Donnerstag, 17. Februar 2011

Bild und Co. zeigen Wirkung

Es ist schon eine seltsame, bisweilen lustige Sache mit den unterschiedlichsten Menschen eine Rundreise zu machen. Da hört man die eigentümlichsten Ansichten über Deutschland und man merkt, dass sehr viele Menschen keine Ohren haben, um zu hören und kein Hirn, um zu denken.

Anbei mal einige Absonderlichkeiten:

Der Reisefreund hinter meinem Sitz schwärmte von der sozialen Seite von Deutschland. Man solle doch mal in andere Länder schauen, wie schlecht es da den Menschen gehe.

Auf meine Antwort, dass man sich doch wohl nicht mit Indien vergleichen könne, kam die entwaffnende Antwort: Warum denn nicht. Dass sollte man doch wohl endlich mal machen, damit man sähe, wie gut es den Deutschen gehe.

Meine statistischen Kenntnisse - dank eifrigen Lesens beim Informationsportal - gingen ins Leere. Es darf nicht sein, was nicht sein kann! Nein, wir werden nicht in Europa durchgereicht und landen nicht auf den hinteren Plätzen. Das könne gar nicht sein. Was ich denn erzähle.

Der selbsternannte Wortführer der Reisenden giftete, was wir denn wollten. Wir könnten doch in den Urlaub fahren, uns ginge es doch gut. Was wöllten wir denn noch mehr. Und wenn Deutschland, das so wunderbar aus der Krise gekommen sei, seinen europäischen Nachbarstaaten ein paar Tipps gäbe, wäre doch wohl nichts dabei. Man könne doch nicht sagen: Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen. Schließlich wäre die Krise doch bei uns zu Ende. Wir wären doch da viel, viel besser als andere europäische Staaten daraus hervorgegangen. 

Es hatte keinen Sinn weiter zu diskutieren. Fundamentalisten sind überall gleich, seien es nun Zionisten, Islamisten oder deutsche Spießbürger, die der Bildzeitung Wahrheitscharakter zubilligen. 

Ihr Augenmaß  und ihr Interesse reichte gerade mal bis zur eigenen Geldbörse. Wie es dem Nachbar zu Hause geht, ist völlig uninteressant. Arme Menschen? Aber nicht in Deutschland. In Indien und Afrika sind die Menschen wirklich arm. Hier? Was erzähle ich nur. Mein Nachbar? Was geht mich mein Nachbar an. Wer keine Arbeit hat, ist selbst dran schuld. 

Das ist die Denkungsart dieser Zeitgenossen, die es viel zu oft gibt. Besonders abstoßend ist das bei einer Reise ins heilige Land, wo Jesus Mitgefühl für alle Menschen, vor allem für die Armen und Ausgestoßenen, predigte. Man muss gar nicht christlich sein, menschliches Mitgefühl reicht völlig aus. Haben das viele verlernt?

Ich habe den Reisenden hinter mir gesagt, dass er noch zeitig genug aus seinem Traum aufwachen würde.


Kommentare:

  1. Es sind immer die gleichen Argumente, die man zu hören bekommt:
    In anderen Ländern geht es den Menschen weitaus schlechter, und man sollte doch froh sein, dass ...
    Damit ist Ende, denn es wäre zu anstrengend, ein paar grundlegende Dinge zu hinterfragen.

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  2. Bei mir verfestigt sich langsam die Erkenntnis, dass die Atheisten in diesem Deutschland die Einzigen sind, die noch nach den 10 Geboten leben.

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  3. Tja, das ist schon verrückt, aber irgendwie scheint es so zu sein.

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  4. Das spiegelt ziemlich exakt meinen beinahe täglichen "Kampf" gegen die Ignoranz wider. Gestern erst wieder, die selben Stereotypen vom "jammern auf hohem Niveau", den "Menschen in anderen Ländern den es viiiel schlechter geht" und ähnlichen MasssenMedienVolksVerblödungsArgumenten.
    Ich stelle mir immer öfter die Frage: Leben "die" in einem Pralelluniversum oder vielleicht doch ich selbst?

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  5. @Drahtwerker: Das frage ich mich manches Mal auch. Ob die Menschen blind durch die Gegend laufen? Vielleicht wollen viele aber gar nichts wissen. Und man kommt dagegen mit den besten Argumenten nicht an. Ich habe auch versucht, zu erklären, dass Deutsche mit palästinensischer Abstammung nicht so einfach wie jeder andere Deutsche in Israel einreisen kann. Antwort: Das mag VIELLEICHT sein, obwohl es überall in jedem Reiseführer steht. Viele sind einfach nur Ignoranten.

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