Dienstag, 1. Februar 2011

Das EU-Jahr des Ehrenamtes

2011 gedenkt man dem Ehrenamte. Das Land freut sich, dass es Menschen gibt, die ihre Aufgaben übernehmen, weil sie es zugelassen haben, dass ihre Steuereinnahmen reduziert werden, damit unser Land so richtig schön und gut ökonomisiert ist. 

Vorfahrt für den Export, wovon nur ein paar Oberschichtler profitieren und der Brosamen für ein paar Angestellte noch abfällt, die zufälligerweise in Exportbetrieben arbeiten oder denen zuliefern dürfen. Die Mehrheit ist kalt gestellt. Den Städten, den Ländern geht es schlecht - sie wollten es so - und da sie mit den Hintern nicht mehr hochkommen, dürfen die Bürger die Arbeit ehrenamtlich verrichten. 

Und nun denken wir in diesem Jahr ganz fest an sie. 

Es ist nicht zu sagen gegen ein Ehrenamt. Es wird immer wieder Menschen geben, die mit Freuden in Sportvereinen arbeiten oder auch anderswo. Nicht gezwungenermaßen, einfach so aus Lust an der Freude. Sie reihen sich ein, neben richtig bezahlten Arbeitskräften. Ich arbeite selbst ehrenamtlich an unserer Straßenzeitung mit. 

Wir sollten aber dort die Finger von lassen, wo Ehrenämter Arbeitsstellen ersetzen. Und da kommt mir doch der Verdacht, dass gerade das massenhaft beabsichtigt wird.

Das Ehrenamt als Jobkiller.

Und Ehrenamtler ist nicht gleich Ehrenamtler. Ein Langzeitarbeitsloser in H4 ist kein Ehrenamtler an sich. Der arbeitet dort sein gewährtes Gnadenbrot ab, denn Aufwandsentschädigungen werden voll mit seinen Almosen verrechnet. 

Und Ehrenamtler sollen auch möglichst wirklich alles aus eigener Tasche bezahlen. Unterstützungen auf Landesebene wurden eingedampft. Auch Vereine, die keine Einnahmen weiter haben und den Ehrenamtlern wenigstens eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen wollen, wurden vom Land die Zuschüsse gestrichen. Das Land Sachsen spricht vollmundig von "Wir für Sachsen". Für 12 Monate konnten Vereine für ihre Ehrenamtlichen 40 EUR pro Monat beantragen. Jetzt dürfen sie das nur noch für 8. Und da sind sie noch gut bedient. Viele Projekte im sozialen Bereich wurden gestrichen und bei einigen Stiftungen, die mit Ehrenamtlichen arbeiten, wurde schon das Auslaufen der Aufwandsentschädigungen angekündigt. 

Also ehren wir statt dessen das Ehrenamt an und für sich in diesem Jahr.

Ehrungen kosten nichts. Anstecknadeln kosten auch wenig, die wir den Ehrenamtlern an die Brust stecken. 
Löhne wären teurer. 

Wir leben in der permanenten Krise. Leute engagiert euch, arbeitet für umme, ehrenhalber. Steckt euer Geld in soziale Projekte, bezahlt alles selbst. So zahlt ihr doppelt. Eure Steuern dafür und nochmals per Geldbörse. Zahlt ... zahlt ... zahlt ... Hauptsache die Eliten werden dick und fett dabei, zumindest im übertragenem Sinne. 

Eure Stadt bricht zusammen? Was? Habt ihr die Straßen noch nicht ehrenamtlich geflickt? Habt ihr nicht die Schule ehrenamtlich saniert? Habt ihr keine Kindertagesplätze ehrenamtlich erbaut und engagiert ihr euch nicht als Erzieherersatz? Pflegt endlich eure Senioren in den Heimen für eine Monatskarte der Straßenbahn. Sitzt nicht zu Hause herum. 

Wir für Deutschland! 

Das sollte der Slogan sein. Für Deutschland? Für was für ein Deutschland?

1 Kommentar:

  1. Keiner im Bundestag wäre so blöde, sein Mandat als Ehrenamt auszuführen.
    Obwohl das die bessere Variante wäre.

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