass der Begriff abgegriffen ist, ich kenne keinen stärkeren oder überhaupt keinen Begriff, der das Leiden beschreiben könnte) überhaupt jemand überleben konnte. Die Erzählungen der Betroffenen waren sachlich und dadurch machten sie noch mehr betroffen. Ich habe mir vorgestellt, was ich dort empfinden würde, obwohl man sich das nicht vorstellen kann. Ich meine, dass ich keine Woche unter diesen Bedingungen überlebt hätte. 

Da haben Menschen andere Menschen bei minus 30 Grad stehen lassen, stundenlang. Es wurde von einer junge Frau berichtet, deren Zehen erfroren waren und einfach abfielen. Kann sich irgendjemand vorstellen, was diese junge Frau erdulden musste? Die Schmerzen? Der Todeskampf? Einer anderen Frau ist eine Brust erfroren und abgefallen, einfach so vom Körper.

Was sind das für Lebewesen, die solch ein Grauen dulden, es unterstützen, es inszenieren? Denen es egal ist, wie Menschen vegetieren und leiden müssen. "Arbeit macht frei" Frei? Wovon? Vom Leben? Vom Leiden?

Deutsche Unternehmen haben viele dieser Menschen kaputt gehetzt - für ihre Profite.

Gespenstig war die Einteilung der als arbeitsfähig betrachteten Menschen: Sie sollten zwischen 16 und 45 sein. Die drüber? Wanderten sofort in die Gaskammern. 

Deutsche Unternehmen haben letztendlich selectiert: zwischen 16 und 45, dann fanden sie noch Gnade in den Augen der Manager und "durften" sich zu tote schuften.

Nein, heute muss man sich zwischen 16 und 45 nicht mehr zu tote schuften für die deutsche Industrie. Aber das Selectionsmerkmal existiert immer noch. Die deutsche Industrie macht das heute eleganter. Im Ausland. In China, in Bangladesh, in Vietnam, in Indien. Da kann man sich so schön rausreden, dass man doch die Arbeitsbedingungen nicht kennen würde. Dass man unschuldig daran sei, dass revolierende Textilarbeiterinnen erschossen werden, dass indische Arbeiter Selbstmord begehen oder chinesische, weil sie nicht mehr unter den Bedingungen, die das Kapital ihnen auferlegt, existieren können. In Deutschland macht man die über 45jährigen, die aussortiert wurden, selbst verantwortlich für dafür, sie wären nicht mehr qualifiziert genug, nicht mehr leistungsfähig genug, eben zu alt. Im zweiten Atemzug diskriminiert man sie als Faulenzer, Asoziale, weil sie nicht mehr im Arbeitsleben stehen können, wie das ein anständiger Deutscher eben tut. Man diffamiert sie als Sozialschmarotzer, die andere für sich arbeiten lassen und nur absahnen wollten, obwohl die Arbeit auf der Straße läge und man nur zugreifen bräuchte. Wir boomen doch! Das wird man doch mal sagen dürfen. Und wie soll die Endkonsequenz aussehen?

Ich will jetzt nicht die Arbeitsbedingungen im KZ mit den Arbeitsbedingungen der Globalisierung vergleichen, da sonst das Grauen des Hitlerstaates verniedlicht werden würde, aber Parallelen auf anderer Ebene sind nicht von der Hand zu weisen. Das faschistische Deutschland war nur perviertierter. Dem deutschen Kapital hat es hingegen noch nie gestört und schon immer menschenunwürdige Arbeitsbedingungen unterstützt, Hauptsache der Profit stimmte und stimmt. Geld hat keine Seele.

Pervertiert war das System, das Auschwitz hervorbrachte. In der Erinnerung vieler lebt dieses System als Arbeiterfreundlich: Hitler hat die Arbeitslosigkeit beseitigt, sagen viele. Das darf man doch mal sagen, schließt sich dann an. Ist das nicht ein bekannter Satz? Nun gut, sozial ist was Arbeits schafft? Damals wurde der Arbeitsdienst eingeführt, heute ist's der 1-Euro-Job, die Leiharbeit - das ähnliche Niveau. 

Wir werden wieder ein ähnliches System erleben dürfen, wenn wir seine schwarze Seite vergessen! Den Rassismus z.B., wo genetisch erklärt wurde, dass die arische Rasse die bessere sei. Bekannt? Sarazzin sagt das gleiche mit anderen Worten.

Wir werden wieder ein ähnliches System erleben dürfen, wenn wir die Menschen danach einteilen, woher sie kommen, welche Sprache sie sprechen, welcher Ethnie sie angehören. 

Wir werden wieder ein ähnliches System erleben dürfen, wenn wir die bedingungslose Assimilation ins deutsche Wesen verlangen. Was ist das deutsche Wesen? Das können nur deutsche Spießbürger an ihren Stammtischen, in ihren Garten- oder anderen Vereinen definieren. (siehe Günther Wallraff, als er als Schwarzer durch die Republik reiste.).

Wir werden wieder ein ähnliches System erleben dürfen, wenn wir nicht gegen die Diskriminierung von anderen Menschen rebellieren, wenn wir stehen lassen, dass Arbeitslose faul sind, dass dickere Menschen leistungsunfähig sind, dass viele Deutsche nur krank machen und es nicht sind, dass nur der Geiz-ist-geil-Abschaum auf billig macht, obwohl Millionen von Menschen mit ihrem Einkommen kaum über den Monat kommen. Lassen wir uns das nicht mehr gefallen!

Nur dann wären die ermordeten Menschen in Auschwitz nicht ganz und gar sinnlos.

Sie zeigen uns ein Schema der Diskriminierung und Ökonomisierung von Menschen auf, was im schlimmsten Falle zurück ins Grauen führen kann.

Vergessen wir sie nicht!

All diejenigen, die einfach ermordet wurden, wegen nichts, einfach nur, weil sie da waren und vergessen wir nicht, dass viele von denen vorher für die deutsche Industrie bluten mussten, für deren Profite.

1 Kommentar:

  1. Wie war es doch gleich?

    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

    Und in dieser pervertierten B*R*D* hatten viele von diesen Typen gleich wieder einen Posten nach 45.
    Und was sagt ein gewisser Hubertus Knabe?
    Wie die Menschen doch gelitten hatten in der SED-Diktatur. Dem Mann gehört das Handwerk gelegt.

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