Freitag, 4. Februar 2011

Die Teflonpfanne und Ägypten

Deutschland der wirtschaftliche Riese - zugleich der außenpolitische Zwerg. Aber was erwartet man auch von einem Land, was NUR Deutschland AG ist und keine Nation, keine Republik, nichts, nur Wirtschaft. 

Da haben wir mit stolz geschwellter Brust unseren Platz im UN-Sicherheitsrat eingenommen. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, sinngemäß so ertönte die westerwellende Plaudertasche. Am liebsten wären wir dort festes Mitglied.

Nur warum? Wir steuern nicht irgendeinen vernünftigen Gedanken zur Weltpolitik bei. Wir begeben uns in Sachen Ägypten auf den kleinsten, gemeinschaftlichen Nenner: Die Gewalt gegen die Demonstranten muss aufhören!

Ich sehe jetzt direkt Urban Priol vor mir, mit seiner Gestik seiner Stimme, wie er diesen Satz kolportiert. 

Die Gewalt gegen die Demonstranten muss aufhören!

Ist das alles, was unsere Kanzlerin zu sagen hat? So ein lapidarer Satz, den jeder von recht nach links von Diktatur bis Demokratie unterstreichen kann. Damit tue ich niemanden weh. 

Wie soll die Gewalt gegen die Demonstranten aufhören? Dazu muss es ja einen Weg geben. Ich müsste da zuerst mal einem Mubarak deutlich machen, dass er seine Schlägertrupps nach Hause schicken soll, egal ob er persönlich den Befehl dazu gegeben hat oder jemand anderes in seinem Umfeld. Er ist dafür das Aushängeschild. 

Dann müsste ich meinem Freund Mubarak ganz ernsthaft sagen: Freund, geh, deine Zeit ist vorbei. Ordne die Sachen, stell sicher, dass deine Leute nicht Amok laufen, aber geh. 

Weiterhin müsste gerade eine Frau Merkel aus den Erfahrungen ihrer Geschichte her sagen: Es ist vorbei. Fürs Erste. Beuge dich, du wirst wieder am Reichtum partizipieren können, wenn du erst einmal still bist und deinen Platz vorerst räumst. Denk an deine Familie, deine Freunde ... die sollen doch schließlich in ein paar Jahren wieder eine Rolle spielen können. 

Sie weiß es doch, dass es so laufen wird.

Sie weiß es ganz genau, dass man das Volk auf der Straße nur veralbern wird. 

Sie weiß, dass man ein paar Zugeständnisse macht, ein bisschen an den Rahmenbedingungen bastelt und dann läuft alles wieder so, wie es immer gelaufen ist. 

Sie weiß, dass man nur den Mittelstand ruhig stellen muss, zumindest, was sich als Mittelstand sieht.

Sie weiß, dass Wahlen alles andere als einen demokratischen Staat zur Folge haben. 

Sie kann ihre Erfahrungen mitteilen, wie man Parlamente zu Popanzen macht, die Verfassung (Grundgesetz) aushebelt. 

Aber von ihr ist nichts zu hören, außer: Die Gewalt gegen die Demonstranten muss aufhören!

Sie ist wohl von der Industrie zurückgehalten worden? Man gab ihr sicher einen "dezenten" Hinweis, dass die Wirtschaft nicht daran interessiert sei, dass Mubarak geht. Und Frau Merkel hat eben keinen eigenen Gedanken in ihrem Kopf. Ihre kleinen, grauen Zellen haben die Wendehälsigkeit nicht überstanden. 

Kommentare:

  1. Diese scheinheiligen Aussagen stoßen mir schon lange bitter auf.
    Wer nur ein bischen darüber nachdenkt, wird erkennen, dass wirkliche Veränderungen gar nicht erwünscht sind.
    Wenn ich lese, dass Israel den Westen dazu auffordert, das Mubarakregime weiterhin zu unterstützen, wird es mir schlecht.

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  2. Unser Kapital muss geschützt werden. Demokratie? Wem interessiert das denn im Westen.

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